Von den sechs Mannschaften in der Meistergruppe erzielten vier deutlich mehr Tore als der Dritte Rapid mit 32: Tabellenführer Sturm Graz, der Zweite LASK (je 41), der Vierte Red Bull Salzburg (47)und der Fünfte, die Wiener Austria. (39). Nur dem Sechsten Hartberg gelangen zwei weniger. Auch in der Qualifikationsgruppe gibt es drei Teams, die mehr Tore als Rapid auf dem Konto haben WSG Tirol, Ried und Wolfsberg). Das und der Blick au die Torschützenliste unterstreichen ein grün-weißes Problem: die Harmlosigkeit. Mit fünf Toren bei 22 Einsätzen ist Ercan Kara (Bild) Rapids bester Torschütze. Damit bleibt er in der Schützenliste unter ferner liefen, liegt er nur auf Platz 21.
Für die 32 Rapid-Tore brauchte es 14 Schützen. Nur Kapitän Matthias Seidl und Nikolaus Wurmbrand mit je vier, Verteidiger Bendegüz Bolla, der verletzte Claude Mbuyi und Janis Antiste mit je drei, kommen an Kara heran. Kara hatte von allen die wenigsten Einsätze in der Startelf – nur sechs. Wurmbrand kam bisher auf 24, Seidl und Bolla auf je 21, Antiste auf 16. Sogar Mbuyi hat zwei mehr als Kara, obwohl er seit Anfang Februar zusehen muss. Drei seiner fünf Tore erzielte Kara als Joker. Trainer Hoff Thorup ließ ihn bisher nur zweimal von Beginn an spielen, zweimal gar nicht. Wäre Rapid torgefährlicher, wenn Kara öfters und länger spielt? Zumindest ausschließen kann man das nicht.
Bei Rapid bedeutet viel Ballbesitz nicht zugleich, torgefährlich zu sein. Nach dem 1:1 im Wiener Derby am Sonntag behauptete Thorup, man habe vor der Pause das Spiel kontrolliert. Allerdings nur dort, wo es für Austria nicht gefährlich wurde. Je näher es zum Austria-Strafraum ging, desto ideenloser wurde Rapid. Zu oft folgte dann ein Rück-oder Querpass. Dass der einfache, lange Pass die bessere Lösung sein kann, zeigte die Aktion zum Ausglech von Kara: Der Ball kam zu ihm aus der eigenen Spielhälfte. Der 30-Jährige stellte nach seinem Treffer keine Ansprüche, forderte nicht mehr Spielpraxis. Er bleibt ein Teamplayer: „Ich bin einer, der immer bereit ist und alles für den Verein gibt. Ich bin stolzer Rapider und dazu stehe ich!“
Foto: Yigit Oerme.