Fußball

Hollywood in Hütteldorf: Letztes Hofmann-Tor, zweimal Joelinton, Platz drei

Zum Meisterteller auch noch ein Punktrekord in der Bundesliga. Den sicherte sich Meister Red Bull Salzburg in letzter Minute durch ein Tor des eingewechselten Norwegers Fredrik Gulbrandsen zum 1:0 (0:0) gegen Mattersburg mit insgesamt 83. Das bedeutet einen Punkteschnitt von 2,37 pro Spiel. Um 18.50 Uhr erhielt Kapitön Alexander Walke den Meisterteller, Trainer Marco Rose machte am Weg zur Meisterbühne im Trikot des im Winter nach Brasilien zurückgekehrten Paolo Miranda Liegestütze, um die Bierdusche kam er nicht herum.

Auch die letze offene Frage klärte sich in der vorletzten Runde am Pfingstsonntag: Rapid schaffte mit 4:1 (2:1) gegen Altach endgültig sein Minimalziel der Saison, Platz drei, da der LASK überraschend in Pasching gegen Wolfsberg 1:3 (0:1) verlor. Für Rapid ein perfekter Sonntag im Zeichen des Erfolgs und des letzten herausragenden Meisterschaftsheimspiels für Steffen Hofmann, Louis Schaub, den Brasilianer Joelinton und  Mario Pavelic. Vor 21.600 Zuschauern, 7000 mehr als bei der  großen Meisterparty in Salzburg. Die Superkulisse erklärt sich in erster Linie mit Hofmanns Abschied. Schon vor Anpfiff ein Riesentransparent „Steffen Hofmann Fussballgott“ vor der Fantribüne. Vor Anpfiff  Verabschiedung zunächst beim Aufwärmen für Joelinton, dessen Wunsch zu bleiben,  seine deutschen Berater nicht beeindruckte, und Pavelic. Dann für Schaub, dem bei dem Riesenapplaus von den Rängen massiv die Tränen kamen. Und am Ende für Hofmann. Das ganze Stadion erhob sich.

Die ersten vier Minuten des Spiel ertönten nur Sprechchöre für den Ehrenkapitän, der nicht beginnen durfte, auf der Bank saß. Für den  perfekten Start sorgte einer, der sich verabschiedete: Nach 14 Minuten führte Rapid gegen die fast desolaten Vorarlberger 2:0. Und zweimal traf  Joelinton. Sein zweiter Doppelpack in dieser Saison nach dem am 16. Dezember beim 5:0 in St. Pölten. Diesmal brauchte er dazu nur acht Minuten. So schnell erzielte er in seinen zwei Saisonen bei Grün-Weiß zuvor nie zwei Tore. Bevor er das 1:0 erzielte, scheiterte er bei einem Sitzer am besten Altacher, Ex-Rapid-Keeper Andreas Lukse, den Klaus Lindenberger, der Tormanntrainer des Nationalteams, beobachtete.

Ab Beginn der zweiten Hälfte begann der Fansektor massiv mit Sprechchören von Trainer Goran Djuricin Hofmanns Einsatz zu fordern. Kapitän Stefan Schwab lief nach dem Kopftor zum 3:0, seinem zwölften in der Saison, womit er der beste grün-weiße Torschütze ist, zu Hofmann, um mit ihm zu jubeln, zeigte das Trikot mit der Nummer 13 des letzten Giorgi Kvilitaia. Sieben Minuten später kam Hofmann unter frenetischem Jubel, Schwab schickte ihm via Philipp Schobesberger auch die Kapitänsbinde. Beifall bei jedem Ballkontakt von Steffen, sieben Minuten nach der Einwechslung jubelte Hofmann über sein erstes Saisontor, sein 128. in 540 Pflichtspielen, mit dem er den 4:1-Endstand besorgte. Im zweiten Versuch bezwang er Lukse, mit einem Lupfer, zeigte dabei nochmals seine Klasse. Schaub ließ Hofmann beim Schuss den Vortritt, wie es sich gehört. Da stürmten alle Mitspieler zu ihm, Keeper Richard Strebinger mit einem Sprint aus dem eigenen Strafraum über den ganzen Platz nach vorne.. Auf den Tribünen sprangen alle auf, auch Max Wöber, der Ajax-Amsterdam-Legionär mit Rapid-Vergangenheit.  Es wirkte alles perfekt inszeniert wie in einem Hollywood-Drehbuch, fast schon kitschig: „Ich hab wie ferngesteuert gespielt“, scherzte Hofmann nachher.

Wenig später revanchierte er sich mit einem Pass zu Schaub, der  auch dem künftigen Köln-Legionär die Chance zu seinem Abschiedstor eröffnete. Doch er brachte den Ball nicht an Lukse vorbei Das tat dem Jubelsonntag keinen Abbruch mehr. In der Nachspielzeit gingen zunächst Schaub dann Hofmann  trotz erfülltem Austauschkontingent.vom Platz, für einen Abschiedsapplaus. Daher spielte Rapid die letzten Sekunden mit neun Mann fertig, was nicht nur die Vorarlberger als respektlos betrachteten.

Aber das war noch lange nicht alles. Nach Abpfiff kamen Hofmanns Frau und die drei Kinder auf den Rasen, gingen mit ihm vor die Fantribüne. Dann trug er mit den Spielern ein Transparent, auf dem sich die Mannschaft bei den Fans für die Unterstützung in der Saison bedankte, rund um den Platz. Und dann nochmals eine Hofmann-Feier vor dem Block West, mit nicht enden wollenden „Steffen, wir danken dir“-Chorälen. Da konnte er die Tränen auch nicht mehr zurückhalten, ehe er mit Frau, den zwei Töchtern und Sohn noch seine private Ehrenrunde samt Jubelwellen vor den Tribünen ging. Und dann via Mikrofon zum Abschied sagte: „Ich danke euch allen, lang lebe Rapid.“ Was wird sich da erst beim Abschiedsspiel am 22. Juli tun.?Die Bilanz seiner letzten 24 Minuten: Ein Tor erzielt, drei Chancen vorbereitet. Trotz schwacher Gegenwehr erhebt sich die Frage, ob Djuricin die weiter  vorhandenen Qualitäten Hofmanns in der Saison nicht viel zu wenig genützt hat und damit die Chance ausließ, dass Rapid besser dasteht. In den Bus nach Wolfsberg zum letzten Spiel der Saison wird Hofmann nicht mehr steigen.

Keinen Jubelsonntag gab es für Rapids Erzrivalen Austria. Ganz im Gegenteil. Das 0:2 beim Schlusslicht St. Pölten prolongierte die bedenkliche und auch blamable Negativserie. Für St. Pöltens Führung sorgte Robert Ljubicic, der zwei Jahre jüngere Bruder des Rapid.Mittelfeldspielers, mit seinem ersten Treffer in der Bundesliga. Austrias Kapitän Alexander Grünwald vergab einen Elfer. Das sagt alles. Da muss viel passieren  bei Violett. Angeblich soll Austria mit Sturms kampfstarken, australischem Mittelfeldspieler James Jeggo verhandeln. Der Vertrag von Didi Kühbauer als St.Pölten-Trainer verlängert sich auch automatisch, wenn der Klassenerhalt ohne Relegation geschafft wird, sondern weil Hartberg keine Lizenz bekommt. Die jüngsten Personalentwicklungen bei Rapid nach dem Pech mit Kvilitaias Knöchelbruch: Andi Herzogs Vater beobachtete  beim Regionalliga-Spitzenspiel  Horn-Ebreichsdorf (2:2) Horns slowakischen Torjäger Matus Paukner. Doch der Slowake, der 24 Tore in 32 Spielen erzielte, erwischte keinen guten Tag. Ein neues Vertragsangebot bekam der 23jährige Armin Mujakic. Das hat er sich schon verdient, weil er sich nach zwei Jahren Verletzungspause und vier Operationen wieder zurückkämpfte. Wichtiger für Sturm als das 2:0 gegen Admira: Der 18jährige Innenverteidiger Dino Maresic verlängerte um zwei Jahre. Mit diesem „Sieg“ übertraf Sportchef Günter Kreissl viele Erwartungen.

 

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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