Fußball

Rapid immer noch nicht fit: Fink tauschte besser als Djuricin

Die ersten Tore daheim im ausverkauften Allianz-Stadion gegen Austria reichten Rapid nicht zu einem Derbysieg.  Bis zur 73. Minute 2:0 geführt, dabei eine höhere Führung vergeben. am Ende aber nur 2:2. Austria ließ in der Nachspielzeit sogar noch die Siegeschance durch Kevin Friesenbichler aus. Das ist für Rapid wie eine gefühlte Niederlage. Im zweiten Heimspiel der Saison wieder eine 2:0-Führung vergeben. Wie beim 2:2 gegen Mattersburg. Konnte man damals die große Hitze und die Tatsache, ab der 25. Minute nach Rot für Joelinton mit zehn Mann gespielt zu haben, als Entschuldigung anführen, so gab es Sonntag wirklich keine. Rapid gab mit elf gegen elf das Match aus der Hand. Gegen eine Austria, die Mittwoch in Zypern in der Qualifikation zur Europa League gespielt hatte.  Rapid konnte sich hingegen gezielt eine Woche auf das Duell gegen den Erzrivalen vorbereiten. Trainer Goran Djuricin gab zu, dass ihm wegen der liegen gelassenen zwei Punkte die Worte fehlen. Schuldlos ist er nicht daran.

Louis Schaub bestätigte vorerst, dass der August seit Monat ist. Seit vier Jahren trifft er immer. International gegen Asteras Tripolis aus Griecheland, Dila Gori aus Georgien, HJK Helsinki, bei der Gala in Amsterdam gegen Ajax,  gegen Schachtjor Donezk, gegen Torpedo Zhodino aus Weißrussland und Trencin aus der Slowakei. Diesmal im Derby. Da zeigte Schaub wieder, dass er so viel Klasse hat, um mit einer Aktion Akzente zu setzen, auch wenn es bei ihm nicht gut läuft. Das Kopftor zum 1:0, dem der Babyjubel des werdenden Vaters folgte, war seine erste gelungene Aktion, beim 2:0 bewies er wieder Übersicht und Technik. Alles schien nach Schaubs Bundesligatoren 21 und 22, seinen ersten seit September 2016, gelaufen zu sein. Denn Rapid kam fast zu Chancen im Minutentakt. Die größte vergab Joelinton. Unentschuldbar, dass er selbst schoss und verzog statt zum nach einem 60 Meter-Sprint völlig frei vor dem Tor stehenden Mario Pavelic abzuspielen. Vier Minuten später brachte Austrias Trainer Thorsten Fink mit dem 20jährigen Dominik Prokop einen offensiven Mittelfeldspieler statt des defensiven Tarkan Serbest.

Djuricin reagierte darauf zu spät und ziemlich falsch, als er zwölf Minuten nach dem Prokop-Eintausch Thomas Murg durch Eren Kles ablöste, auf die Option, mit Steffen Hofmann einen routinierten und ballsicheren Mann und damit Ruhe ins Spiel zu bringen, verzichtete. Djuricin wollte lieber weiter mit Pressing  Austria unter Druck setzen,  ignorierte, dass der dribbelstarke Prokop für gefährliche Szenen sorgte,  der schnelle Felipe Pires plötzlich aufdrehte. Um das Pressing durchzuziehen, so fern das über die volle Distanz überhaupt möglich ist, fehlt Rapid noch immer die Fitness. Nach 70 Minuten gehen einige am Zahnfleisch, verschwinden immer mehr von der Bildfläche. Am deutlichsten zu sehen bei Kapitän Stefan Schwab. Die Fitness, von der Rapid im Erfolgsherbst 2015 im perfekten Zusammenspiel zwischen Zoran Barisic und seinem damaligen Fitnesschef Alexander Steinbichler zehrte, bräuchte  Rapid derzeit. Aber seit Steinbichler zunächst unter Mike Büskens und dann noch mehr unter Damir Canadi „abgedreht“ wurde, marschieren die Rapidler nicht mehr wie vor zwei Jahren.

So kam Austria zum ersten Punkt in der  Saison. Prokop traf selbst zum Anschlusstreffer, Schrammel foulte ihn dann im Strafraum. Der Pass zu Prokop kam vom zweiten Joker, David de Paula. Referee Alexander Harkam zeigte zu Recht auf den Elferpunkt. Was der Steirer knapp vor der Pause versäumte, als Petar Filipovic Joelinton foulte. Damit wäre für  den Kroaten genauso gelb-rot fällig gewesen wie  im Finish für Schrammel. Der Fehler des Schiedsrichters, den er nachher selbst eingestand („es wäre gescheiter gewesen, Elfer zu geben“)  beeinflusste zwar das Derby, aber  darf  keine Entschuldigung für grün-weiße Nachlässigkeiten und Patzer sein.

Raphael Holzhauser verwandelte den zweiten wichtigen Elfmeter innerhalb von fünf Tagen. Auf Zypern gegen AEL Limassol erst nach einem Unterbrechung, als die Fans wegen des  falschen Elferpfiffs durchdrehten. In Hütteldorf warfen die Rapid-Fans vermehrt Gegenstände in Richtung der Austria-Spieler erst nach dem verwandelten Elfmeter bei einem Eckball für Violett. Da unterbrach Harkam für einigen Minuten das Match, ehe es weiter ging.  Da musste Steffen Hofmann die Fans beruhigen, den schlimm provizierenden Holzhauser fast dazu zwingen, den Eckball zu schießen. Harkam gab auf „Sky“ zu: „Er hätte Gelb verdient, aber ich wollte die Lage nicht weiter anheizen. Damit kann ich leben, das ist Regel 18, selbst gescheit zu sein.“ Als Spieler wäre  der grün-weiße Fußballgott sicher wertvoller gewesen. Nicht zum ersten Mal, dass Djuricin nicht gut damit fuhr, auf ihn zu „vergessen“. Siehe Cupfinale in Klagenfurt.  So konnte sich Fink freuen: „Wir haben etwas riskiert, das hat sich diesmal ausgezahlt. Wir waren in einer brenzligen Situation, Prokop hat es hervorragend gemacht.“

Rapid hat somit nach drei Runden schon vier Punkte Rückstand  auf Tabellenführer Sturm Graz, der mit dem 3:1 in Mattersburg den dritten Sieg feierte. Nächsten Sonntag muss Rapid in die Südstadt zur Admira, wo sich Grün-Weiß stets schwer tut. Admiras Trainer Damir Buric beobachtete das Derby  live vor Ort. Die Austria kämpft einen Tag zuvor um den ersten Saisonsieg gegen den ungeschlagenen Aufsteiger LASK. Weiter schwere Zeiten für die Wiener Großklubs.

Neues von den Transferfront: Bei Philipp Prosenik, den Rapid abgeben würde, meldete sich Altach. Die Vorarlberger taten dies bereits vor dem 0:1 in Wolfsberg. Weil sich Werder Bremens 20jährigen Stürmer Ousman Manneh  für den deutschen Zweitligisten Erzgebirge Aue entschied. Ausser Prosenik ist auch das 19jährige Schalke-Talent aus Ghana, Bernard Tekpetey, ein Thema. Rapids Sportchef Fredy Bickel soll sich mit Ex-Rapidler Jimmy Hoffer, der nach acht Jahren Pause wieder für Grün-Weiß stürmen  will, getroffen haben. Abwarten, ob dies mehr als Respekt und Höflichkeit ist. Die kursierenden Gerüchte von schlechten Werten Hoffers bei einem sportmedizinischen Test dementierte sein Berater Max Hagmayr: „Es gab keinen Test, bei keinem Verein.“

 

 

 

 

 

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