Fußball

Adi Hütter bereits Titelfavorit? „Die Saison ist kein 100 Meter-Lauf“

So mancher Titelverteidiger hat unübersehbare Probleme in der laufenden Saison. Da macht auch Champions League-Sieger Real Madrid in der spanischen La Liga keine Ausnahme. Nach fünf Runden schon sieben Punkte Rückstand auf den FC Barcelona, bei dem Lionel Messi beim 6:1 gegen Eibar mit vier  Toren, darunter seinem 300. in Nou Camp, wieder einmal überragte. Real Madrid  bezog hingegen bei der Rückkehr von Ronaldo nach seiner Sperre im Bernabeu-Stadion eine 0:1-Pleite gegen Betis Sevilla, verpasste damit einen Weltrekord. Das wäre das 74. Spiel hintereinander gewesen, in dem Real immer ein Tor erzielte.  Das weiße Ballett blieb bei 73 hängen. Erstmals seit 26.April 2016 gelang  der Torfabrik kein Treffer.

Auch in der Super League  der Schweiz bahnt sich ein Umschwung an. Zu Guten eines Österreichers: Adi Hütter hat erstmals, seit er am 7. September 2015 den Trainerjob in der Uhrenstadt mit zwölf Punkten Rückstand auf den FC Basel übernahm, den Meister klar im Rückspiegel. Vor einem Jahr hatten die Young Boys nach sieben Runden neun Punkte Rückstand auf Basel, jetzt sind es nach dem 4:1 gegen Luzern sechs Punkte Vorsprung, da der Meister in St. Gallen 1:2 verlor, schon vier Partien sieglos blieb, nur zwei Punkte holte. Das passierte in vergangenen Saisonen erst, wenn Basel  bereits als Meister feststand.

Rapids Sportchef Fredy Bickel wird sich für seinen Freund Hütter, den noch er nach Bern geholt hatte, riesig freuen,  hätte aber trotz seiner Devise „wenn es Adi gut geht, geht es auch mir gut“, wohl auch in Hütteldorf diesen Tabellenplatz liebend gerne. Doch Rapid hat noch zwei Punkte mehr Rückstand auf Platz eins als Basel. Die größte Schweizer Zeitung, der „Blick“, spricht bereits vom Zerfall des großen FC Basel unter neuer Führung, mit dem neuen Trainer Raphael Wicky, der zuvor die U21 des Klubs betreute, den Vorzug gegenüber dem letzten Meistermacher Urs Fischer, dem zuwenig Unterhaltung und Spektakel vorgehalten wurde, erhielt. Ebenso wie  gegenüber der Rückkehr von Austrias Trainer Thorsten Fink, mit dem auch verhandelt wurde.

Hütter, der 2015 mit Red Bull Salzburg das Double geholt hatte, dann aber wegen zu vieler Vorgaben aus der Chefetage, sprich vom damaligen Sportchef Ralf Rangnick, überraschend nicht mehr weiter machen wollte, wurde Mittwoch in der Mixed Zone des Stade de Suisse bereits gefragt, ob er seine Mannschaft nach der einzementierten Tabellenführung jetzt als Titelfavorit sehe. Seine Antwort: „Im September wird leider noch nicht der Meistertitel vergeben.“

Die Meisterschaft sei leider kein 100 Meter-Lauf, sondern einer über 3000 Meter: „Wir schlagen uns derzeit bravourös, aber es ist noch nicht einmal ein Viertel  dieses 3000 Meter-Laufs absolviert. Auf jeden Fall ist es gut für die Schweiz, wenn die Meisterschaft jetzt ausgeglichener ist.“ Hütter erinnerte daran, dass vor nicht allzulanger Zeit, Young Boys, vier Spiele lang kein Tor erzielen konnte: „Momentan spielt auch die Konkurrenz für uns.“ So ließ der Zweite FC Zürich beim Letzten Lausanne mit dem 1:1 zwei Punkte liegen. Hütter kann derzeit sogar den Ausfall seines Torjägers  Guillaume Hoarau verkraften, weil andere, wie der 23jährige Neuzugang Christian Fassnacht, in die Bresche springen. Und es starke Joker gibt: Hütter brachte Kameruns Teamspieler Nicolas Ngamaleu, den Millionenkauf aus Altach,  ebenso wie seinen Landsmann Thorsten Schick im Finish. Ngamaleu traf noch zum Endstand.

Sonntag muss  Young Boys ins Wallis zum FC Sion. Am Abend zuvor nehmen sich  Basel und der FC Zürich im St. Jakob-Park gegenseitig Punkte weg. Hütter machte nie ein Geheimnis daraus, einen Trainerjob in Deutschland anzustreben. Letzte Saison gab es eine Anfrage von Ingolstadt. Aber der 47jährige Vorarlberger lehnte damals das Rettungskommando ab. Bleibt er mit den Young Boys auf Erfolgskurs, wird das nächste Angebot aus der Weltmeisterliga garantiert folgen.

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