Fußball

Peter Zulj als Höchststrafe: Rapid und sein Ausreden-Rucksack

Fünf Siege in den ersten fünf Runden: Sturm Graz feierte im  Hütteldorfer Allianz-Stadion durch das 2:1 (1:0) bei Rapid den besten Klubstart der Klubgeschichte, Franco Foda übertraf damit selbst den ehemaligen Toptrainer Ivica Osim, in dessen Erfolgsära er der Abwehrchef war. Beachtlich, dass mehr Fans aus der Steiermark die Grazer zu Rapid begleiteten als zwei Wochen zuvor den violetten Erzrivalen Austria zum Derby. Als die ihre Tabellenführer feierten, schickten der Rapid-Fans verärgert die Verlierer fort, als sie sich für die Unterstützung bedanken wollten. Passierte schon eine Woche zuvor beim 1:3 gegen Admira in der Südstadt. Wurfgeschosse flogen Samstag keine auf den Rasen, dafür nannte der Fansektor vor Anpfiff auf einem Transparent die Journalisten Terroristen. Wenn es keine Toleranz mehr gibt, wie Rapids Vorstand Christoph Peschek am Tag zuvor ankündigte, dann hätte dieses Transparent nie entrollt werden dürfen. So klingt alles nur nach Lippenbekenntnissen.

Nach fünf Runden zehn Punkte Rückstand auf Platz eins, zehn Tore kassiert, keines der drei Heimspiele gewonnen. Wahnsinn, passt zu den grün-weißen Ansprüchen wie die Faust aufs Auge. Die Krise  hat Rapid wieder fest im Griff, keiner findet ein Mittel, um ihr zu entkommen. Die Umstellungen von Trainer Goran Djuricin halfen nicht: Max Hofmann statt Mario Sonnleitner im Abwehrzentrum, Thomas Schrammel nach der Sperre  Linkverteidiger, vor ihm Bolin Bolingboli, Steffen Hofmann erstmals seit der ersten Runde im offensiven Mittelfeld hinter der einzigen Spitze, die überraschend nicht Joelinton, sondern Giorgi Kvilitaia ließ. Rapid kam zwar zur ersten Chance durch Hofmann und Louis Schaub, aber das war es auch. Der grün-weiße Fußballgott bemühte sich vergeblich um Linie im Spiel, zur  Pause führten die Grazer verdient. Sie fanden nach Rapids Ballverlusten immer die Räume, die sie brauchten, wie Foda analysierte.

Djuricin versuchte mit Joelinton statt Kvilitaia zur zweiten Hälfte für mehr Power zu sorgen, denn bis zur Pause gewann Rapid nur 33 Prozent einer Zweikämpfe. Keine Quote, mit der man drei Punkte holen kann. Schneller wurde Rapids Spiel erst mit dem Comeback von „Pfitschipfeil“ Philipp Schobesberger nach einer Stunde, das auf das Anschlusstor von Stephan Auer folgte. Der stellte nachher zurecht fest: „Uns fehlen vorne die richtigen Ideen.“ Unweit des Allianz-Stadions stellte im Sky-Studio Experte Alfred Tatar fest: „So ist Rapid nur eine Durchschnittsmannschaft.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Rapid hat Legionäre, die in dieser Form nicht helfen (Bolingboli, Kvilitaia), mit Stefan Schwab einen Kapitän, der sich bei allem Bemühen nur über den Rasen schleppt, viele unnötig Ballveruste produziert, keine Akzente setzen kann. Wer den Ehrgeiz des Salzburgers kennt, der weiß, wie er sich derzeit fühlt. Er kann einem leid tun. Da liegt es an Djuricin, zu reagieren. Die Führungsetage hat sich auf eine Begründung für den Fehlstart festgelegt: Ein Rucksack aus der letzten Seuchensaison soll es sein, der emotionell zu tief in den Knochen steckt. Nur hatte Rapid in dieser Seuchensaison nach fünf Runden fünf Punkte mehr als derzeit.

Die Höchststrafe bei der Verschärfung der Rapid-Krise war  der beste Mann auf dem Platz im Sturm-Dress mit der Nummer 17. Der 24jährige Peter Zulj wuchs zur dominanten Erscheinung. Immer präsent. Einen Mittelfeldspieler dieses Formats hatte Rapid nicht. Und dabei hat der Welser eine Rapid-Vergangenheit. Aus dem Nachwuchs kam er zu den Amateuren, wurde von 2010 bis 2014 an Amstetten, Grödig und Hartberg verliehen, ehe 2014 in Wolfsberg die Bundesligakarriere begann, die bei Admira und Ried weiter ging. Nach dem Abstieg ging er zu Sturm, bisher ist er der Königstransfer von Sportchef Günter Kreissl. Auch der Ex-Mattersburger Thorsten Röcher wandelt auf diesen Spuren. Er stellte auf der linken Seite mit Assist und Tor Rapids bisher einzige Neuerwerbung Bolingboli klar in den Schatten. „Wäre ich schon früher so gescheit gewesen wie jetzt, hätte ich mich vielleicht auch bei Rapid durchgesetzt“ machte Zulj niemandem einen Vorwurf. Mitten im Jubel war er mit Foda einig, was Sturm in nächster Zeit tun muss, um vorne zu bleiben. Nämlich demütig sein, hart weiterarbeiten.

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