Fußball

Suttners Achterbahnfahrt zum Abstieg

Markus Suttner erklärte letzten Mittwoch seinen Rücktritt aus Österreichs Nationalteam, um sich künftig total auf seinen Klub konzentrieren zu können. Aber seit Samstag steht fest, dass Ingolstadt nächste Saison nur in der zweiten Liga spielen wird: Eine brutale Achterbahnfahrt verurteilte den Linksverteidiger zum ersten Abstieg in seiner Karriere. Ingolstadt erkämpfte in Freiburg mit Einsatz total ein 1:1, war sogar dem Sieg näher, vergab die Chancen dazu. Als das Match, bei dem Lukas Hinterseer wie in den Wochen ddavor nicht zum Zug kam,  beendet war, führte Schalke durch das neunte Saisontor von Guido Burgstaller gegen den Hamburger SV 1:0, womit Ingolstadt noch eine Chance gehabt hätte, drinnen zu bleiben. Dann gelang den Hamburgern in der dritten Minute der Nachspielzeit durch den ersten Treffer von Pierre Lasogga seit 13 Monaten (!) der glückliche Ausgleich. Frust bei Ingolstadt, dann wieder Hoffnung. Weil mit der letzten Aktion Schalke nach einem Eckball das 2:1 erzielte. Schon Jubeltänze, ehe durchdrang, dass Schalkes Treffer noch annulliert wurde, weil der Linienrichter anzeigte, dass der Ball bei Schalkes Corner etwas hinter der Toroutlinie war. Wieder Riesenenttäuschung, Kopfschütteln, alle am Boden zerstört. Ein 26 Sekunden-Drama.

„So etwas ist brutal, da werd´ich einige Zeit brauchen, um das zu verkraften und wegzustecken. Jetzt herrscht eine große Leere“, gestand Suttner. Jetzt kann er nur durch einen Transfer dem Abstieg entgehen. Nach seinem starken Frühjahr wären Angebote aus der Bundesliga keine Überraschung. Burgstaller kann  in der letzten Runde  Geschichte schreiben: Trifft der Kärntner für Schalke in Ingolstadt, wäre er der erste Spieler der Geschichte, der  sowohl in der ersten als auch in der zweiten Liga auf eine zweistellige Toranzahl kommt. Der Hamburger SV, bei dem Michael Gregoritsch wieder nur zu einem Kurzeinsatz kam, kann sich dagegen mit einem Heimsieg über  Wolfsburg retten, den VW-Werksklub in die Relegation schicken. Das droht Martin Hinteregger trotz Augsburgs 1:1 gegen Borussia Dortmund auch noch, wenn eine etwaige Niederlage in Hoffenheim zu hoch ausfällt,  die Tordifferenz schlechter als die der punktgleichen Wolfsburger wird. Augsburg hat minus 16, Wolfsburg minus 17. Viel spannender geht´s nicht.

Hoffenheim liegt nach dem 5:3 bei Werder Bremen nach 5:0-Führung im Kampf um Platz drei nur noch durch die um vier Treffer schlechtere Tordifferenz hinter Borussia Dortmund auf Platz vier – da ist sowohl bei Hoffenheim als auch bei  Dortmund daheim gegen Bremen Vollgas angesagt, sind daher die theoreitschen Chancen  Werders auf die Europa League praktisch nicht mehr existent: „Wir waren alle fassungslos, als es 0:5 stand“, gestand Kapitän Zlatko Junuzovic, „zum Glück gelang etwas die Resultatkosmetik.“ Florian Grillitsch blieb das Duell gegen seinen künftigen Klub erspart, Florian Kainz kam eine Viertelstunde vor Schluss bei 1:5.

Endspielcharakter  nächsten Samstag in Hamburg und Dortmund, auch bei Peter Stögers 1.FC Köln daheim gegen Mainz. Die Mainzer sind mit dem 4:2 gegen Eintracht Frankfurt praktisch gerettet, Köln blieb nach dem 2:2 im Derby bei Leverkusen nach 2:0-Führung auf Platz sieben, hat aber die Chance, mit einem Heimsieg  über die Mainzer auf Platz sechs vorzustossen, wenn Freiburg wie erwartet in München beim Meister Bayern verliert. Dann wäre Köln als Sechster  fix in der Europa League, müsste als Siebenter nicht darauf  hoffen, dass Dortmund das Pokalfinale gewinnt, um Ende Juli in die Qualifikation zur Champions League gehen zu können: „Es ist für uns keine Selbstverständlichkeit, nach 48 Minuten in Leverkusen 2:0 voran zu liegen“, gestand Stöger, „das sollte man auch über die Distanz bringen. Aber gesamt muss ich mit dem Punkt zufrieden sein, weil Leverkusen über 90 Minuten besser war.“ Und damit die Abstiegsängste beseitigte. Nur Julian Baumgartlinger spielte gestern – aber weder er noch Aleksandar Dragovic  sind mit ihrer ersten Saison in Leverkussen auch nur ansatzweise zufrieden. Dass Trainer Tayfun Korkut nach drei Monaten wieder gehen muss, kam erwartet.

Das geilste Match der Saison mit einer Neuntore-Show sahen die Fans des RB Leipzig: „Wir haben keine Punkte gewonnen,  dafür aber Herzen und Sympathien“, kommentierte Ralph Hasenhüttl das verrückte 4:5 (2:1). Das Marcel Sabitzer nach zwei Minuten mit einem Kopftor eröffnete. Als der Steirer nach 69 Minuten ausgewechselt wurde, führte Leipzig 4:2, ließ Bayerns Abwehr , in der auch Jerome Boateng, der einen Fixplatz beansprucht, im Abwehrzentrum schlechter aussah als David Alaba. 4:2 stand es bis zur 84. Minute, ehe das 4:3 fiel. In der letzten Minute besorgte der angebliche „Egal-Alaba“ mit einem Superfreistoss für den Ausgleich, Arjen Robben mit einem Solo, bei dem er auch Stefan Ilsanker stehen ließ, noch für den Bayern-Sieg. Spricht alles für die Qualität und vor allem Siegermentalität einer Mannschaft, die bereits als Meister feststand. Auch Sabitzer zog den Hut, speziell vor den Toren von Alaba und Robben: „Das hat Klasse“. Dann legte er sich etwas mit dem „Sky“-Moderator an, der fragte, ob der One Touch-Fussball  bei  Leipzigs 4:2 die Bayern nicht provoziert habe: „Ich versteh´nicht, warum man da ein Fass aufmacht.“ So selbstbewusst wird er sich auch Sonntag Abend im Hütteldorfer Sky-Studio bei „Talk und Tore“ mit U 21-Teamchef Werner Gregoritsch und Andreas Herzog präsentieren.

Der Trost für Leipzig, ausser den Bayern schon viel mehr zugesetzt zu haben, als beim 0:3 im Dezember: Platz zwei  ist gesichert! Und daher widerspricht keiner Hasenhüttls Meinung, in dieser Saison ein besserer Trainer geworden zu sein. Das nahm er  sich auch für die kommende vor: „Ich werde immer einer sein, der dazu lernt.“

 

 

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