Fußball

Alles Gute zum Jung-Fünfziger, Geschäftsführer Zoki!

Sein 50. Geburtstag begann mit einer der vielen Videokonferenzen, die zu Corona-Zeiten  zum Alltag eines Geschäftsführers gehören, der bei Rapid für den Sport zuständig ist. Freitag Vormittag wieder einmal mit der Bundesliga. Gerade in schwierigen Zeiten, in denen es auch für den populärsten Verein Österreichs praktisch um das Überleben geht, ist Zoran „Zoki“ Barisic der wichtige und richtige  sportliche Stratege für Rapid. Eine Erkenntnis, die in Hütteldorf vor  vier Jahren abhanden gekommen war, erst vor zwölf Monaten wieder korrigiert wurde. Wofür Grün-Weiß  sehr teuer bezahlen musste. Mit ein Grund, warum jetzt trotz großer Einnahmen die Rücklagen fehlten, um nicht Existenzängste haben zu müssen.

Donnerstag Abend war die Rapid-Chefetage mit Präsident Martin Bruckner sowie den Geschäftsführern Christoph Peschek und Barisic bei Vizekanzler und Sportminister Walter Kogler, um ihm die Auswirkungen von Corona auf den Profifußball und speziell auf Rapid dazulegen. Ein dichter Terminplan rund um den Ehrentag. Sein Vater gab Barisic ein Leitbild mit, an das er sich sowohl als Spieler wie auch später als Trainer zu halten versuchte: „Du musst immer besser sein als die Österreicher, um voll akzeptiert zu werden“. Wegen seiner serbischen Wurzeln, obwohl er schon in Wien geboren wurde. Mit 19 schien das grün-weiße Nachwuchstalent in Hütteldorf keine Zukunft zu haben. Wurde an den Wiener Sportklub, Zweitligist FavAC und die Admira verliehen, ehe auch in Hütteldorf wieder für ihn ein Platz war. Nach dem Ausgleich musste man es viel billiger als zuvor machen. Und prompt stellten sich Erfolge ein. Das sollte nicht zum letzten Mal bei Rapid passieren.

Barisic gehörte zu der Mannschaft, die unter Trainer Ernst Dokupil 1995 Rapids bis heute letzten Cupsieg schaffte, eine Saison später Meister wurde und ins Finale des Europacups der Cupsieger kam, sich für die Champions League qualifizierte. Gemeinsam mit Didi Kühbauer, Stefan Marasek und Serjej Mandreko gehörte er zu den legendären „Daltons“, die für gute Stimmung und auch Zusammenhalt sorgten. Barisic profilierte sich dabei auch als „Freistoßkönig“, als besten, den Rapid nach Antonin Panenka bis heute hatte. Ab 1995 spielt „Zoki“ mit seinem jetzigen Kollegen bei Austria, Peter Stöger, zusammen. Im September 1996 kam innerhalb von vier Tagen das abrupte Ende der Erfolgsstory: Am Mittwoch 0:2 in der Champions League bei Manchester United in Old Trafford, Samstag darauf die peinliche 1:2-Cupblamage beim niederösterreichischen Landesligaklub Kottingbrunn, für den Gerald Willfurth, heute im Rapid-Präsidium, den Ausgleich erzielt hatte. Barisic, auch frustriert über den Verlust seines Stammplatzes im Mittelfeld, hängte in der Kabine das aus Manchester mitgebrachte Trikot von Eric Cantona auf. Für Dokupil der letzte Anlass, ihn aus dem Kader zu eliminieren.

Das führte zu einem ebenfalls sehr erfolgreichen Kapitel in der Spielerkarriere von Barisic. 1997 ein halbes Jahr beim FC Linz, nach dessen Fusion mit dem LASK nach Innsbruck. Dort gehörte er zu der Mannschaft, die von 1999 bis 2002 unter Kurt Jara und seinem Nachfolger, dem jetzigen deutschen Teamchef Jogi Löw, dreimal Meister wurde. Von beiden nahm Barisic einiges für seine spätere Trainerkarriere mit. In die Tiroler Zeit fiel auch sein einziges Länderspiel, auf das er im Nachhinein gerne verzichtet hätte. Am 6.Juni 1999 Libero beim 0:5-Debakel in Tel Aviv gegen Israel unter Otto Baric. Danach beendete er die Teamkarriere, ohne dass sie richtig begonnen hatte.

Die Spielerlaufbahn ließ er nach dem Tiroler Konkurs bis 2005 bei Admira und Eisenstadt ausklingen. Die als Trainer begann 2006 bei Rapid. Peter Pacult machte ihn bei einem zufälligen Treff im Donauzentrum zu seinem Assistenten. Zwei Jahre später feierten sie gemeinsam Rapids bis heute letzten Meistertitel. Ein Jahr später kam es zum Bruch, Rapids Präsident Rudi Edlinger ließ den von ihm auch menschlich sehr geschätzten Barisic aber nicht gehen. Zunächst Individualtrainer, dann im Frühjahr 2011 interimistisch Pacults Nachfolger, als der entlassen wurde. Da erlebte er auch den Platzsturm der Westtribüne im Hanappi-Stadion, als die Austria im Derby bald 2:0 in Führung lag. Peter Schöttel wurde danach Sportchef und Trainer in Hütteldorf, Barisic trainierte die zweite Mannschaft, eher er im April 2013 auf Schöttel nach dem peinlichen Cup-k.o. gegen den Regionalligaklub Pasching, der in diesem Jahr sogar Cupsieger wurde, folgte. Rapid steckte in finanziellen Nöten, der kurz davor aus Hamburg gekommene Sportchef Helmut Schulte war von Barisic so überzeugt, dass er ihn zum Cheftrainer beförderte. Und es ging aufwärts.

Mit  Tiefschlägen, wie dem Scheitern in der Qualifikation in der Europa League gegen HJK Helsinki. Barisic machte aus der Not eine Tugend, forcierte die Talente. Vor allem Louis Schaub, aber auch Max Hofmann, Mario Pavelic, Brian Behrendt, Dominik Starkl oder Dominik Wydra, um einige zu nennen. Unter ihm wurden Marcel Sabitzer, Christopher Trimmel und Guido Burgstaller besser, dass sie den Sprung ins Ausland schafften. Und als noch er die Transferpolitik bestimmte, gelangen Königskäufe wie Robert Beric und Florian Kainz, die Rapids viele Millionen beim Weiterverkauf brachten. Unter Barisic belegte  Rapid stets Platz zwei hinter Salzburg, obwohl wegen des Stadionbaus im Happel-Stadion gespielt werden musste. Wurde zum ersten Mal Gruppensieger in der Europa League. Nach seiner Trainerzeit gelang das nicht mehr.

Als Schulte 2014 ein Angebot von Fortuna Düsseldorf annahm, war es mit der idealen Zusammenarbeit zwischen Sportchef und Trainer vorbei.  Mit Schultes Nachfolger Andreas Müller klappte das nicht mehr . Der fand nach der Eröffnung des neuen Allianz-Stadions 2016 in der Führungsetage mehr Gehör als Barisic, der sich zuvor schon vergeblich gegen einige Müller-Transfers gewehrt hatte, sechs Wochen vor der Stadioneröffnung gehen musste.  Unter der Devise „jetzt ist genug Geld da“ wurde es danach bei Rapid mitunter fast verbrannt. Im Blick zurück gab Ex-Präsident Michael Krammer zu, dass die Trennung von Barisic einer der größten Fehler, wenn nicht der größte seiner Ära war. Die  Auslandskapitel als Trainer dauerten bei Barisic  jeweils nur Monate. In der Türkei rettete er Aufsteiger Karabükspor den Klassenerhalt, nur klappte es mit den Zahlungen nicht. Der Fall ist noch bei der FIFA anhängig. Bei Olimpija Laibach verlor er von 15 Spielen nur eines, aber der Präsident wollte in die Aufstellung dreinreden. Da hörte Barisic, konsequent wie er ist, trotz Dreijahresvertrag auf.

Rapid korrigierte noch unter Krammer vor einem Jahr den Fehler, woran auch dessen Nachfolger Bruckner entscheidend beteiligt war. Rapid ist einer schwierigen Lage, daher ist einer wie Barisic, der alles vom Nachwuchs bis zur Mannschaft ruhig beobachtet, dann analysiert und überlegt, ehe er redet, richtig und wichtig.  Einer, der die Freundschaft zum Trainer hintanstellt, wenn es um die Sache geht. Der Differenzen mit Kühbauer lieber intern ausdiskutiert und klärt, als sie nach außen dringen zu lassen. Die Neuauflage seines Plans während der Trainerzeit gilt derzeit als alternativlos. Ein Mann der lauten Töne wird Barisic auch als Jung-Fünfziger nicht werden. Es wird sich auch nichts daran ändern, dass er am liebsten als „Zoki“ angeredet wird, wenn der nötige Respekt dabei ist.  Nicht als Herr Geschäftsführer.

 

 

Foto: SK Rapid.

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