Nicht nur Sky-Experte Andreas Herzog hätte das der Wiener Austria so nicht zugetraut: Nach 23 Spielen ohne Sieg gegen Red Bull Salzburg gelang vor den Augen von Teamchef Ralf Rangnick mit 2:0 (2:0) wieder einer! Der erste seit 2018, der erste in Salzburg seit 2014. Mit einer grandiosen ersten Hälfte schockte die Austria den Winterkönig, verteidigte den Vorsprung mit viel Leidenschaft. Letzte Saison erzielte die Austria in Salzburg kein Tor, Freitag waren es zwischen der 21. und 24. Minute. gleich zwei. Zunächst ein Traumtor des überragenden Abubakr Barry, der die Aktion selbst einleitete, dann nach Pass von Manfred Fischer aus 20 Metern genau ins Kreuzeck traf. Dann gelang Johannes Eggestein nach einem Eckball von Sanel Saljic sein sechstes Saisontor. Die unerwartete Sensation zum Start war mehr als ein Ausrufezeichen oder eine Kampfansage für den Kampf um den Platz unter den ersten sechs. Mit solchen Leistungen wird es die Austria schaffen. Logisch, dass die Euphorie groß war: „Ich bin unheimlich stolz auf diese Truppe. Egal, was im Klub passiert, wir halten zusammen, sind eine Einheit!“, schrie Kapitän Fischer in die TV-Kameras. Das gibt Auftrieb für das Wiener Derby gegen Rapid in der nächsten Runde.
In der Startelf stand mit Philipp Maybach ein 18 jähriger, mit Saljic (Bild) ein 20 jähriger, eingewechselt wurden der 20 jährige Innenverteidiger Dejan Radonjic, der zwei Jahre jüngere Konstantin Aleksa, ab der 82. Minute feierte der 17 jährige Vizeweltmeister Vasilje Markovic sein Bundesligadebüt. Emotionell auch der Kurzeinsatz von Innenverteidiger Johannes Handl. Sein erster nach einer schweren Virusinfektion seit August: „Wir haben uns fünf Wochen intensiv auf dieses Spiel vorbereitet. Vieles, was wir trainiert haben, konnten wir umsetzen. Solche Siege tun immer gut, aber es steht noch eine intensive Zeit vor uns!“, warnte der glückliche Trainer Stephan Helm. Nach seinem 50. Bundesligaspiel als Austria-Trainer gab es wirklich Grund zum Feiern.
Bei Salzburg nur Grund zum Nachdenken. Einmal mehr über die Kulisse. Nur 7500 Zuschauer, einige gingen bereits eine Viertelstunde vor Schluss, die Fans scheinen trotz Tabellenführung kein Vertrauen in die Mannschaft zu haben. „Wir brachten vor der Pause keine Aggressivität auf den Rasen, haben nur reagiert, statt selbst zu agieren“, bedauerte Trainer Thomas Letsch. Diesmal funktionierten die Youngsters von Salzburg nicht so gut wie die der Austria. Vielleicht auch, weil die violetten „Himmelstürmer“ mit Aleksandar Dragovic und Fischer Routiniers hatten, bei denen sie sich „anhalten“ konnten. Die fehlten Salzburg. Daher kann der Winterkönig Samstag vom LASK mit einem Heimsieg gegen Tirol punktmäßig eingeholt wurden. Der Austria gelang das zumindest bis Sonntag mit Meister Sturm Graz.
Foto: Gepa Admiral.