Fußball

Auch Mählich: Die Trainer werden fast wie Unterhosen gewechselt!

Donnerstag mittag präsentiert sich erstmals der neue Trainer von Österreichs Doublegewinner, Red Bull Salzburg, der Amerikaner, Jesse Marsch, der Öffentlichkeit. Die Vormachtstellung des Meisters in der Bundesliga dokumentierte auch die gewählte Mannschaft der vergangenen Saison: Sieben Salzburger, Tormann Cican Stankovic, Stefan Lainer, Andre Ramalho, Andreas Ulmer, Diadie Samassekou, Xaver Schlager und Munas Dabbur sind darin vertreten. Bis auf Dabbur werden nach Stand jetzt alle anderen auch unter Marsch bei Salzburg spielen. Das Team der Saison komplettieren vom Vizemeister LASK Kapitän Gernot Trauner, der von Teamchef Franco Foda links liegen gelassene Thomas Goiginger und Joao Victor, der nach Deutschland zu Wolfsburg wechselte. Vom Dritten Wolfsberg ist Michael Liendl dabei. Es wird nicht leicht für Marsch, so mitreißend und sympathisch wie sein Vorgänger Marco Rose rüberzukommen. Doch Marsch kann sich nach einer Saison als Assistent von Ralf Rangnick bei RB Leipzig des in Österreich nicht unbedingt üblichen Rückhalts der Chefetage sicher sein. Vor allem von Sportchef Christoph Freund.

Rose präsentierte sich nach seinem Abschied aus Salzburg bereits bei seinem neuen Klub Mönchengladbach, kündigte einen neuen Spielstil, dynamischer und laufintensiver als bisher an, war dann als Gast von Jürgen Klopp beim Champions League Finale von Madrid, feierte mit seinem ehemaligen Trainer beim Aufstieg mit Mainz dessen Triumph mit dem FC Liverpool im Hotel „Eurostars Tower“. Und reagierte nicht auf die dümmlichen Attacke, die der  gescheiterte Sportdirektor des Hamburger SV, Bernhard Peters, bei einem Kongress in Köln gegen den deutschen Trend, Trainer aus Österreich zu holen, ritt. Peters, ein ehemals sehr erfolgreicher Trainer im Hockey, sollte 2006 Sportdirektor im deutschen Fußballbund werden. Doch der damalige Teamchef Jürgen Klinsmann setzte sich mit seinem Kandidaten nicht durch. Zwei Jahre später musste Peters aus einem Beirat des DFB wegen Kritik an Klinsmanns Nachfolger Jogi Löw ausscheiden Danach war er Nachwuchschef in Hoffenheim, versuchte sich mit mäßigem Erfolg in Hamburg. Jetzt gab er an deutsche Trainer spöttische Tipps: „Du musst bei Ried oder Altach anfangen, dann kommst du irgendwann nach Salzburg. Dann wird sicher bald registriert, dass du dort viel gewinnst.“

Ried passt zu dem nach Wolfsburg gewechselten Oliver Glasner, Altach zu Adi Hütter und dem von Nürnberg engagierten Damir Canadi, Salzburg zu Hütter und Rose. Hütters Saison mit Eintracht Frankfurt zeigte, wie ernst  man Peters nehmen sollte, nämlich gar nicht, Marsch hätte demnach auch die Chance, sich via Salzburg als Chef für die Bundesliga zu empfehlen. Aber er arbeitet  in einem Land, in dem die Bundesliga zum Trainerfriedhof avanciert, in dem Klubs die Trainer fast schon wie die Unterhosen wechseln. Das aktuellste Beispiel passierte einen Tag vor der Marsch-Präsentation: Sturm Graz trennte sich nach  acht Monaten von Roman Mählich (Bild oben), obwohl er die Vorgaben erfüllte, die er bekam, als er die Nachfolge des Deutschen Heiko Vogel antrat. Die hießen Sturm in die Meistergruppe führen, was nicht so selbstverständlich war, und die Europacupqualifikation schaffen. Ligavorstand Christian Ebenbauer meinte Dienstag, die Trainerfluktuation in Österreich bewege sich in international üblichem Rahmen. Die Parallele zu Mählich gab es in Deutschland bei Mönchengladbach: Dort half Dieter Hecking auch nicht die Qualifikation für die Europa League. Die Sehnsucht nach einer anderen Art des Fußballs, für den Rose steht, war zu groß.

Sturms Vorstand ließ in der Sitzung, in der über ihn entschieden wurde, den auf Sardinien urlaubenden Mählich nicht zu Wort kommen. Urteilt über ihn ohne seien Sicht der Dinge zu hören. Auch nicht gerade fair. Nur acht Siege in 20 Spielen, aber neun Niederlagen. Macht bei drei Unentschieden einen Punkteschnitt von 1,35. Zu wenig. Dazu zuletzt sechs Heimniederlagen in Serie. Sie trauten Mählich nicht die Trendwende zu, keinen unbelasteten Neubeginn zur nächsten Saison. Daher folgen sie der Empfehlung von Sport-Geschäftsführer Günter Kreissl, sich vom Trainer zu trennen. Normal hätte Kreissl auch seine Beurlaubung vorschlagen müssen. Denn Mählich war im November seine Wahl, für die Zusammenstellung des Kaders muss eigentlich auch er die Verantwortung übernehmen.  „Ich habe zweimal die Vertrauensfrage gestellt“, versicherte Kreissl, „der Vorstand sprach sich zweimal dafür aus, mit mir weiter zu arbeiten.“ Auch er steht in der Kritik. Über mögliche Nachfolgekandidaten will Sturm nicht reden. Als ein heißer Tipp gilt Klaus Schmidt von Mattersburg. Weil es dort intern doch nicht ganz so funktionieren soll, wie er sich das vorstellt. Zudem ist Schmidt ein Steirer.

Nach dem Aus für Mählich steht fest, dass die ersten fünf der vergangenen Saison mit einem neuen Trainer in die Saison 2019/20 gehen werden. Bei Salzburg, LASK und Wolfsberg ging die Initiative zur Trennung von Rose, Glasner und Christian Ilzer aus, Austria und Sturm handelten aus eigenem Antrieb. Wie es derzeit aussieht, setzen nur St.Pölten (Ranko Popovic), Rapid (Didi Kühbauer), Altach (Alex Pastoor), Admira (Reiner Geyer), Hartberg, wo Markus Schopp im Bewusstsein, dass die zweite Saison schwerer wird als die erste, um ein Jahr verlängerte und Aufsteiger Wattens (Thomas Silberberger) auf Kontinuität beim Trainer. Bei Rapid sollen die Impulse zu notwendigen Änderungen vom neuen Geschäftsführer Sport Zoran Barisic kommen. Bei Mattersburg muss man abwarten, wie ernst der Flirt zwischen Schmidt und Sturm wird. Die Grazer sollen auch Kontakt zu Robert Ibertsberger, der bei Austria gegenüber Ilzer das Nachsehen hatten, aufgenommen haben.

 

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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