Fußball

Was Ferdinand Feldhofer und Ralf Rangnick verbindet

Montag Mittag bestätigte Manchester United offiziell das Engagement von Ex-Salzburg-Sportchef Ralf Rangnick als Trainer bis Saisonende. Eine Stunde später gab es in Hütteldorf die offizielle Präsentation von Ferdinand Feldhofer als neuer Trainer von Rapid. Er ist im Allianz-Stadion länger auf der Bank eingeplant als Rangnick in Old Trafford. Mindestens bis Sommer 2023, dann hat Rapid eine Option auf ein weiteres Jahr. Was Feldhofer und Rangnick verbindet? Beide übernehmen ihren Klub auf Platz acht. Manchester United hat zwölf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Chelsea, Rapid sogar 19 auf Red Bull Salzburg. Rangnick soll Manchester United auf einen Champions League-Platz unter die ersten vier bringen, in der Königsklasse möglichst weit kommen. Feldhofers erste Herausforderung in Hütteldorf  formulierte Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic ganz klar: Die nächsten drei Spiele gewinnen! Sonntag als erster Rapid-Trainer im Allianz-Stadion das Derby gegen die Austria, vier Tage später das Europa League-Spiel in Genk, drei Tage darauf gegen Admira in der Südstadt. Rangnick soll Donnerstag in Old Trafford gegen Arsenal erstmals auf der Bank sitzen, wenn die Arbeitserlaubnis rechtzeitig kommt. Solche Hürden hat Feldhofer vor seinem Einstand nicht.  Seine ersten Ziele:  „Den Platz unter den ersten sechs fixieren, im Europacup überwintern!“

Weder Rangnick noch Feldhofer sahen Sonntag ihren neuen Klub. Trotzdem behaupten englische Medien, Rangnick habe schon die Aufstellung beeinflusst, obwohl er nicht beim 1:1 im Stadion an der Stamford Bridge war. Dass Ronaldo, der seit der Rückkehr zu United im Sommer zehn Tore erzielte, 64 Minuten auf der Bank saß, sei auf Rangnick zurückzuführen. Und überhaupt, werde es der 36 jährige Topstar schwer haben, beim bekannten Rangnick-System mit Gegenpressing einen Platz zu haben. Solche Spekulatioenn gibt es bei Feldhofer nicht. Rapid kann keinen Topstar, nicht einmal einen Platzhirsch wie Michael Liendl auf Feldhofers letzter Station vor der Unterschrift bei Grün-Weiß in Wolfsberg. Er dementiert den großen Krach mit dem Kapitän als Ursache für die Trennung, obwohl er ihn vor seinem letzten Spiel in Wolfsberg, dem Cupsemifinale gegen den LASK, ebenso wie zwei andere Wolfsberger Urgesteine, Christopher Wernitznig und Michael Novak,  aus dem Kader eliminierte: „Die Klubführung und ich hatten gänzliche andere Vorstellungen über die Planungen für die Zukunft. Da habe ich gesagt, es ist besser, wir beenden gleich die Zusammenarbeit.“

In Hütteldorf sind Sport Barisic und er auf einer Linie. Rapid soll dominant auftreten, aktiv in Offensive und Defensive agieren. Von der Qualität des Kaders ist Feldhofer überzeugt. Jetzt am Spiel viel zu ändern, wäre totaler Blödsinn. Nur den einen oder anderen Input will er geben. Druck macht er sich selbst, er will von  den Spielern eine Siegermentalität sehen. Das sagte er ihnen schon Montag Vormittag beim ersten Training. Feldhofer, der zugibt, sich in der aktiven Zeit einiges von profilierten Trainern wie Ivica Osim bei Sturm („damals gab´s keine Pulsuhren und Daten zur Trainingssteuerung, aber er was seiner Zeit voraus“) und Josef Hickersberger, dessen Sohn Thomas jetzt zu seinen Assistenten zählt, bei Rapid abgeschaut zu haben, sieht sich als Teamplayer, der auf Menschen zugeht und probiert, ein Wegbegleiter zu sein. In Wolfsberg behaupten hingegen einige, er habe gar keinen besonderen Draht zur Mannschaft gesucht.

Rapids 2:2 in Ried studierte er via Video: „Die Leistung war okay, auf der kann man aufbauen“, versichert Feldhofer, der nichts davon hielt, erst im Jänner einzusteigen, sondern gleich loslegen wollte. „Er ist mutig, Rapid auch“, meinte Barisic anerkennend. Sonntag war  Feldhofer  unter 20.000 Zuschauern in der Luminus-Arena von Genk, studierte den letzten Europa League-Gegner bei der 2:3-Heimniederlage gegen den FC Brügge. Genk liegt derzeit nur auf Rang zehn. Sein Assistent und Video-Analyst Matthias Urbesberger, den er mit zu Rapid nahm, spionierte zur gleichen Zeit am Wiener Verteilerkreis beim 2:1 von Derbygegner Austria gegen Sturm.

Während seiner Pause hospitierte Feldhofer bei erfolgreichen Landsleuten in Deutschland. Bei Oliver Glasner in Frankfurt und Adi Hütter in Mönchengladbach. Auch sein Ziel wäre ein Trainerjob im Ausland: „Hoffentlich bin ich der erste Trainer, von dem Rapid wirtschaftlich profitiert“. Weil er mit Erfolgen so auf sich aufmerksam macht, dass er aus dem Vertrag bei Rapid herausgekauft wird. Der erste wäre er aber nicht:  Das passierte bei Hickersberger bereits vor 16 Jahren, als ihn der ÖFB zum Teamchef für die Heim-Europameisterschaft machte. Wenn Rapid unter Feldhofer  künftig so souverän spielt wie er sich Montag präsentierte, dann kommen wirklich erfolgreiche Zeiten auf Grün-Weiß zu.

Foto: © FOTObyHOFER/Christian Hofer, Manchester United.

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