Fußball

Zum Stolz über weißen Rauch in der Liga besteht kein Grund

Dienstag jubelte St.Pölten über mehr als 5000 verkaufte Karten für das Samstag-Spiel gegen Rapid. Die NV-Arena fasst 8.000 Zuschauer, sie dürfte erstmals in der Saison ausverkauft sein. Grün-Weiß mit der Rückkehr von Didi Kühbauer werden es möglich machen. Im Protokoll einer Sitzung der Bundesligaklubs vom 3.April 2017, in dem es um die neue Verteilung der TV-Gelder  ging, kann man den Satz lesen: „Herr Frankie Schinkels wendet ein, dass die anderen Klubs in ihren Zuschauerzahlen von den Spielen gegen Rapid profitieren. Dies soll auch mitberücksichtigt werden.“ Schinkels war damals noch Sportchef bei St.Pölten. Neben ihm sass Generalmanager Andreas Blumauer bei dieser Sitzung. Nicht einmal zwei Jahre später zählte Blumauer Dienstag zu den vehementen Befürwortern des gegen Rapid und Sturm Graz gerichteten Plans von LASK-Präsident Siegmund Gruber und Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer, die Zuschauerzahlen nicht mehr als Kriterium für die Verteilung der TV-Gelder gelten zu lassen. Das nennt man auch sich drehen wie ein Windradl. Samstag wird St.Pölten von Rapid profitieren.

So wie Dienstag bei der achtstündigen Sitzung der zwölf Bundesligaklubs, als Rapid dem von Ligapräsident Gerhard Stocker ausgearbeiteten Kompromiss zustimmte. Der Innsbruck-Chef kann persönlich stolz darauf sein, dass er damit den großen Eklat verhinderte, am Ende  weißer Rauch aufstieg, alle Klagedrohungen von beiden Seiten ebenso vom Tisch sind wie Rapids Antwort mit der Einzelvermarktung. Da hat er das Maximum aus der prekären Situation herausgeholt. Wofür auch die Ligavorstände Christian Ebenbauer und Reinhard Herovits in den letzten Tagen mit unzähligen Telefonaten die Basis legten. Die Liga hat´s also nicht zerrissen. Hurra. Aber dürfen die Klubs wirklich so stolz darauf sein, selbst Lösungen gefunden zu haben? In Wahrheit hätte es doch nie so weit kommen dürfen, dass einige gegen selbst  getroffene Beschlüsse derart zündeln wie es eigentlich monatelang geschah.

Und sich jetzt in Oberösterreich dafür feiern lassen, die angeblich so ungerechte Verteilung der TV-Gelder gestoppt zu haben. Rapid kriegt künftig etwa 300.000 Euro weniger, Sturm 200.000. Wenn es nach Grubers Absichten gegangen wären, wären aus den 22,5 Millionen au dem TV-Vertrag mit „Sky“ künftig für Grün-Weiß mehr als eine Million weniger zu lukrieren gewesen, für Sturm 600.000. Also stimmten beider Klubs mit dem Kompromiss, zu dem auch gehört, dass die zweite Liga künftig 2,8 statt 2,3 Millionen Euro aus TV-Einnahmen und Solidaritätsbeitrag bekommt, jeder der 16 Klubs also 175.000 statt wie bisher 143.750, eigentlich nur einer Schadensbegrenzung zu.

Man muss kein Prophet sein, dass sich dadurch am gegenseitigen Misstrauen in der Liga nichts ändern wird, die Vereinen nicht gemeinsam für ein bessere Image arbeiten werden, die Gangart untereinander weiter überhart bleiben wird. Speziell in Wien. Der nächste Anlass, dies offen auszutragen, wird sich garantiert finden. Fragt sich nur wann. Wenn es noch in dieser Saison passiert, wäre es keine große Überraschung.

 

Foto: Österreichische Fußball-Bundesliga Geschäftsbericht 2017∕18.

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