Und wieder holte Argentinien in Atlanta einen Rückstand auf. Im Achtelfinale gegen Ägypten von 0:2 auf 3:2, Mittwoch im Semifinale gegen England von 0:1 auf 2:1 – damit steht der Titelverteidiger wieder im Finale. Kapitän Lionel Messi bereitete in seinem ersten Duell gegen England die späten Tore zum Triumph vor, steht somit mit 39 Jahren zum dritten Mal nach 2014 und 2022 im Endspiel. Das heißt Sonntagabend in New Jersey erstmals Argentinien gegen Spanien. Zugleich das erste in der WM-Geschichte von zwei Mannschaften, die zuvor Österreich bezwungen haben. Aber davon kann sich Österreich nichts kaufen.
Es gab schon vor dem dramatischen Duell riesige Aufregung. Etwa um den amerikanischen Schiedsrichter Ismail Elfath, der als Lieblings-Referee von Messi gilt. Denn der gewann mit Inter Miami jedes Spiel in der Major League Soccer, das Elfath leitete. Aber mit dem Ausgang des Semifinales hatte der Unparteiische nichts zu tun. Die Argentinier entschieden, nicht in ihren gewohnten in Hellblau und Weiß gestreiften Dressen zu spielen, sondern in dunkelblauen, die denen mehr ähnelten, mit denen Argentinien 1986 das WM-Semifinale gegen England in Mexiko City mit Diego Maradonas „Hand Gottes“-Tor 2:1 gewonnen hatte. Die englische Hymne war vor Anpfiff durch die Gesänge der argentinischen Fans nicht zu hören, die „Revanche“ der englischen war ein Pfeifkonzert bei Argentiniens Hymne.
Die Partie nahm erst nach 55 Minuten richtig Fahrt auf. Bis zur englischen Führung war von Messi nicht viel zu sehen, von Harry Kane praktisch gar nichts. Doch dann leitete Englands Kapitän einen Konter ein, die Flanke von Morgan Rogers zum langen Eck verwertete Anthony Gordon, der Linksaußen von Newcastle. Doch Argentinien erhöhte den Druck, Teamchef Lionel Scaloni wechselte offensiv. Eine Superreaktion von Tohüter Jordan Pickford verhinderte den Ausgleich, Liverpool-Star Alexis McAllister traf per Kopf nur die Stange. Englands Teamchef Thomas Tuchel reagierte, brachte nach 71 Minuten für den Torschützen Verteidiger Ezri Konza, schaltete auf Fünferabwehr um, wechselte später wegen der vielen gefährlichen argentinischen Flanken den 2,01 Meter großen Innenverteidiger Dan Burn ein. England reagierte nur noch, versuchte so den Vorsprung über die Distanz zu bringen. Gelang nicht. Deshalb werden die englischen Medien Tuchel garantiert heftige Vorwürfe machen.
McAllister traf nochmals die Stange, nach einem Eckball traf dann Chelsea-Legionär Enzo Fernandez aus 17 Metern zum umjubelten Ausgleich. Argentinien marschierte weiter, von England kam gar nichts mehr. In der zweiten von elf Minuten Nachspielzeit flankte Messi mit rechts präzise auf den Kopf des nach 81 Minuten eingewechselten Lautaro Martinez. Der sprang zwischen John Stones und Konsa höher als die Engländer (Bild), brachte Argentinien in sein insgesamt siebtes Finale. Egal, wie das ausgeht: Die Argentinier sind die Mentalitätsmonster dieser WM.
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