Fußball

0:0 und damit in drei Jahren alle Ziele verfehlt

Nur eine Nullnummer statt eines Sieges. Damit verfehlte Österreichs Team das erste Ziel in der Ära von Teamchef Franco Foda,  den Gruppensieg und Aufstieg in der Nations League. Nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Bosnien vor den Augen von Eintracht Frankfurt-Trainer Adi Hütter und dem interessierten Zuschauer Peter Stöger bleibt nur Platz zwei hinter den Bosniern, die in der  Weltrangliste acht Ränge hinter den Österreichern liegen. Warum das passierte? Weil das Team zu wenig kreativ, offensiv zu harmlos ist. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten vier Spiele. Nur ein erzieltes Tor aus den zwei Partien gegen Bosnien und der gegen Nordirland, das sagt genug. Jetzt kann man sagen, das sei noch kein Beinbruch, weil noch eine komplette Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 bevorsteht, die im März nächsten Jahres beginnt. Aber das wäre der falsch Ansatz. Man sollte lieber darüber eine Ursachenforschung betreiben, warum diese Mannschaft alle Ziele in den letzten drei Jahren verpasste, seit der  beeindruckenden Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 alles daneben ging: Unter Marcel Koller bei der Endrunde die Vorrunde zu überstehen und die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 zu schaffen. Und jetzt unter Foda nur der zweite Platz. Da half auch die Rückkehr der Kampfmaschine Julian Baumgartlinger (Bild oben im Duell der Kapitäne gegen Edin Dzeko) nicht.Und es soll keiner sagen, die Bosnier wären ein größeres Kaliber gewesen als vor vier Jahren Schweden und Russland in der geglückten Qualifikation.

Man kann Foda nicht vorwerfen, dass er Donnerstag nichts riskierte, sich nichts einfallen ließ. Er verzichtete auf einen dritten Innenverteidiger, bot einen Viererabwehr auf, in der es die Teampremiere von David Alaba als „echten“ Linksverteidiger gab, bot hinter der einzigen Spitze Marko Arnautovic einen Offensivspieler mehr auf. Zwar kann man sicher darüber diskutieren, ob es eine gute Idee war, den Aussenspieler Florian Kainz im Zentrum aufzubieten und Alessandro Schöpf am linken Flügel, aber darauf nicht die schwache erste Hälfte nicht reduzieren. Da passierten schon beim Spiel aus der Abwehr heraus zu viele Fehler, gelang es selten, in die Zweikämpfe zu kommen. Foda brachte zur zweiten Hälfte statt Kainz Xaver Schlager, aber auch Schöpf und Valentino Lazaro hätten sich über einen Austausch nicht beklagen dürfen. Mit Schlager kam mehr Leben ins Spiel, eine Doppelchance, die Martin Hinteregger und Arnautovic in der 51.Minute ausließen, machte Hoffnung auf mehr, die sich aber nicht erfüllte. Im Finish half auch die Brechstangen-Variante mit Marc Janko nicht mehr. Man vermisste meist die nötige Ruhe im Spiel, Ballstafetten, Kombinationen. Hohe Bälle als letzte Hoffnung bewiesen nur das momentane Tief.

Möglicherweise hätte es Referees gegeben, die bei der Rettungsaktion von Bosniens Innenverteidiger Toni Sunjic bei der Chance von Arnautovic einen Elfmeter gepfiffen hätten, aber als Opfer des Schotten Andrew Dallas sollte sich die Mannschaft nicht fühlen. Sondern sich selbst bei der Nase nehmen, was nach den durchaus guten Ansätzen im Frühjahr passiert ist, warum offensiv nichts mehr läuft.  Man würde es sich zu leicht machen, von den üblichen Problemen bei einem Umbruch zu sprechen. Denn wirklich neu in die  Mannschaft kam unter Foda nur Mittelfeldspieler Peter Zulj. Heinz Lindner im Tor bekam die schwereren Bälle zu halten als der Bosnier Ibrahim Sehic. Auch das sagt genug. Und es sollte auch zu denken geben, dass unter den 37.500 Zuschauern mehr Bosnier als Österreicher waren. Warum waren die zwei Sektoren für die bosnischen Fans bis hinauf unters Dach gefüllt, warum blieb bei den zwei für die österreichischen der dritte Rang leer, war nichts einmal der zweite komplett gefüllt? Auch diese Entwicklung muss ein Alarmzeichen sein. Allein daran, dass die Fans die Nations League nicht für wichtig genug nahmen, kann es nicht liegen.

Enttäuschung in Österreich, hingegen der bisher höchste Sieg für Österreichs Rekordspieler Andreas Herzog in seinem fünften Spiel als Israels Teamchef. Die Kehrseite am 7:0 (3:0) gegen Guatemala in Netanya mit einem Doppelpack von Salzburg-Torjäger Munas Dabbur: Die Erwartungen für das entscheidende Spiel um den Aufstieg in der Nations League gegen Schottland am Dienstag im Hampden-Park von Glasgow stiegen in unrealistische Höhen. Aber zum Unterschied von Foda wäre Herzog mit einem 0:0 glücklich. Weil er damit seines erstes Ziel erreicht hätte.

 

Foto: ÖFB .

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