Fußball

Hollywood in Liebenau: So erinnert Sturm sogar an die Osim-Zeiten

42 Tage nach der 0:6-Watschen in Rotterdam gelang Sturm Graz vor 14.300 Zuschauern im Liebenau-Stadion mit dem 1:0 (0:0) gegen Feyenoord die Revanche, ließ damit auch Erinnerungen an die goldenen Sturm-Zeiten unter Ivica Osim in de Ära von Präsident Hannes Kartnig wach werden. Das späte Happy End mit dem goldenen Tor von Joker Otar Kiteishvili (Bild oben) nach 93 Minuten in der Nachspielzeit war wie Hollywood in Liebenau. Da Lazio im Olympiastadion von Rom den FC Midtjylland 2:1 (1:1) bezwang, reicht Sturm nächsten Donnerstag in Herning gegen die Dänen schon ein Unentschieden zum sensationellen Aufstieg ins Achtelfinale der Europa League. Der Vizemeister hat die größere Chancen als Meister FC Salzburg in der Champions League, der Mittwoch im Meazza-Stadion Milan besiegen muss, um weiterzukommen. Wer hätte das drei Tage zuvor noch gedacht?

Zur Pause sah es in Graz gar nicht danach aus: „Wir sind mit dem 0:0 gut bedient, Feyenoord war besser“, gestand Sportchef Andreas Schicker. Dass die Holländer nicht in Führung lagen, lag auch an Sturms Tormann Jörg Siebenhandl. Der kurzfristige Ausfall von Eckpfeiler Ion Gorenc Stankovic hinterließ Spuren. Doch nicht einmal eine Stunde später schwärmte Christian Ilzer vom bisher emotionalsten Moment seiner Trainerkarriere. Für den auch er verantwortlich war: „Alles muss besser werden“, sagte er seinen Spielern in der Pause.  Dann halfen Ilzers Wechsel  den „Blackies“ viel mehr als die seines Kollegen Arne Slot Feyenoord. Nach der Pause hatte nur noch Sturm Torchancen. Ilzer ersetzte nach 56 Minuten Kapitän Stefan Hierländer und den Schweizer Stürmer Arian Ajeti durch Kiteishvili und Emanuel Emegha. Der Holländer war gegen seine Landsleute ein ständiger Unruheherd, Kiteishvili sorgte mit links dafür, dass in Graz sozusagen alle Dämme brachen. Nach einem Freistoß des Slowenen Tomi Horvath und einem Kopfball von Emegha nahm er den Ball perfekt mit, traf aus der Drehung ins Eck.

Für den Georgier war es das Ende einer langen Leidenszeit. Vor 13 Monaten  beim 1:4 gegen PSV Eindhoven erlitt einen Syndesmosebandriss. Als er sich zurückgekämpft hatte, stoppten ihn Achillessehnenprobleme, von denen ihn erst im Sommer der Salzburger Sportwissenschafter Franz Leberbauer befreien konnte. Insgesamt versäumte Kiteishvili 36 Spiele. Gegen eine holländische Mannschaft begann sein Unglück, gegen eine holländische schoss er sich ins große Glück. Auch wenn er nachher warnte: „Wir dürfen nicht zu früh jubeln, wir können noch Letzter werden und ausscheiden!“ Aber die Grazer sind seit dem 0:6 ungeschlagen. Sieben Siege und zwei Unentschieden stehen in der Erfolgsbilanz. Sensationell ist ein fast zu schwacher Ausdruck dafür. Feyenoords österreichischer Abwehrchef Gernot Trauner machte die vergebenen Chancen vor der Pause für die Niederlage verantwortlich: „Wir hätten in Führung gehen müssen, sind selbst schuld Das ist sehr bitter.“ Aber er traut Feyenoord trotzdem einen Heimsieg gegen Lazio und den Aufstieg zu. Dazu müsste Sturm verlieren.

Zwei Österreicher stehen schon im Achtelfinale der Europa League: Philipp Lienhart und Michael Gregoritsch mit Freiburg. Zwar gab es im fünften Spiel erstmals keinen Sieg, aber das 1:1 (0:1) gegen Olympiakos reichte. Der Ausgleich fiel in der 93. Minute, Lienhart und Gregoritsch wurden nach 77 ausgetauscht. Aufgestiegen auch Ex-Innsbruck-Trainer Stani Tschertschessow mit Ferencvaros Budapest durch ein 1:1 gegen AS Monaco. In dieser Gruppe hat Aleksandar Dragovic mit Roger Stern Belgrad nach dem 2:1 gegen den türkischen Mister Trabzonspor noch Aufstiegschancen. Christopher Trimmel stieß mit Union Berlin mit dem 1:0-Heimsieg gegen Braga auf Platz zwei hinter den belgischen Aufsteiger Union Saint-Gilloise vor.

Foto: Sturm Graz.

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