Fußball

Salzburgs Ärger in Marseille erinnerte an Rijeka und Österreich – Brasilien

Österreichs Rekordteamspieler Andi Herzog war schon immer ein positiv denkender Mensch. Optimist Herzog prophezeite Freitag in der deutschen „FussballBild“ den Aufstieg seines Ex-Klubs Bayern ins Champions League-Finale am 26. Mai in Kiew am kommenden Dienstag im Bernabeu-Stadion gegen  Real Madrid nach einem 2:1-Sieg im Elfmeterschießen. Weil David Alaba wieder fit ist und Franck Ribery über links wirbeln wird. Auch auf die Torschützen legte er sich mit Thomas Müller und Robert Lewandowski fest. Am Abend zuvor zeigte er sich am Sky-Mikrofon im Stade Velodrome zuversichtlich über Salzburgs Chancen, das 0:2 gegen Marseille am Donnerstag daheim wettzumachen, den Aufstieg ins Endspiel von Lyon zu schaffen. Durch einen Sieg mit drei Toren Differenz wie im Viertelfinale gegen Lazio Rom: „Die Franzosen sind ja in der letzten Viertelstunde umgefallen wie die Maifliegen“. Und das bereits im April. Herzog spielte damit auf Salzburg Überlegenheit in Sachen Fitness an, die sich noch auswirken könnte.  Dazu muss Österreichs Meister aber effizienter sein als im Hexenkessel von Marseille, sollte die Zuordnung in der Abwehr besser passen als bei der Führung der Franzosen. Als der für den Torschützen Florian Thauvin eingeteilte Salzburger einfach nicht bei ihm war. Trainer Marco Rose bemerkte es zwar, aber seine Zurufe waren bei dem Höllenlärm offenbar nicht zu hören.

Irgendwie erinnerte Salzburgs letztes Auswärtsspiel in dieser Europacupsaison  an das zweite. An das im Rujevica-Stadion von Rijeka in der Qualifikation zur Champions League. Am 2.August war Salzburgs Sportchef Christoph Freund im Kabinengang ähnlich aufgeregt, aufgebracht und verärgert wie Donnerstag in Marseille. Vor acht Monaten, weil der türkische Referee Hüseyin Göcek beim 0:0 ein reguläres Tor von Reinhold Yabo annulliert und damit den Aufstieg ins Play-off  verhindert hatte. Donnerstag im Semifinal-Hinspiel der Europa League über den nicht gegebenen Elfer nach einem Foul von Maxime Lopez, der mit der gelben Karte belastet war, an Stefan Lainer. Das hätte den Ausgleich, das so wichtige Auswärtstor, auch die Ampelkarte für den Marseille-Mittelfeldspieler und damit die numerische Überlegenheit für Salzburg über mehr als eine halbe Stunde bedeuten können. Freund geigte im Kabinengang dem 39jährigen schottischen Schiedsrichter Willie Collum, der 2016 bei der EURO in Frankreich pfeifen hatte dürfen, ein Liebkind seines Landsmann Hugh Dallas, der in der Schiedsrichterkommission der UEFA einer der einflussreichsten Männer ist, deutlich und ziemlich laut seine Meinung. Da kam es sogar zum kurzen Wortgefecht mit Marseille Trainer Rudi Garcia. Nicht der erste Ärger, den Collum in Zusammenhang mit Österreich verursachte. Im November 2014 konnte es der damalige Teamchef Marcel Koller nicht fassen, dass der Schotte bei der 1:2-Niederlage gegen Brasilien im Happel-Stadion die Führung der Spdamerikaner trotz eines klaren Fouls des Torschützen David Luiz an Stefan Ilsanker hatte gelten lassen.

Über den vorenthaltenen Elfmeter konnte es keine zwei Meinungen geben, auch für Herzog. Rose kommentierte das zumindest vor den Sky-Kameras in seiner gewohnt ruhigen Art: „Das kann man pfeifen, aber der schottische Referee sieht es halt anders. Da kann man nichts machen. Wir rappeln uns schon auf.“ Die Prognose von Rose klang sehr glaubwürdig, auch auf Grund des Viertelfinales gegen Lazio. Vorerst gab es nur einen österreichischen Sieger im Semifinale: Den TV-Sender Puls 4, der über bis zu 738.500 Zuseher bei der Live-Übertragung, die reichweitenstärkste Sendung am Donnerstag im Privat-TV,  jubelte. 21,7 Prozent Marktanteil bedeuten Europa League-Rekord bei Puls 4.

In Marseille verdichteten sich die Gerüchte, wonach Freund den Erwerb des ablösefreien Zlatko Junuzovic praktisch schon fixiert hat. Die Kontakte zwischen Freund und Junuzovic-Berater Thomas Böhm gelten als sehr gut. Aber Böhm stellte in Abrede, dass alles schon gelaufen ist. Stand jetzt werde vor Mitte Mai keine Entscheidung fallen: „Wir klopfen noch alle Möglichkeiten ab.“ Geht es Junuzovic beim letzten großen Vertrag seiner Karriere in erster Linie um den finanziellen Aspekt, dann kann es nur die englische Premier League und Brighton&Hove werden. Wenn er auch an seinen nach sechs Saisonen bei Werder Bremen doch schon etwas „geschundenen“ Körper denkt, dann nicht.

 

 

 

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