Fußball

Zum Abschied von Franz Wolny: Es gibt zu wenige Schlitzohren wie ihn

Mittwoch Nachmittag verabschiedete sich in der Pfarrkirche Neu Rum bei Innsbruck die Familie, Freunde und ehemalige Mitspieler vom letzte Woche, einen Monat vor seinem 78.Geburtstag verstorbenen Franz Wolny. Von einem Ur-Wiener, dessen Name immer mit dem Aufschwung des Tiroler Fußballs Ende der Sechzigerjahre verbunden bleiben wird. Weil der Floridsdorfer damals sozusagen den Wiener Fußballschmäh von Hütteldorf nach Innsbruck brachte. Vom FAC hatte ihn 1960 der berühmte Ernst Happel als Sektionsleiter Rapids verpflichtet. Er nannte Wolny den von der „Scherbeninsel“. Das war Happels Ausdruck für das Wien jenseits der Donau.

Bald feierte Wolny sein Debüt in der Nationalmannschaft, 1963/64 gehörte er gemeinsam mit seinem Vorbild Gerhard Hanappi, Walter Glechner, Rudi Flögel, Walter Skocik, Leopold Grausam und Franz Hasil  zur von Robert Körner trainierten  Meistermannschaft. Aber so richtig ging der Stern des Stürmers erst auf, als ihn Leopold Stastny, der slowakische Trainer von Wacker Innsbruck,1965, holte. Die Mannschaft mit Wienern, die bei Austria oder Rapid nicht mehr gefragt waren, machte Jagd auf die Wiener Großklubs. Anfangs mit Wolny, Leopold Grausam, den Ex-Simmeringer Helmut Redl, Hans „Buffi“ Ettmayer, Heinz Binder, später auch mit Grausam. Das Angriffstrio mit Wolny, dem Tiroler Helmut Siber und Redl war das Prunkstück, als in der Saison 1966/67 der erste Meistertitel nur um ein lächerliches Tor verpasst wurde. Damals zählt nicht die Tordifferenz, sondern das Torverhältnis. Hätte Wacker damals das letzte Heimspiel gegen SW Bregenz nicht nur 5:1, sondern 5:0 gewonnen, wäre nicht Rapid Meister geworden, sondern die Grün-Schwarzen aus Innsbruck.

Als dies dann in der Saison 1969/70 gelang, war Stastny schon Österreichs Teamchef, trainierte Wacker ein Kroate, der noch Jahrzehnte Schlagzeilen liefern sollte: Otto Baric, später mit Rapid und Austria Salzburg sowohl Meister als auch im Europacupfinale. Da stürmte  der junge Linksaußen Kurt Jara bereits an Wolnys Seite. Auf Wackers erstes Meisterstück folgte die Tiroler Fusion zwischen dem Meister und dem Nachbarn Wattens, bereits von Swarovski gesponsert. Mit der aufgerüsteten Mannschaft wurde Wolny noch zweimal Meister, ohne dabei eine dominierende Rolle wie bei Wacker zu spielen. Er ließ die Karriere in Bregenz und bei Austria Klagenfurt ausklingen. Dort bestritt er 1975 sein letztes Meisterschaftsspiel. Gemeinsam mit Franz Hasil wie in den Anfangsjahren bei Rapid. Vom Talent her hätte Wolny durchaus so wie Hasil Europacupsieger werden können.

Aber er war nun einmal kein Kind von Traurigkeit, was seinen Trainern so manche Sorgen bereitete. Unvergessen die Episode, die Stastny einmal erzählte. Damals logierte Wacker Innsbruck vor den Spielen in der Hauptstadt meist im Hotel Fürstenhof am Gürtel gegenüber dem Westbahnhof. Stastny wusste, dass Wolny auch am Abend vor einem wichtigen Spiel einer Kartenpartie mit seinen Wiener Freunden nicht abgeneigt war. Also blieb der Trainer bis Mitternacht bei der Portierloge sitzen, um verhindern zu können, dass Wolny ausbüchst. Er versuchte es nicht nur, es gelang ihm auch. Indem er auf allen vieren den Gang an der Portierloge vorbei zum Ausgang kroch. Solche unerwartete Ideen hatte Wolny auch am Spielfeld. Ein Schlitzohr, das stets einen Trick wusste, um die Abwehrspieler auszumanövrieren. Übrigens: Am Tag nach dem nächtlichen Ausflug zu Kartenpartie schlug Wacker Innsbruck im Praterstadion die Austria vor 45.000 Zuschauern 3:1. Zweifacher Torschütze: Franz Wolny.

Schlitzohren wie Wolny vermisst man heute in den Mannschaften viel zu oft. Das Spiel gegen den Ball, das schnelle Anlaufen der Verteidiger, heute für viele Trainer das Nonplusultra, war nicht sein Ding. Hingegen wusste er zum Unterschied von vielen aus der modernen Generation immer Lösungen, so bald er den Ball hatte. Und das zählt noch immer am meisten, das vermisst man heutzutage immer mehr. Ein Schlitzohr wäre heutzutage noch viel gefragter als damals, würde viele, viele Millionen verdienen. Mehr neue Wolnys würden auch Österreichs Fußballszene gut tun. Der Tiroler half er noch einmal als Trainer: 1981 führte er die Spielgemeinschaft Wattens-Wacker in die erste Division zurück.  In den zwei Jahren danach stand er zweimal im Cupfinale, ohne Autria und Rapid bezwingen zu können. Danch zog er sich als Trainer zurück. Wer ihn spielen sah, wer ihn etwas näher kannte, der wird ihn immer vermissen.

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