Mit einem Sieg in Altach hätte Rapid auf Platz sechs vorstoßen, die Austria überholen können. Zur Pause sah es bei einer 2:1-Führung noch danach aus, aber in der zweiten Hälfte war es mit der grün-weißen Herrlichkeit vorbei. Aber nicht, weil Rapid in Rot spielte. Sondern weil es nur noch zwei gute Offensivaktionen gab. In der ersten Minute sowie mit der letzten Aktion nach 93 Minuten. Da scheiterte der nach seiner Einwechslung eigentlich 20 Minuten unsichtbare „Schleicher“ Deni Alar an Altachs Tormann Martin Kobras, der auch kurz nach der Pause das vermutlich entscheidende dritte Rapid-Tor verhinderte. So gelang kurz darauf dem Ex-Hartberger Manfred Fischer mit seinem ersten Doppelpack der zweite Ausgleich, begann das Rückzugsgefecht Rapids. Da auch mit einer Niederlage hätte enden können. Altachs Ex-Rapidler Adrian Grbic traf die Stange, Fischer scheiterte an Tormann Richard Strebinger. Der hatte Probleme schon vor dem Anpfiff: Sein grauer Tormanndress unterschied sich für Referee Manfred Schüttengruber zu wenig von den weißen Altach-Dressen. Daher musste Strebinger im grünen Trainingspulli spielen. Ungewöhnlich.
„Ich bin nicht zufrieden, weil er unser Ziel, drei Punkte zu holen, nicht erreicht haben“, gestand Rapids Trainer Didi Kühbauer (Bild oben), „wir hätten schon vor der Pause alles klar machen müssen“. Damit hatte er recht. Mario Sonnleitner schien an seinen Doppelpack gegen Admira anzuschließen, traf per Kopf nach einem Eckball von Christoph Knasmüllner ins lange Eck, legte nach einer Flanke von Boli Bolingboli ebenfalls per Kopf nach. Aber da hob Linienrichter Stefan Stangl zu Unrecht die Fahne, zeigte eine Abseitsstellung des Routiniers an. Bereits in den besseren Phasen Rapids passierten einigem unnötige Fehler, über die man nur den Kopf schütteln konnte. Speziell Mateo Barac, dessen Vorstellung Kühbauer nach 60 Minuten beendete, Bolingboli und auch Kapitän Stefan Schwab. Sein Fehler im Mittelfeld führte zum 1:1, weil Sonnleitner den schnellen Amerikaner Joshua Gatt, der vor eineinhalb Jahren bei Rapid ein Probetraining absolviert hatte, nicht bremsen konnte. Aber Rapid schlug noch einmal zurück. Schneller Konter, Idealpass von Knasmüllner zu Thomas Murg, die zweite Führung.
Doch von den Kreativspielern wie Knasmüllner oder Murg war in der zweiten Hälfte nur noch wenig bis nichts zu sehen, Schwab schleppte sich schwerfällig über den Rasen. Cupheld Andrija Pavlovic fiel nur mit einer starken Aktion vor der Pause auf. Altach war die frischere Mannschaft, obwohl Kühbauer gegenüber dem Mittwoch in Wolfsberg mit Mateo Barac, Marvin Potzmann, Manuel Martic und Veton Berisha zu Beginn vier Neue aufbot. Kühbauer sah den Grund für das Rückzugsgefecht auch in den englischen Wochen mit der Dreifachbelastung: „Aber das darf keine Ausrede sein. Es hätte gar nicht mehr so eng werden dürfen.“ So bleibt das Zittern um den Platz in der Meisterrunde prolongiert. Keine gute Momentaufnahme für den Wiener Fußball. Der Rückstand auf Wolfsberg und Hartberg wuchs auf fünf beziehungsweise zwei Punkte an. Nächsten Sonntag gastiert Rapid beim Austria-Bezwinger Wolfsberg, braucht die Neuauflage des Cuperfolgs.
Apropos Cup: Da brachte der Sonntag eine gute Meldung für Rapid bei der Auslosung des Viertelfinales durch Extrem-Radfahrer Michael Strasser im „Sport am Sonntag“. Er verschaffte Rapid für Februar 2019 ein Heimspiel. Und zwar gegen Sensations-Aufsteiger Hartberg. Auch für die Austria lief es besser bei der Auslosung als am Rasen: Nach Graz zum Regionalligaklub GAK, Meister Red Bull Salzburg muss zum Zweitligisten Wr.Neustadt, der LASK empfängt St.Pölten.
Nicht nur Kühbauer musste Sonntag mit einem Unentschieden leben, sondern auch sein Freund mit Rapid-Vergangenheit, Zoran „Zoki“ Barisic. Er blieb zwar mit Olimpija Laibach auch im zehnten Pflichtspiel ungeschlagen, konnte sich aber über das 4:4 (2:3) gegen den Lokalrivalen Domzale eine Runde nach dem Sieg beim Tabellenführer NK Maribor nicht wirklich freuen. Auch wenn seine Mannschaft in den letzten 13 Minuten mit zwei Elfmetern ein 2:4 aufholte. Maribor hat trotzdem wieder vier Punkte Vorsprung, Ungeschlagen blieb mit Damir Canadi auch ein anderer Ex-Rapid-Trainer. Er schaffte im Spitzenspiel mit Atromitos Athen ein 1:1 gegen Tabellenführer Paok Saloniki. Beachtlich.