Fußball

Rapids erstes 4:0 im Derby seit Hans Krankls Gala vor 44 Jahren!

Das war der beste Sonntag von Goran Djuricin in seiner bisherigen Zeit als Rapid-Trainer. Nicht nur, dass mit einem klaren 4:0 (2:0) im Derby gegen Austria vor nur 11.267 Zuschauern Platz drei gegenüber dem LASK und der Status als Nummer eins in Wien gegen den violetten Erzrivalen  verteidigt wurde, es war zugleich ein historischer Triumph: 4:0 gegen die Austria gewann  Rapid im Praterstadion gegen die Austria zuletzt vor 44 Jahren. Am 12. April 1974, als Hans Krankl alle vier Tore erzielte, damals die violette Innenverteidigung mit Erich Obermayer und Edi Krieger ähnlich schlecht aussehen ließ wie am Sonntag Philipp Schobesberger Michael Madl und den 18jährigen Aleksandar Borkovic. Nicht nur er wirkte überfordert. Die Defensivarbeit der Austria war nicht bundesligatauglich. Daher die erste Heimpleite unter dem neuen Trainer Thomas Letsch. Auch wenn Rapid diesmal keinen Torjäger hatte, der viermal traf. Zuletzt mit vier Toren Differenz schlug Rapid die Austria am 28. März 1981 im Hanappi-Stadion. 5:1 mit „nur“ zwei Krankl-Toren.

Djuricin hatte die bessere Idee für den Derbysieg als Letsch, der nicht nur auf Raphael Holzhauser und Tarkan Serbest, sondern auch auf Dominik Prokop, Kevin Friesenbichler und Ex-Rapidler Stefan Stangl verzichten musste. Dennoch darf man sich nicht so desolat präsentieren. Die Djuricin-Idee: Auf Konter spielen, den schnellen Philipp Schobesberger als Solospitze aufbeiten, Giorgi Kvilitaia auf der Ersatzbank zu lassen. Den „Pfitschipfeil“ bekam Austria nie in den Griff. Ebenso wenig Thomas Murg und Louis  Schaub. Djuricin sah zufrieden in den Schobesberger-Rolle den Schlüssel zum Erfolg: „Unser Matchplan ist aufgegangen, wir sind auf Kurs!“ Dass die Austria dazu beitrug, ist unerheblich. Rapid hat von den fünf Derbys dieser Saison keines verloren, drei gewonnen. Alle im Happel-Stadion. Das zählt.

Schon nach acht Minuten drehte Rapids Kapitän Stefan Schwab jubelnd ab. Er traf mit rechts nach idealer Vorarbeit von Schaub. Genau vor dem Austria-Sektor, in dem ein Transparent der „Fanatics“ hing, auf dem ein klarer Sieg über den „Feind“ gefordert wurde. Alle Spekulationen, was passiert wäre, hätte danach Felipe Pires den Sitzer zum Ausgleich genützt, wollte Letsch nicht mitmachen: „Wer solche Fehler wie wir macht, der kann nicht gewinnen. Wir können jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen.“ Die Devise von Vorstand Markus Kraetschmer bei der Trennung der Fanlager, wonach Sicherheit die oberste Priorität haben muss, befolgten die Spieler nicht. Da gab´s Harakiri-Aktionen, fürchterliche Ballverluste in der Vorwärtsbewegung. Und auch Legionäre, die für ein Mannschaft, die in die Europa League will, einfach zu schwach sind. Da hat etwas in der Personalpolitik nicht geklappt.

So wie auch die Devise Sicherheit total nicht: Verstöße gegen das Pyrotechnik-Verbot in beiden Fankurven. Eine Fotografin wurde am Kopf getroffen, als nach dem zweiten Tor aus dem Austria-Sektor eine leere Rauchbombe in Richtung der jubelnden Rapid-Spieler geschmissen wurde. Sie erlitt dabei ein fünf Zentimeter langes Cut, musste ins Spital. Die Polizei vermeldete 20 Festnahmen nach Auseinanderssetzungen von Fangruppen nach dem Derby. Ob es clever von Rapid.Vorstand Christoph Peschek war, dass er in sich den US-Präsidenten entdeckte und wie Donald Trump twitterte, bleibt dahingestellt. Ein Bild von sich aus dem Fansektor mit der Bemerkung „wer zusammenhält, gewinnt“. Auch wenn er unter den völlig harmlosen Anhängern im zweiten Rang sass, die auf den Längstribünen keinen Platz erwerben konnten.

Sportlich funktionierte bei Rapid an diesem Sonntag alles. Das zweite Tor durch Murg drei Minuten vor der Pause sorgte für klare Verhältnisse, nach dem dritten durch Schobesberger sechs Minuten nach der Pause fiel Austria auseinander. Da hätte es am Ende noch mehr Treffer geben können als den von Kvilitaia mit dem ersten Ballkontakt nach der Einwechslung.  Veton Berisha gelangen zwei Tage nach dem 24. Geburtstag zwei Assists. Bei ihm auch nicht alltäglich. Interessant, dass Djuricin erstmals nach sieben Runden wieder Mario Pavelic als Rechtsverteidiger brauchte. Den er nach dem unglücklichen Eigentor zum 1:2 bei der Admira in der letzten Minute sieben Runden lang links liegen gelassen hatte. Pavelic spielte bis auf einen Fehlpass solid, aber ein Neuanfang bei Rapid wird das nicht bedeuten. Eher den Beginn der Abschiedstournee. Der noch regierende kroatische Meister Rijeka zeigt seit Winter großes Interesse. Marijan Vlak, der Sportdirektor des kroatischen Spitzenklubs Dinamo Zagreb, nannte im Happel-Stadion auch Pavelic als einen Grund für seinen Derbybesuch. Der vorrangige hieß Dejan Ljubicic. Aber der hat noch einen langfristigen Vertrag bei Rapid, kostet Millionen. Pavelic ist im Juli ablösefrei.

Auch nicht jedes Derby passiert ein Kapitänswechsel bei Rapid und Austria in der letzten Viertelstunde. Bei Rapid bekam Steffen Hofmann in seinem letzten Match gegen Austria von Schwab, der ausgetauscht wurde, die Schleife. Damit ein würdiges letztes Match gegen Austria für ihn, die Fans feierten ihn noch eine Viertelstunde nach Schlusspfiff mit Sprechchören.  Beim gedemütigten Erzrivalen übergab  Michael Madl die Kapitänsschleife an Alexander Grünwald, der achteinhalb Monate nach der Knieoperation ein Comeback feierte. Ein kleiner Hoffnungsstrahl. Austrias Rückstand auf die Admira wurde durch das Debakel nicht größer, da auch die Südstädter daheim eines erlitten. Auch mit vier Toren Differenz. 2:6 gegen Tabellenführer Red Bull Salzburg, der trotz sechs Umstellungen sein Europa League-Hoch vom Donnerstag prolongierte. Wobei der 20jährige Enock Mwepu aus Sambia in seinem ersten Match von Beginn gleich mit je einem Tor und Assist auf sich aufmerksam machte. Sieben Punkte auf Admira in sechs Runden aufzuholen kann man der Austria nach dem desaströsen Derby fast nicht mehr zutrauen. Es sieht so aus, als ob im neuen Generali-Stadion in diesem Jahr kein Europacupmatch zu sehen sein wird.

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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