Fußball

Magaths Rückzug war kein Paukenschlag, sondern überfällig

Manche sahen es aus Paukenschlag, als Mittwoch Abend offiziell wurde, dass Felix Magath mit Admira nichts mehr zu tun hat. 14 Monate ist es her, dass der ehemalige Meistertrainer von Bayern München und Wolfsburg, der danach Schalke auf Erfolgskurs brachte, was heutzutage unvorstellbar ist, in einem Wiener Ringstraßenhotel als Chef von Global Soccer des Admira-Sponsors Flyeralarm präsentiert wurde. Global Soccer klang etwas hochtrabend, da es sich um einen Nachzügler aus Österreich (Admira) und einen deutschen Drittligisten (Kickers Würzburg) handelte. Ein eigener Pressechef begleitete Magath. Im Frühjahr 2020 war er oft in der Südstadt zu sehen. Präsent für Interviews, egal ob bei Sky oder in den Printmedien. In denen er bald  erklären musste, warum er Trainer Klaus Schmidt durch seinen ehemaligen Spieler und Assistenten Zvonimir Soldo ersetzte. Besser wurde es danach auch nicht. Dies wurde auch dem 2017 von Flyerlarm als Manager eingesetzten Amir Shapourzadeh zum Verhängnis. Er durfte“ im Juni zurücktreten. Der Klassenerhalt gelang mit Glück durch ein 0:0 bei WSG Swarovski Wattens am Innsbrucker Tivoli. Magath war vor Ort. Admira-Insider behaupteten, die Rettung gelang vor allem, weil im Frühjahr Ernst Baumeister  als Sportchef in die Südstadt zurückgekehrt war. Weil damit die Spieler eine Ansprechstation hatten, die Soldo offenbar nicht sein wollte.

Baumeister war aber  Geschichte, als das Trainingslager für die Saison 2020/21 begann. Weil er es gewagt hatte, Magath zu widersprechen, Soldo in Frage zu stellen. Ebenso die Neuzugänge wie Stefan Maierhofer oder Soldo-Favoriten aus Kroatien. Der Nachfolger war mit Ex-Austria-Sportchef Franz Wohlfahrt bald gefunden. Nach der ersten Runde im September samt völlig lebloser Vorstellung beim 1:4 gegen Rapid reichte Soldo offiziell seinen Rücktritt ein. Magath setzte durch, dass Spieler, die Soldo kritisch gegenüber standen, gehen mussten. Wie der danach bei Austria gelandete Christoph Schösswendter. Für Soldo übernahm interimistisch dessen deutscher Assistent Patrick Helmes. Ein ehemaliger Teamstürmer  und Magath-Schützling, von ihm geholt, um als Co-Trainer für bessere  Stimmung zu sorgen und die Juniors in der Regionalliga Ost besser zu machen. Nach einem 1:5-Debakel im Niederösterreich-Derby gegen St.Pölten war es mit Helmes und Bundesliga vorbei. Der neue Mann war einer mit Admira-Vergangenheit: Damir Buric kehrte in der Südstadt zurück, übernahm in der dritten Runde. Insider behaupteten, Buric war eigentlich für Kickers Würzburg das Thema, doch in der Pause des St. Pölten-Spiels wurde er sozusagen umgebucht.

Mit der Präsentation von  Buric zwischen Magath und Wohlfahrt (Bild oben) schwand seit Ende September der Einfluss von Magath. Der Kroate wollte nur für seine eigenen Ideen den Kopf hinhalten, aber nicht für die von Magath. Die manchen ohnehin als überholt schienen, weil er glaubte, sein altes Erfolgsrezept „revitalisieren“ zu können. Auch wenn das nicht so schlecht gewesen sein konnte wie es manche darstellten. Mittwoch erfolgte offiziell der Schlussstrich, intern war der schon früher gezogen worden, daher überfällig. Magath machte zum Abschied den Ausbruch der Pandemie im März dafür verantwortlich, dass seine Konzepte, auf den Nachwuchs zu setzen, nicht wie erhofft griffen, der Aufstieg des 19 jährigen  Luca Kronberger in Österreich U 21 die Ausnahme blieb, er sein Netzwerk nicht wie geplant spielen lassen konnte, er nicht so viel unterwegs war. Soll heißen: Ohne Covida 19 wäre alles anders und viel besser gelaufen. Er dankte Gerhard Bügler von Flyeralarm Österreich, dass er durch eine Vergrößerung des Budgets möglich machte, dass Buric in der Wintertransferzeit mit fünf Neuen alle Wünsche erfüllen werden konnten. Damit sei die Mannschaft qualitativ und quantitativ besser besetzt als letzte Saison. Daher sei er überzeugt davon, dass sie den Klassenerhalt schaffen wird und nächste Saison in die Meisterrunde kommen kann. Klingt nett, ist aber eigentlich die Bestätigung, dass Baumeister mit seinen Ansichten richtig lag.  Als Abschiedsgeschenk setzte Magath mit seinen Prognosen Buric noch unter Druck. Unter dem Motto: Es liegt nicht mehr an mir, wenn die Admira Letzter bleibt. Magath wird sich nur noch um seine deutschen Aufgaben kümmern. Das heißt Kickers Würzburg. Im Sommer aufgestiegen, in der zweiten Liga abgeschlagen Letzter. Dort ist im Jänner der bei Admira nicht gebrauchte Maierhofer gelandet.  Auch in Würzburg wechselte Magath schon zweimal den Trainer.

Keine Überraschung bedeutet auch die bevorstehende Trennung zwischen Altach und dem deutschen Sportchef Christian Möckel am Ende der Saison nach 20 Monaten. Seine Personalpolitik seit Amtsantritt im November 2019 war durchaus zu hinterfragen. Und mit dem Rettungskommando von Damir Canadi stand ohnehin fest, dass künftig sportlich nur das geschehen wird, was Canadi für richtig hält.

Foto: Flyeralarm-Admira.

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