Fußball

Sag mir, wo ein Tormann ist

Herbert Prohaska konnte in seiner Teamchefära in der erfolgreichen Qualifikation für die WM 1998 zwischen zwei Legionären im Tor wählen, die bei ihren Klubs die Nummer eins waren: Michael Konsel bei AS Roma und Franz Wohlfahrt bei Vfb Stuttgart. Dieses Luxusproblem hätte Marcel Koller derzeit gerne. Wegen des  Saisonendes für Robert Almer muss er sich sseit Donnerstag Abend den Kopf zerbrechen, wer  im Kader gegen Irland und die Slowakei zu Ramazan „Rambo“  Özcan und Andreas Lukse dazukommt. Die Alternativen halten sich in Grenzen.  Im In-und  Ausland.

In Österreich verzichten sieben der zehn Bundesligisten auf einen  Legionär zwischen den Pfosten. Aber  einen, an dem Koller nicht vorbei sehen kann, bieten sie nicht an. Bei Tabellenführer Sturm Graz erkämpfte sich der 34jährige Christian Gratzei wieder den Status der Nummer eins, den er in Österreichs Team vor Jahren in  der Ära von Didi Constantini vorübergehend hatte.  Um die Einbürgerung von Rieds Kapitän Thomas Gebaueer gab es zu Beginn von Kollers Amtszeit viel Gerede, jetzt mit 34 ist er kein großes Thema mehr. Der ehemalige  Unter 23- Keeper Cican Stankovic, dem viele (vor allem  sein Berater Max Hagmayr) eine Karriere bis ins Nationalteam prophezeiten, ist bei Meister Salzburg  seit mehr als einem Jahr die Nummer zwei hinter dem soliden  Deutschen Alexander Walke. Und ansonst? Nichts überdurchschnittliches, Nachwuchshoffnungen ohne Erfahrung. Wie Almers Ersatz Osman Hadzikic, der jetzt bei Austria die Spielpraxis bekommen wird, die U19-Teamtorhüter Paul Gartler bei Rapid vorerst  nur  bei  der Zweiermannschaft in der Regionalliga Ost erhält. Der Steirer  ist beidbeinig, gilt als glänzender Fußballer – das ist immer mehr gefragt.

Angebote bei den Legionären? Daniel Bachmann, die Nummer eins in Österreichs U23, ist  in England bei Stoke die  Nummer vier hinter  Jack Butland, dem 40jährigen Irland-Oldie Shay Given und Lee Grant. Alex Manninger,  Nummer drei in der Hierarchie des  FC Liverpool, beendete bereits vor  sieben Jahren seine Teamkarriere. Heinz Lindner kommt bei Eintracht Frankfurt seit vergangener Saison nicht am finnischen Teamtorhüter Lukas Hradecky vorbei.  In der zweiten deutschen Liga gibt es zwei österreichische Keeper,die das Gardemaß haben, das Koller so schätzt: Der 29jährige Marco Knaller, unangefochtene Nummer eins bei Sandhausen, 1,92 Meter groß. Klaus Lindenberger, der Tormanntrainer des Nationalteams, beobachtete ihn schon  live – aber offenbar fand der Kärntner keinen großen Anklang bei ihm.  Noch vier Zentimeter größer als Knaller und sechs Jahre jünger ist der Oberösterreicher Samuel Radlinger. Seit 2011 bei Hannover 96, zwischenzeitlich an Rapid (2013/14) und den 1. FC Nürnberg verliehen. Bei Grün-weiß scheiterte sein  Kampf um die Nachfolge von Jan Novota, der damalige Trainer Zoran Barisic forcierte wegen der Verletzungsanfälligkeit Radlingers lieber Marko Maric, der sich dann aber rasch von Rapid verabschiedete, jetzt als Leihspieler Hoffenheims bei  Polens Tabellenführer Lech Danzig  Ersatz für den Serben Vanja Milinkovic (Sohn des früheren GAK-Legionärs) ist. Daher kam bei Rapid Richard Strebinger zum Zug. Der schwebt laut dem grün weißen Sportvorstand Andreas Müller zwischen Genie und Wahnsinn.

Zurück zu Radlinger: Sonntag kommt er erstmals in der zweiten deutschen Liga zum Zug. Von Beginn an. Weil Hannovers Stammkeeper Tschauner verletzt ausfällt, spielt Radlinger in Nürnberg. Schlagzeilen wie im Juni wären Radlinger auch für sein Debüt zu wünschen: Vor vier Monaten  heiratete er in Berlin die sieben Jahre ältere Schauspielerin Sila Sahin, zuvor die Freundin von Ilkay Gündogan, nunmehr Star bei Manchester City. Als Liebesweis heißt Radlinger seit damals Sahin Radlinger, seine Gattin Sila Radlinger Sahin. Radlinger spielte  zwölfmal in Österreichs U21. Da hieß der Teamchef Andreas Herzog.

 

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