Fußball

Ein steirischer Duracell-Hase reichte nicht

Nur noch Euro-Zwerg, viel Renommee verspielt! Mit diesen und ähnlichen Schlagzeilen reagierten die deutschen Medien auf den schwarzen deutschen Mittwoch in der Champions League.  Borussia Dortmund schaffte auch daheim gegen den zypriotischen Aussenseiter Apoel Nikosia nur ein 1:1, kann sich das Achtelfinale bereits abschminken. Da geht es nur noch darum, Platz drei und das Weiterspielen in der Europa League abzusichern. Derzeit sind Dortmund und Apoel punktgleich, die Borussia hat nur die bessere Tordifferenz. Ein arger Tiefschlag drei Tage vor dem Bundesligaschlager um Platz eins gegen Tabellenführer Bayern, der als rühmliche deutsche Ausnahme bereits fix im Achtelfinale der Königsklasse steht. Dorrtmunds Krise ist auch eine von Torjäger Pierre Emerick Aubameyang: Seit vier Spielen kein Tor erzielt.

RB Leipzig verlor durch ein 1:3 im Estadio do Dragao Platz zwei hinter Besiktas Istanbul an den Sieger FC Porto. Kriegte die Hüttel voll, wie „FussballBild“ in Anspielung auf  den Trainer Ralph Hasenhüttl titelte. Sein steirischer Landsmann Marcel Sabitzer bekam gemeinsam mit dem Schweden Emil Forsberg die beste Note der 13 Leipziger Feldspieler, als Duracell-Hase der Bullen Lob für sein Riesenpensum und den perfekten Pass zum Ausgleich des eingewechselten Torjägers Timo Werner kurz nach der Pause. „Danach haben wir das Match zu leicht aus der Hand gegeben“, kritisierte Hasenhüttl nach der zweiten Auswärtsniederlage im ZDF, „da ging ein wenig die Ordnung flöten, weil wir unbedingt gleich das zweite Tor nachlegen wollten. Das geht gegen eine routinierte Mannschaft eben ins Auge.“ Passierte auch wegen der  Standardschwäche. Denn vier der fünf Treffer in den zwei Spielen gegen Portugals Tabellenführer kassierte Leipzig nach Standardsitutionen. In Porto das 0:1 nach einem Eckball und das 1:2 nach einem Freistoss, bei dem allerdings nicht nur der Torschütze, Portugals Europameister Danilo Pereira, im Abseits stand. Das beredete Sportchef Ralf Rangnick mehr als Hasenhüttl, der feststellte: „Wahnsinnig schlecht verteidigt.“ Drei Niederlagen hintereinander in einer Woche (zuvor zweimal gegen Bayern) gab es in seiner Ära zuvor noch nie. Jetzt muss Leipzig  wohl die letzten zwei Spiele in Monaco und daheim gegen Besiktas gewinnen, um das Achtelfinale zu schaffen. Anders als bei Dortmund besteht wenigstens noch die Chance darauf.

Für die englischen Klubs gab es hingegen einen Abend zum Feiern. Manchester City gewann als erste Mannschaft aus der Premier League  in Neapels Fußballkathedrale San Paolo.  Das 4:2 gegen Napoli nach 0:1-Rückstand sicherte Pep Guardiolas Truppe bereits das Achtelfinale. Ebenso Tottenham  das 3:1 in Wembley gegen Titelverteidiger Real Madrid mit dem überragenden zweifachen Torschützen Dele Alli. Tottenham schaffte es erstmals seit 1963 (!), eine spanisches Starensemble im Europacup zu bezwingen. Womit der freie Fall von Real, der besten europäischen Mannschaft der letzten zwei Saisonen, weiter ging. Die höchste Niederlage in der Ära von Trainer Zinedine Zidane, die alle Gerüchte, wonach der Franzose wackelt, befeuerten. Die höchste Niederlage Reals in den Gruppenspielen seit  2008 (damals 0:2  gegen Juventus, als bei den Siegern der  Salzburger Alex Manninger im Tor spielte). Zweimal in vier Tagen verloren: Zunächst in der La Liga 1:2 bei Girona, dann in London. Wobei Real jeweils ein irreguläres Tor aus Abseitsposition kassierte: In Girona das Siegestor des Aufsteigers, in Wembley Tottenhams Führungstreffer. Aber das zieht  nicht als Ausrede: „Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht“, behauptete „Zizou“ Zidane, der Real derzeit mental nicht stark sieht, aber nicht in der Krise. Obwohl in den letzten fünf Pflichtspielen nur zwei Siege gelangen. Das gibt´s beim königlichen Klub nicht oft.

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