Fußball

Was Alex Manninger über Liverpool und Klopp erzählt

Ein Vorstandsmitglied des Golfklubs Salzkammergut weiß wie kein anderer Österreicher so gut Bescheid über den FC Liverpool und seinen deutschen Trainerstars Jürgen Klopp, letzten Montag in der Mailänder Scala von der FIFA zum Welttrainer des Jahres gekürt: „ich hab´ erstmals Bilder on ihm im dunkelblauen Smoking gesehen. Aber auch der steht ihm gut“, sagt Alex Manninger. Aus den Coaching-Zonen ist Klopp ja eher mit Basecap, Trainingsanzug, geballten Fäusten und fletschenden Zähnen bekannt. Zwei Jahre zuvor beendete der 33fache österreichische Teamtorhüter mit 39 Jahren bei Liverpool seine Karriere, in der er 2005/06 bei Red Bull Salzburg unter Vertrag gestanden war. Manninger weiß über die Mannschaften, die Mittwoch in der Champions League im Kultstadion an der Anfield Road (Bild oben) aufeinandertreffen, genau Bescheid: „Jedes Match bedeutet dort Gänsehautatmosphäre.“

Manningers Laufbahn begann 1995 in den Erfolgszeiten des Vorgängerklubs von Red Bull, Austria Salzburg. Als dort Otto Konrad die unantastbare Nummer eins im Tor war. Also ging Manninger auf Wanderschaft: Vorwärts Steyr, GAK. Zwei starke Leistungen im UEFA-Cup gegen Inter Mailand verhalfen ihm zum Sprung in die Premier League zu Arsenal nach London. Dort wurde er als erster Österreicher 1998 englischer Meister. In der Saison bestritt er am 6.Mai 1998 sein einziges Spiel an der Anfield Road. Am 6. Mai 1998,  als Arsenals Supertruppe um Tony Adams, Patrick Vieira, jetzt Trainer bei Nizza, Nicolas Anelka, Dennis Bergkamp und Marc Overmars, jetzt Sportchef bei Ajax Amsterdam, bereits Meister war. Daher stellte ihn Trainer Arsene Wenger im Nachtragsspiel zwischen vorletzter und letzter Runde auf. Als Dank für starke Leistungen, die er bot, wenn er gebraucht wurde, weil die Nummer eins, David Seaman, ausfiel. Legendär wurde Manningers Leistung beim 1:0 gegen Manchester United und Eric Cantona in Old Trafford. Danach wurde er als erster Ersatztormann zum Spieler des Monats“ gewählt.

An der Anfield Road hielt Manninger damals einen Elfmeter von Michael Owen. Das 0:4 tat Arsenal nicht mehr weh. Als Arsenal Jens Lehmann als Nachfolger für Seaman holte, ging Manninger. Die Reise ab 2001 ging über Fiorentina, Espanyol Barcelona, Torino, Bologna, Siena, Salzburg, nochmals Siena, Juventus Turin und Augsburg bis nach Liverpool. Wie es zum emotionalen Schlusspunkt kam? Das hängt mit einem Verteidiger aus Estland namens Rangnar Klavan zusammen. Der spielte mit Manninger bei Augsburg, wurde von Klopp 2016 nach Liverpool geholt. Zwei Wochen danach meldete sich Klavans norwegischer Manager bei Manninger und fragte ihn, ob er sich noch eine Saison als dritter Tormann bei Liverpool vorstellen könnte, den jungen, deutschsprachigen Torhütern Loris Karius, nach seinen schlimmen Patzern im Champions League Finale 2018 jetzt bei Besiktas Istanbul, und den aktuell bei Brügge spielenden Belgier Simon Mignolet mit Rat und Tat zur Seite stehen könne. Manninger gab für den Fall, das dies auch Klopp wolle, sein okay. Zwei Tage später meldete sich Klopp bei Manninger: „Alex, du brauchst mir gar nichts mehr zu beweisen. Ich schätze dich.“ Ein Jahr zuvor, am 19. Februar 2015, hatte Manninger Augsburgs 1:0-Sensationssieg bei Borussia Dortmund, als dort Klopp noch Trainer war, mit Superreaktionen  gegen Stars wie Marco Reus und Pierre Emerick Aubameyang möglich gemacht.

Obwohl er in der letzten Saison seiner Karriere nicht mehr in der Premier League spielte, nicht an der Anfield Road zwischen den Pfosten stand, er möchte die Zeit in Liverpool nicht missen. Eine Stadt, die sich im Vergleich zu seiner ersten England-Zeit  sehr in Richtung lebenswert gewandelt hatte, trotzdem eine fußballverrückte blieb. Die Kulthymne „we never walk alone“ an der Anfield Road von den Liverpool-Fans zu hören ist etwas, das man nie vergessen kann. Auch nicht die Zeit  im legendären Trainingsgelände Melwood. Bis auf Virgil van Dijk und Mohamed Salah waren in Manningers Saison schon alle Stars bei Liverpool. Er hat sie alle schätzen gelernt, allen voran Jordan Henderson und „Oldie“ James Milner. Das Gegenteil von dem, was man englischen Spielern nachsagt, nämlich Trinkfreudigkeit. Sondern Vorbilder an Seriosität und Einstellung. Und ein Riesenerlebnis bedeutete es auch, Klopps Methoden kennenzulernen: „Er hat die Mischung von dem, was ein Trainer für den modernen Fußball braucht. Ist Psychologe, Trainer und Lehrer in einer Person, weiß inzwischen genau, wie man trotz gnadenlosem Siegeswillen mit Niederlagen umgeht. Aber die werden ohnehin immer weniger. Klopp hat aus der Mannschaft einen verschworenen Haufen gemacht.“ Obwohl er für die Spieler unberechenbar ist: „Eigentlich weiß die Mannschaft nie, was morgen passiert!“ So hält Klopp die Spannung hoch.

Lachen muss Manninger noch heute, wenn er sich an die Episode erinnert, als die Liverpool-Spieler, die in Nobelkarossen wie Jaguar, Bentley etc. unterwegs sind, Klopp erkären wollten, dass es nicht standesgemäß sei, so wie er im Opel vorzufahren. Wozu er auf Grund eines privaten Werbevertrags verpflichtet war. Klopps Antwort nach einem breiten Lachen verblüffte seine Stars: „Wenn ihr wüsstet, wie viel ich dafür kassiere, Opel zu fahren, würde ihr sogar nackt einen Opel chauffieren“.  So ist er, der „Kloppo“. Seine Trainersprache in Liverpool blieb irgendwie Deutsch. So verständigte er sich damals mit dem Ex-Salzburger Sadio Mane, mit dem Brasilianer Roberto Firmino, der Deutsch aus seiner Hoffenheim-Zeit her konnte, mit dem von Schalke geholten Joel Matip.  In großen Buchstaben steht an der Wand des Arbeitszimmers von Klopp in Melwood: „Hauptsache, drei Punkte!“

Manninger erwartet, dass Liverpool drei Punkte gegen Österreichs Meister holen wird, der sich seiner Einschätzung nach garantiert nicht von der Atmosphäre  an der Anfield Road beeindrucken lassen und nicht in Ehrfurcht erstarren wird: „Salzburg hat sich einen so guten Standard erarbeitet, wird seinen Beitrag zu einem großen Match liefern!“ Seinem ehemaligen Trainer Klopp traut Manninger den Coup zu, der in Liverpool wahrscheinlich noch mehr zählen würde als die Champions League: „Er hat alle Voraussetzungen für den ersten Meistertitel seit 30 Jahren geschaffen!“

 

 

 

Foto: FC Liverpool.

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