Fußball

Veli Kavlak und der zweite Wechsel von Rapid zu Besiktas: Was steckt dahinter?

Wie als Spieler vor nunmehr 13 Jahren wechselte Veli Kavlak nun auch als Nachwuchstrainer von Rapid zu Besiktas Istanbul. Normal sollten Vereine  froh sein, wenn ehemalige, verdienstvolle  Spieler mit dem Nachwuchs arbeiten wollen, noch dazu, wenn sie wie Kavlak zur letzten Meistermannschaft zählten. In Hütteldorf läuft das offenbar anders. Bei Rapid war Kavlak bei der U 15 und Co-Trainer bei der U 16, er hat vorerst nur die UEFA-B-Lizenz. Bei Besiktas wurde der ehemalige Publikumsliebling und Kapitän Freitag im Trainingszentrum als neuer Chef der U19 präsentiert (Bild). Bei den türkischen Klubs gibt es keine U 21, da kommt nach der U 19 schon die Kampfmannschaft. Besiktas hat nach der schwer enttäuschenden letzten Saison mit Platz sechs den Neubeginn angesagt. Mit dem Holländer Giovanni van Bronckhorst als Trainer. Der hat einiges aufzuweisen: Als Spieler mit Feyenoord zweimal Pokalsieger, mit Glasgow Rangers zweimal Meister, mit Arsenal zweimal Doublegewinner, mit Barcelona zweimal Meister und 2006 Champions League-Sieger, in 106 Länderspielen 2010 Vizeweltmeister, als Trainer mit Feyenoord einmal Meister und zweimal Pokalsieger, mit den Glasgow Rangers einmal Cupsieger und im Finale der Europa League 2022, das in Sevilla gegen Eintracht Frankfurt (mit Oliver Glasner als Trainer) erst im Elfmeterschießen verloren ging. Mit ihm soll Kavlak eng zusammenarbeiten, worauf er sich freut „Von ihm kann ich sicher einiges lernen!“

Das alles passierte eher zufällig. Kavlak war vergangene Woche privat in Istanbul, als ihn Besiktas-Sportchef Sadet Aybaba anrief und fragte, wo er gerade sei. Als er die Antwort hörte, bestellte er ihn ins Trainingszentrum, wenig später war die Einigung erzielt. Bevor Kavlak Freitag den neuen Job begann, traf er privat den vor kurzem zurückgetretenen Borussia Dortmund-Trainer Edin Terzic in Izmir. Der war in Kavlaks Spielerzeit in Istanbul zwei Jahre lang Co-Trainer unter dem damaligen Chef, dem früheren kroatischen Teamchef Slaven Bilic. Ohne Rückkehr zu Besiktas wäre Kavlak derzeit arbeitslos. Denn bei Rapid sah er keine Zukunft. Die Entscheidung zum Abschied fiel schon vor Wochen. Und das gibt zu denken.

Kavlak will über die Gründe nicht reden, weil Rapid dennoch sein Herzensklub bleibt, aber es hätten „ur-viele Geschichten“ zur neuerlichen Trennung geführt. Über die Geschichten schweigt er. Aber es dürfte doch so sein, wie es schon längere Zeit erzählt wird: Es gibt bei Rapid zwei Lager, die nicht gerade miteinander arbeiten, sondern eher gegeneinander. Das eine sind die Profis, das andere das um den Akademieleiter Willi Schuldes, der sich in neun Jahren eine Hausmacht aufgebaut und die von ihm bestimmten Trainer der Nachwuchsmannschaften fest in der Hand hat, die das tun müssen, was er anordnet. Und wer von der „Einheitsmeinung“ abweicht, gilt als Außenseiter, der nicht gefragt ist. Kavlak dürfte es so ergangen sein. Dass er aus seinen zwölf Profijahren und 31 Länderspielen mehr Erfahrung hat, als alle Akademietrainer zusammen, das zählt nicht. Bleibt die Frage, ob Rapid diese Zweilager-Konstellation weiter bringt. Eher nicht, wie die letzte Zeit zeigte.

Foto: Besiktas Istanbul.

7

Meist gelesen

Nach oben