Fußball

Bei Rapid dreht sich alles um Steffen Hofmann: Wie lange bleibt das so?

Für die zahlreichen Rapid-Fans zählte Samstag nicht die Wüsten-WM in Katar, kein Kylian Mbappe, sondern das Ergebnis der Hauptversammlung. Der neue Präsident Alexander Wrabetz gestand nachher, es sei für ihn bewegendes Gefühl gewesen, dass an einem Samstagnachmittag fast 1300 Mitglieder nach Hütteldorf kamen. Das empfand er als etwas Besonderes. Das gilt auch für die 87,7 Prozent Zustimmung, die er erhielt. Nur zum Vergleich: Frank Hensel erhielt bei der Wahl zum Austria-Präsidenten vor vier Jahren 94 Prozent der Stimmen, also mehr als Wrabetz, bei der Wiederwahl im letzten Jahr nur noch 66 Prozent und damit einen Denkzettel.

Die 87,7 Prozent waren vor allem Steffen Hofmann zu verdanken. Sicher kein Zufall, dass Wrabetz betonte, von Hofmann darauf angesprochen worden zu sein, neuer Präsident zu werden. Die Pläne zur Liste Hofmann gab es in Wahrheit schon Wochen vor der schlimmen Blamage gegen Vaduz. Und stammen nicht von ihm. Sondern von Leuten, die wussten, dass er bei Fans und Mitgliedern auch nach dem Karriereende mehr zählt als alles anderen. Daher es leichter sein wird, Plänen zur realisieren, wenn er dabei ist.  Ganz bewusst stellte man den grün-weißen Fußballgott auch Samstag in den Mittelpunkt. Zurück blieb der Eindruck, dass er mindestens wieder genauso wichtig ist wie zu seinen Glanzzeiten im Trikot mit der Nummer elf am grünen Rasen, als er Rapid zu zwei Meistertiteln, in die Gruppenphase der Champions League und Europa League führte. Aber die nächsten Monate müssen zeigen, ob er wirklich die gewichtigste Stimme Rapids im sportlichen Bereich sein wird oder nicht. Erst das kann den Verdacht ausräumen, dass er vor allem dazu „benutzt“ wurde, um für die breite Zustimmung der Mitglieder zu sorgen und damit seine Schuldigkeit getan hat.

Hofmanns Kompetenz ist unbestritten, diese Frage stellt sich nicht. Sondern eine andere: Erhalten nur er und sein Wunschtrainer Zoran Barisic wirklich die Entscheidungsgewalt für sportliche Fragen oder geht ohne Sportausschuss im Präsidium, zu dem Michael Tojner, Michael Hatz und Hofmann gehören, gar nichts? Wrabetz meinte zur Frage, ob es Wintertransfers geben könnte, man werde prüfen, was machbar ist, wenn der Sport seine Wünsche deponiert habe. Die junge Welle, die Samstag nochmals betont und propagiert wurde, hat Rapid in Wahrheit schon eingeschlagen. Wie die Beispiele von Niklas Hedl, Leopold Querfeld, Martin Moormann, Moritz Oswald, Nikolas Sattlberger und Bernhard Zimmermann zeigen. Dazu gibt es noch einige, die schon in der Bundesliga spielten wie Pascal Fallmann oder Nicolas Binder. Zur jungen Welle brauchte es kein neues Präsidium, das Montag erstmals tagt.

Wrabetz kündigte zwar eine möglichst große Transparenz an. Aber es wird noch dauern, bis es konkrete Ergebnisse gibt. Samstag bekam man den Eindruck, dass Hofmann künftig eine neue Position mit mehr „Macht“ als die Geschäftsführer für Sport und Wirtschaft erhalten wird, falls es dieses Modell weiter geben sollte. Es wird jedenfalls die fünfte Funktion von Hofmann Rapids seit dem Karriereende vor drei Jahren. Nach Talentemanager, Trainer der zweiten Mannschaft, Interimstrainer und Assistent bei der ersten, Sportkoordinator. Bei seiner Ansprache auf der Hauptversammlung gestand er: „Als ich vor 20 Jahren nach Wien kam, hätte ich nie geglaubt, dass ich einmal hier stehen und reden werde!“

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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