Fußball

Mit Double ist Salzburg „tiefenentspannt“! Austria braucht Saisonrekord

Marco Rose beantwortete im „Sky“-Studio nach dem vierten Saisonsieg über Austria die Frage nach seinem Gefühl als „tiefenentspannt“. Das galt Sonntag ab etwa 18.50 Uhr für den ganzen Klub. Für Red Bull Salzburgs Geschäftsführer Stephan Reiter ebenso wie für Sportchef Christoph Freund, der von einer überragenden Saison sprach, bei der am Ende das sechste Double stand. Das der alte und neue Meister innerhalb von fünf Tagen fixierte: Mittwoch mit einem 2:0 über Rapid im Klagenfurter Cupfinale, Sonntag mit einem 2:1 (0:0) bei der  Austria, wonach es bis zur 86. Minute gar nicht aussah. Der LASK hatte am Nachmittag daheim Wolfsberg 3:0 (2:0) abgefertigt, damit brauchte Salzburg drei Punkte. Bis zur 71. Minute stand es 0:0, dann führte zehn Minuten die Austria durch einen Prachtschuss von Dominik Prokop, ehe der Ausgleich fiel. Fünf Minuten später sorgte Hannes Wolf für das Meisterstück, bevor er sich zu RB Leipzig verabschiedet: „Wir haben eigentlich nicht mehr gerechnet, dieses Match noch umzudrehen.“ Aber die späten Tore sind ein Markenzeichen von Salzburg in dieser Saison. Die entschieden im Herbst auch sein erstes Spiel in der neuen Generali-Arena. Damals fielen die Treffer zum 2:0 erst in der 87. und 93.Minute.

Rose verabschiedet sich jetzt mit vier Titeln zu Mönchengladbach: Es begann 2017 mit dem fast historischen Triumph in der Youth League. Von der damaligen Mannschaft spielten Sonntag bei ihm Xaver Schlager, Wolf und Patson Daka, bei Austria der Brasilianer Igor. Es ging 2018 weiter mit dem Meistertitel, der fast im Schatten des Höhenflugs in der Europa League bis ins Semifinale stand. Und es endet 2019 mit dem ersten Double. Für das Meisterstück setzte Rose total auf Frische. Nur drei Spieler aus der Startelf beim Cupsieg begannen: Rechtsverteidiger Stefan Lainer, Abwehrchef Andre Ramalho erstmals als Kapitän, im Mittelfeld Schlager. Diadie Samassekou, Munas Dabbur, Hannes Wolf, Fredrik Gulbrandsen und Patrick Farkas sassen auf der Bank, also beide Torschützen gegen Rapid.  Zlatko Junuzovic nahm auf der Pressetribüne Platz. Rose nützte Salzburgs qualitätsmäßig großen Kader: Cican Stankovic spielte wie in der Liga gewohnt im Tor, in der Abwehr ersetzten Albert Vallci und der Bosnier Darko Todorovic Jerome Onguene und Farkas, im Mittelfeld begannen mit Schlager erstmals der im Winter aus der U23 von Paris St.Germain geholte 19jährige  Franzose Antoine Bernede in der Samassekou-Rolle, dazu der bereits erprobte Ungar Dominik Szoboszlai und der Japaner Takumi Minamino, vorne Daka mit Smail Prevljak. Manche vermuteten, Salzburg wolle lieber daheim am nächsten Sonntag im Spitzenduell gegen den LASK Meister werden, sprachen von einer B-Elf, aber das stimmt so nicht. Alle diese Salzburger hätten bei allen anderen Mannschaften in der Bundesliga einen Fixplatz.

Sicher brauche Rose New Look, der erstmals in dieser Zusammensetzung spielte, eine Anlaufzeit. Die dauerte fast die ganze erste Hälfte, in der Austria durch Max Sax und Christoph Monschein zu Chancen kam, die zu einer klaren Führung reichen hätten können oder sogar müssen. Doch da scheiterten sie an Stankovic. Man merkte an den Gesten von Rose in der Coaching Zone, dass er anders, als er es nachher behauptete, mit den ersten 45 Minuten nicht zufrieden war, vor allem Initiative vermisste. Nach einer Stunde kam mit Dabbur der erste Leistungsträger von der Bank, nach 68 mit Wolf der zweite und nach Austrias Führung, die fiel, als Salzburg das Geschehen bereits kontrollierte,  mit Gulbrandsen  der dritte. So erhöhte Salzburg die Schlagzahl, drehte das Match. Mit einer ordentlichen Leistung, wie Rose feststellte, aber mit keiner herausragenden. Extra lobt er die Jungs, die nach dem Cupsieg neu hereinkamen. Er weiß, wie man einen großen Kader bei Laune hält. Rose ist der siebente Trainer in der Bundesliga, der einen Titel verteidigte. Wenn es für ihn dumm läuft, wechselte er zu einem Klub, der nächste Saison nicht im Europacup spielt.

Bitter für Austria, dass sowohl der Ausgleich von Schlager, der im Herbst beim 2:0 für die späte Führung gesorgt hatte, also auch Wolfs Siegestor, nach dem Rose seien Zufriedenheit mit einem Lächeln und erhobenen Daumen in der Coaching Zone zeigte, abgefälschte Schüsse waren. Das 1:1 nach einem Eckball für Violett aus einem Konter fiel. Salzburgs Spieler konnten nachher rote T-Shirts mit der Aufschrift „Serienmeister“ anziehen, sangen im Kabinengang „Campeones“, überlegten, wie sie die lange Meisterparty gestalten werden. Ein Thema war, ob die wie nach wichtigen Siegen in Wien fast schon traditionell beim Würstelstand Bitzinger bei der Staatsoper beginnen sollte. Ganz andere Sorgen gab es bei den Verlierer. Inklusive Nachspielzeit fehlten zwölf Minuten um bis auf einen Punkt an den Dritten Wolfsberg heranzukommen. Das gelang Sturm Graz durch ein 1:0 (1:0) in St.Pölten mit einem schnellen Goldtor von Markus Pink, das mehr als 60 Minuten nach Rot für Fabian Koch verteidigt werden musste. Bemerkenswert: Referee Dieter Muckenhammer schickte St.Pöltens Ranko Popovic schon nach zwei Minuten wegen Kritik auf die Tribüne. Die schnellste rote Karte der Bundesligageschichte für einen Trainer.  Damit muss die Austria im Finish einen Saisonrekord mit drei Siegen in Serie aufstellen, um auf direkten Weg die Qualifikation für die Europa League zu schaffen,  In Graz gegen Sturm, daheim eggen Wolfsberg und in Pasching gegen LASK. In den bisherigen drei Saisonduellen gegen die letzten Gegner gelang keiner. Bleibt´s dabei, droht das Europa League-Playoff gegen Rapid.

Einen interessanten, zuvor noch nie genannten Aspekt im Kampf um Platz drei brachte Sonntag LASK-Mastermind Jürgen Werner ins Gespräch. Er hatte durchaus recht damit, das Rang drei, der die Gruppenphase in der Europa League bringt, wirtschaftlich interessanter als Platz zwei sein könnte. Denn der Zweite muss ins Play-off der Qualifikation zur Champions League kommen, um das zu schaffen. Aber für den stolzen Zweiten LASK ist es kein Thema, „freiwillig“ nur Dritter zu werden. Wäre bei neun Punkten Vorsprung auf Wolfsberg in den letzten drei Runden auch nur ganz schwer zu schaffen.

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