Fußball

Rapids Trainersuche: Wer ist der „Mister X“ im Talon von Bickel?

Dienstag soll es laut Rapids Sportchef Fredy Bickel Mitteilungen zur grün-weißen Trainersuche geben. Am Abend zuvor wird der Schweizer dem Präsidium Vorschläge unterbreiten. Das lässt schon darauf schließen, dass er sich entgegen all seiner Beteuerungen nicht erst seit Samstag Abend  um einen möglichen Nachfolger für den nach 17 Monaten beurlaubten Goran Djuricin umgesehen hat.  Im ersten Trainerwechsel der Zwölferliga sah Bickel als eine Erlösung für alle Beteiligten: „Wir müssen uns alle hinterfragen.“ So lockere Miene wie auf dem Bild oben macht er seit einigen Wochen nicht mehr.

Beim Hinterfragen darf Bickel weder die Spieler, die in zwei Jahren drei Trainer verbraucht haben, noch sich selbst ausnehmen. Auch wenn er für Präsident Michael Krammer außer jeder Diskussion steht, für ihn Rapids Professionalisierung erst mit dem Schweizer so richtig begonnen hat und man diesen Weg fortsetzen müsse. Aber es bleibt doch einiges zu hinterfragen. Etwa die von Bickel forcierte Vertragsverlängerung mit Djuricin im Frühjahr. Alle, die damals prophezeiten, Rapid werde im September einen neuen Trainer brauchen, behielten im letzten Moment Recht.  Zur Trennung kam es am 29. September. Dann die Einkaufspolitik. Da sind nicht erst im Sommer Fehler passiert, sondern bereits früher. Und die Zielsetzung, der Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League den Vorrang zu geben vor der Bundesliga. Mit dem zweithöchsten Budget der Liga, das über 30 Millionen liegt, müsste es möglich sein, einen Kader auf die Beine zu stellen, mit dem man in allen Bewerben den Rapid-Ansprüchen gerecht werden kann.  Endgültig sollte es mit den Versuchen vorbei sein, von außen einen neuen Steffen Hofmann als neues Gesicht Rapids zu bestimmen.  So einen hat´s nur einmal gegeben, kann man nicht neu  erfinden. Jeden, den man dazu ernennt, den überfordert man. Bei dem leiden die Leistungen. Siehe Stefan Schwab.

Wenn Bickel dem Präsidium am Montag Abend Trainerkandidaten nennt, wird  Didi Kühbauer dabei sein? Dem passierte im Sommer zum Unterschied von Bickel bei St.Pölten kein Fehlkauf. Auch das erklärt den sensationellen Höhenflug des Prügelknaben der letzten Zehnerliga, der nach neun Runden schon so viele Punkte hat wie 2017/18 nach 36. Sonntag sass Kühbauer auf der Tribüne, als Mattersburg mir einem 2:1 (0:0) gegen Wacker Innsbruck durch zwei Tore durch „Sturm-Killer“ Rene Renner, der einem Eckball direkt zum Sieg verwandelte, Rapid überholte und auf den achten Platz verdrängte. Die Grün-Weißen aus dem Burgenland vor denen aus Wien, das unterstrich noch mehr den dringenden Handlungsbedarf in Hütteldorf.

Wenn Rapid inzwischen Kühbauer kontaktiert hat, dann muss das erst Sonntag passiert sein. Samstag Abend versicherte er glaubhaft, dass dies bisher noch nicht geschah. Dass Krammer die Variante Kühbauer für den Fall der Fälle seit Wochen im Hinterkopf hatte, gilt als offenes Geheimnis. Aber die Verhandlungen mit St.Pölten würden nicht leicht sein, um die für Rapid beste Lösung aus dem Vertrag zu kaufen. Eine andere erfolgversprechende österreichische Lösung namens Peter Stöger, der bei Rapid die erfolgreichste Saison seiner Spielerkarriere hatte, lässt sich aus mehreren Gründen nicht realisieren. An Österreichs erfolgreichen U 21-Teamchef Werner Gregoritsch, der von seiner Fußballphilosophie und seinem Temperament zu Rapid passen würde, hat höchstwahrscheinlich noch keiner gedacht. Auf jeden Fall muss es ein gestandener Trainer sein, keiner der erst eine Saison in der Bundesliga arbeitet wie der genannte Christian Ilzer in Wolfsberg. Das wäre ungefähr so, als würde man den Besitzer einer Würstelstandes sofort mit der Leitung eines Fünfsterne-Hotels betrauen. Für Djuricin war der Sprung aus der Regionalliga Ost (Ebreichsdorf) zum Chef von Rapid nicht zu bewältigen.

Also ein Ausländer? Das würde nicht zu Bickels Meinung passen, der neue Trainer sollte mit den Wiener Verhältnissen vertraut sein und zu einer intelligenten, aber auch sensiblen Mannschaft passen. Eines scheint sicher: Eien Fehlgriff darf sich Rapid nicht mehr erlauben. Wie es aussieht, werden die Assistenten von Djuricin, Martin Bernhard und Thomas Hickersberger, für das Europa League Spiel bei den Glasgow Rangers am Donnerstag im Ibrox-Park verantwortlich sein. Auch für die Rangers lief die Generalprobe am Sonntag nicht zufriedenstellend: Auswärts 0:1 gegen Livingstone. Damit nur Rang sechs mit acht Punkten Rückstand auf Tabellenführer Heart of Midlothian. Dessen Österreich-Legionär Peter Haring nach seinem dritten Saisontor Dritter der Schützenlste ist. Und das als Defensivspieler.

Apropos Wiener Verhältnisse: Im Schweizer „Blick“ gestand Bickel, dass ihm in Wien bereits dreimal die Reifen seines Dienstautos zerstochen wurden. Und es ins seiner Wohnung über Nacht einen Klingel-Terror gab. Um nicht alles zu dramatisieren, schaltete Bickel nicht die Polizei ein: „Ich weiß ja nicht einmal, ob es Austria-Fans oder unsere Anhänger waren“.

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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