Eishockey

Endlich ein Österreicher: Head Coach Peintner macht als Unikat Hoffnung

Serge Aubin in Wien beim Meister Vienna Capitals, Steve Walker in Klagenfurt, wo er beim KAC seinen ersten Job als Head Coach in Europa bekam, der umstrittene Greg Poss in Salzburg, Europa-Neuling Troy G. Ward bei den Black Wings in Linz, Rob Pallin bei den Innsbrucker Haien, Doug Mason in Graz bei den 99ers, Greg Holst in Villach, Dave MacQueen, über den unglaubliche Geschichten kursieren, in Dornbirn bei den Bulldogs: Bisher schienen die Trainerjobs bei den österreichischen Klubs in der EBEL-Eishockey-Liga ein nordamerikanisches Reservat zu sein, auch wenn Holst zur Generation der Austro-Kanadier gehört. Passt ja ganz zum Trend, lieber drittklassige Ausländer zu forcieren als österreichische Spieler. Lange vorbei die Zeiten, als österreichische Trainer wie Herbert Pöck beim KAC und in Graz oder Kurt Harand in Wien und Linz bei den Klubs das sportliche Sagen hatten. Seit Sonntag gibt´s ein kleines Revival, ein österreichisches Unikat in der Liga, das medial am Tag, an dem Skiheroe Marcel Hirscher im zweiten Rennen nach seinem Knöchelbruch erstmals wieder gewann, klarerweise medial völlig unterging: Markus Peintner, 36 Jahre alt, in Österreich zum Trainer ausgebildet, folgte auf Holst in Villach, soll für einen Aufschwung sorgen. Platz neun  passt im eishockeyverrückten Kärnten und Villach gar nicht.

Jener Peintner, der schon als Spieler, ein nicht zu übersehender Typ war. Nicht nur wegen seiner kreativen  Bartkreationen. Aufgewachsen in Vorarlberg, Schüler am berühmten Collegium Bernardi, Spieler in Lustenau, Feldkirch, Linz, Wien, Villach, Graz und zum Abschluss wieder Villach. Dreimal wurde der linke Flügel Meister, in Linz, Wien und Villach. 124 Länderspiele bestritt er, schoss dabei 38 Tor.e Darunter jedes  in Bietigheim gegen Deutschland, das Österreich das Ticket für Olympia in Sotschi sicherte. Da sorgte er 2013 für Schlagzeilen wie Cordoba am Eis. Aber ein Jahr später fehlte er bei Olympia. Kein Platz für ihn. Die Enttäuschung schluckte er runter, ohne einen Skandal daraus zu machen. Typisch für seine ruhige Art. Bei neun Weltmeisterschaften spielte er für Österreich, davon sechsmal in der Top Division.

Seit 2014 fungierte er als Assistant Coach in Villach. Zunächst beim Finnen Hannu Järvenpaa, dann bei Holst. Und zudem gehörte er seit 2015 zum Betreuerstab von Roger Bader: Zunächst beim U20-Team, dann bei der  Nationalmannschaft. Auch den Teamchef freute es, als er Sonntag von der Beförderung Peintners zum Chef in Villach hörte: „Wenn er eine faire Chance mit der entsprechenden Unterstützung aus dem Vorstand bekommt, dann schafft er es sicher“, prophezeite Bader, „er hat beim Nachwuchs  begonnen, war sehr wissbegierig und lernwillig.  Die größte Stärke von Markus ist sein gutes Auge und dass er für Eishockey lebt!“  Bader hofft sehr, dass mit dem Unikat Peintner ein Umdenken zu Gunsten österreichischer Trainer beginnt. Denn die sind auch als Assistenten der Tormanntrainer nicht sehr gefragt. Die Ausnahmen: Ex-Torjäger Christoph Brandner beim KAC, Mark Szücs in Linz, Rick Nasheim in Dornbirn. Nasheim und Szücs sind Austro-Kanadier, die wie Holst erfolgreich  Österreichs Teamdress trugen.  Mit Reinhard Divis (KAC),  Jürgen Penker (Linz) und Markus Kerschbaumer (Villach) gibt´s noch drei österreichische Tormanntrainer. Man kann es drehen und wenden wie man will: Rot-Weiß-Rot bleibt im eigenen Land bei den acht Vereinen in der Minderheit.

Für einen Paukenschlag könnte Peintner als Chef wohl nur sorgen, wenn er auf sein Markenzeichen, den Bart,  verzichtet, ihn als Chef abrasiert. Mit der Mannschaft, in der auch Sam Antonitsch, der 21jährige Sohn des ehemaligen österreichischen Tennisstars spielt, die als einzige der acht österreichischen Klubs keinen ausländischen Torhüter verpflichtete, sondern auf David Kickert und Lukas Herzog vertraut, wird er  keine sensationellen Sprünge schaffen. Wenn er die Playoffs erreicht, ist das ein Erfolg. Peintner ist klar, dass es schwierig wird.

Bader wünschte mit einem Seitenblick auf den Fussball zu Jogi Löw seinem geschätzten Assistenten Peintner alles erdenklich Gute. Löw hatte 1996 beim VfB Stuttgart im Alter von Peintner, also mit 36 Jahren, den Sprung zum Assistenten zum Chef  geschafft, als der Schweizer Rolf Fringer gehen musste. Nicht alle trauten Löw damals zu, ein guter Chef zu werden. 18 Jahre später wurde er Weltmeister-Teamchef. Wenn Peintner in Österreichs Eishockeyszene über 18 Jahre nur annähernd so erfolgreich wie Jogi sein sollte, dann muss er ein Wunderwuzzi sein.

Foto: Erste Bank Liga.

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