Fußball

Was bleibt vom Frauenwunder?

Mit viel Jubel beim Empfang am Wiener Rathausplatz im Rahmen des Filmfestivals ging Freitag Abend Österreichs Frauenwunder 24 Stunden nach dem bitteren Aus im Semifinale der Europameisterschaft gegen Dänemark in Breda, das beim Public Viewing gegenüber dem Burgtheater 12.000 Zuschauer, darunter auch Bundespräsidenten Alexander van der Bellen, bedauerten, zu Ende. Die noch vier Tage zuvor  am Sonntag bewunderte mentale Stärke beim Verwandeln von Elfmetern hatte sich Donnerstag in eine Schwäche verwandelt. Und keiner wusste, warum die Lockerheit verloren ging. Sarah Puntigam, die beim Elferschießen  im Viertelfinale den entscheiden verwandelte, vergab den ersten schon nach 13 Minuten. Das wäre die 1:0-Führung gewesen, bei der gezeigten Offensivstärke mit nur einem Verlusttor in fünf Spielen vielleicht schon der Aufstieg ins Endspiel. Aber es sollte nicht sein. Nach torlosen 120 Minuten begann wie gegen Spanien im Elfmeterdrama Laura Feiersinger. Diesmal vergab sie. Wie auch Viktoria Pinther und Verena Aschauer. Da nützte es nichts, dass die wieder herausragende Torfrau Manuela Zinsberger wie  gegen Spanien einen Elfmeter abwehrte. Am Ende Enttäuschung, obwohl Teamchef Dominik Thalhammer mit Fug und Recht behaupten konnte: „Es bleibt großartig und sensationell!“ Bei aller Enttäuschung, die auch Kapitänin Viktoria Schnaderbeck zugab: „Das ist bitter“. Auch wenn sich der EM-Neuling als Sensationsdritter der Titelkämpfe in der UEFA-Rangliste von Platz 16 weg s um einiges verbessert haben wird.

Die Frauen, Freitag nachmittag bei der Ankunft in Wien am Rollfeld des Flughafens von Bundeskanzler Christian Kern begrüsst,  werden mit Sicherheit am Jahresende zu Österreichs Mannschaft des Jahres gewählt. Selbst wenn  die Herren noch sensationell in der WM-Qualifikation das Ticket für die Endrunde 2018 in Russland schaffen. Wie sich die Damen sympathisch und bodenständig präsentierten, wie sie nicht weggesperrt wurden, sondern sich dem plötzlich entstandenen Hype auch medial stellten, da sollte Marcel Koller und die Herren einmal zum Überdenken ihrer Marschroute zwingen. Die nächste große Herausforderung folgt mit der Qualifikation um einen der acht europäischen Startplätze für die WM 2019 in Frankreich gegen Spanien, Finnland, Serbien und Israel. Eine Frage muss jeder gelernte Österreicher aber mitten im Jubel stellen: Was bleibt von diesem Frauenwunder  nachhaltig über?

Die medialen Schlagzeilen um Zinsberger, Schnaderbeck, Sarah Zadrazil, Puntigam, Nina Burger etc. werden   im Herbst sicher nicht annähernd diese Ausmasse der letzten zwei Wochen erreichen. Das ist nicht das Problem. Aber folgen auf das  österreichische Sommermärchen auch nachhaltige Initiativen, die dem Frauenfußball weiterhelfen? Ähnlich einer, die der Fußballbund vor sechs Jahren erfolgreich mit der von Sportchef Willi Ruttensteiner initiierten Gründung des Frauen-Leistungszentrums in St. Pölten setzte? Themen müsste sein, die Breitenwirkung zu verstärken, mehr Mädchen als bisher zum Fußball spielen zu bringen. Und die heimische Bundesliga mit zehn Vereinen in jeder Hinsicht zu verbessern. Ein eigener Ligamanager könnte installiert werden. Eine lizenzierte Mannschaft pro Bundesligaverein wäre auch eine ernste Überlegung wert. Warum keine Damenmannschaft  von Red Bull Salzburg, Rapid, Austria wie bereits von  Sturm Graz? Wenn da nichts passiert, wieder zur bisherigen Tagesordnung übergegangen wird, dann bleibt das  rot-weiß-rote Frauenwunder der letzten Wochen möglicherweise sogar ein einmaliges. Das wäre doch sehr schade. Dann wird garantiert von vielen, die sich jetzt als große Fans von Zinsberger, Schnaderbeck, Weninger, Zadrazil, Feiersinger, Puntigam, Burger & Co „outeten“,  nichts mehr zu hören und sehen sein!

 

Foto: Instagram.

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