Fußball

Für 640 Millionen wird die WM aufgebläht

Am Dienstag wird der Rat des Weltverbands FIFA darüber entscheiden, ob die Weltmeisterschaft ab 2026 von derzeit 32 auf 48  Teams aufgebläht wird, wie es der am 26.Februar 2016 zum neuen FIFA-Boss gewählte Schweizer Gianni Infantino dem Fußball antun will. Um sich die Gunst der kleinen Länder zu sichern, die bei seiner Wahl genauso eine Stimme haben wie die führenden Nationen. Glatzkopf Infantino, wegen seiner Ähnlichkeit zu einer Werbefigur für Haushaltsreinigungsmittel auch „Meister Proper“ genannt, treibt seit Monaten diese Pläne voran, wobei er sich demokratisch gibt: „Ich glaube an diese gute Idee, bin aber kein Diktator.“ Es geht ausser um seine Zukunft wenig überraschend auch um das liebe  Geld.

Die FIFA, die wegen ihrer ganzen Affären massive Verluste in dreistelliger Millionenhöhe hinnehmen musste,  ließ eine Studie anfertigen, die belegt, dass eine 48er-WM mit  16 Dreier-Gruppen den größten finanziellen Gewinn verspricht. Um möglichst große Zustimmung zu bekommen, lancierte Infantino die 64seitige Studie bereits vorab. Im Vergleich zur WM 2018 in Russland mit 32 Teams könnten nach dem neuen Modell 2o Prozent mehr Einnahmen und  640 Millionen Euro Gewinn erzielt werden.Aber auf Kosten sportlicher Qualität. Nur zur Erinnerung: Als sich Österreich für die WM 1978 in Argentinien qualifizierte, gab es nur 16 Teilnehmer. Vier Jahre später war Österreich einer von 24 Teilnehmern, ebenso 1990  in Italien. Bei der letzten rot-weiß-roten Qualifikation 1998 in Frankreich gab es erstmals 32 Teilnehmer. Ab 2026 sollen es nach Infantinos Plan 48 sein.Wo diese Mammut-WM gespielt werden könnte? Es wird über das Trio USA, Kanada und Mexiko spekuliert.  Die Vergabe wurde von Mai dieses Jahres auf Mai 2020 verschoben.

Für die Reform gibt es zwei Modelle: 48 Teams werden auf 16 Dreiergruppen verteilt. Die jeweils ersten beiden kommen weiter. Dann folgt eine k.o.-Runde mit 32 Teilnehmern. Würde die gleiche Anzahl von Spielen bis zum Finale (sieben) bedeuten wie bei der 32erWM. Allerdings sollte es schon in den Gruppenspielen  bei Unentschieden nach 90 Minuten Verlängerung  und möglicherweise Elfmeterschießen geben.  Es gibt eine zweite Variante: Die 16 führenden Nationen sind gesetzt. 32 Teams spielen vorher eine k.o.-Runde als Qualifikation . Die 16 Sieger und die 16 Gesetzten  gehen dann in die Gruppenphase. Aber favorisiert werden von Infantino 16 Dreiergruppen. 40er Varianten (acht Gruppen mit fünf Teams oder zehn mit vier) scheinen chancenlos zu sein.

Natürlich regt sich Protest. Besonders aus Deutschland. Zu langes Turnier, zu große Belastung für die Spieler heißen die Argumente. Verbandschef  Reinhard Grindel fordert eine Vertagung der Entscheidung, wird wohl nicht gehört werden. Christian Seifert, der Boss der deutschen Liga, erwartet einen Machtkampf, sollten die Bedenken der europäischen Topligen ignoriert werden: „Der FIFA-Präsident wird von 211 Nationen der Welt gewählt. Und am Ende fragen ihn diese Länder, was er für sie tut, damit sie ihn wählen.“ Infantino streitet aber  ab, dass es ihm ums eine persönliche Machtposition geht: „Mir eine WM mit 48 Teilnehmern auszureden, wird schwierig sein. Deutschland ist ja immer dabei, egal ob man mit vier, 40 oder 200 Mannschaften spielt.“ Die Vereinigung der europäischen Klubs ECA unter Vorstand Karlheinz Rummenigge schrieb einen Protestbrief an Infantino, sprach sich deutlich gegen die Aufstockung aus. Aber die Front bröckelt bereits. England ist nicht mehr strikt gegen die Aufstockung, auch die Fußballer-Gewerkschaft FIFpro nicht: „Es ist fair zu sagen, dass wir immer bereit sind, Spielern die Gelegenheit zu geben, für ihr Land anzutreten“, behauptete Europa-Chef Bobby Barnes.  Vorausgesetzt, die Zusatzbelastung hielte sich in Grenzen.

Für ein Ja zur Aufstockung genügt die einfache Mehrheit im neuen FIFA-Rat, dem Nachfolger des Exekutivkomitees. Dort sitzen ausser Infantino noch acht Vizepräsidenten und 28 Mitglieder.  Die Vizepräsidenten sind aus Europa der slowenische UEFA-Präsident Aleksandr Ceferin, Angel Villar Llona (Spanien) und  David Gill (England). Dazu Al Khalifa Sheik Salman aus Bahrain, der skandalumwitterte Issa Hayatou aus Kamerun, Victor Montagliani aus Kanada, Alejandro Dominguez aus Paraguay und David Chung aus Papua- Neuguinea. Von den 28 Mitgliedern sind die aus Italien, Ekuador, Amerikanisch-Samoa, Burundi sowie den Turks und Caicos-Inseln im Atlantischen Ozean Damen, die Herren kommen aus Malaysia, Kuwait, Japan,  Ägypten,Tunesien, Guinea, Kongo, Ghana, den Cook-Inseln, Kolumbien, Brasilien, Uruguay, USA, Panama, Kuba, Belgien, Türkei, Zypern und Russland. Deutschland ist bei der Entscheidung in Zürich hingegen komplett außen vor, da der ehemalige Präsident Wolfgang Niersbach von der FIFA-Ethikkomission für ein Jahr gesperrt wurde, da er den Verdacht von Ungereimtheiten bei der WM-Vergabe 2006 nicht rechtzeitig gemeldet haben soll. Daher darf Niersbach nicht an den Sitzungen teilnehmen, hat der weltgrößte Sportverband keinen Einfluss auf die vielleicht wichtigste Entscheidung im Weltfußball. Wahnsinn. Bestenfalls kann die WM-Aufblähung am Dienstag vertagt werden. Die Tendenz läuft aber leider in die andere Richtung.

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