Fußball

Austrias Sportchef zeigt Nerven: Mini-Hoffnung auf Wunder zum Oktoberfest

Die Situation der Austria ist alles andere als einfach, hat sich in punkto Finanzen gegenüber der vergangenen Saison trotz des Einstieg von Frankstahl als Sponsor nicht entscheidend verbessert. Denn die fünf Millionen, die Gazprom pro Saison zahlte, fallen weg. Die Lizenz im ersten Anlauf zu bekommen, wird kein Selbstläufer. Sportlich sind die Ansprüche aber gestiegen. Wenn man es so sehen will, ist die Austria daran selbst schuld. Durch Platz drei in der vergangenen Saison. Das zu bestätigen oder gar noch zu verbessern, scheint derzeit ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Angesichts der personellen Probleme. Die durch die Langzeitausfälle von Ziad el Sheiwi, Florian Wustinger und das Drama um den Autounfall, in den Muharem Huskovic Mittwoch Abend als Beifahrer verwickelt war, noch verschärft wurden. Huskovic konnte inzwischen die Intensivstation am Landesklinikum Baden verlassen, das war für Austria die beste Nachricht seit dem Derbysieg gegen Rapid.

In dieser Situation braucht es gute Nerven. Trainer Manfred Schmid hat sie. Sportchef Manuel Ortlechner zeigt sich hingegen etwas dünnhäutig. Wie seine Reaktion auf eine durchaus sachliche Frage über die Kaderbreite zeigte: „Das Gerede um die Position des linken Verteidigers geht mir schon auf die Nerven“, giftete er. Er empfand das als Attacke gegen seine Person und seine Marschroute, auf violette Talente zu setzen. Was sicher überzogen war. Wie hätte er erst reagiert, wenn die Frage gekommen wäre, ob Einkäufe wie James Holland oder Haris Tabakovic oder Liverpool-Leihgabe Billy Koumetio doch nicht das Gelbe vom Ei waren? Die hätte nämlich durchaus ihre Berechtigung gehabt. Trotz der schwierigen Situation, in der Ortlechner durch die Finanzen die Hände gebunden sind, er mitunter nicht so agieren kann, wie er will.

Auf der Position des Linksverteidigers gab es beim 0:1 gegen Villarreal ohnehin eine positive Entdeckung. Mit dem 19 jährigen Manuel Polster (Bild oben), der im Sommer von der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart nach Wien kam, der die nötige Schnelligkeit für diese Aufgabe mitbringt, der auf seiner Stammposition in der Offensive wahrscheinlich noch mehr Potenzial hat. Polster, dessen Berater der Ex-Austrianer Jürgen Kauz ist, spielte vor dem Startelfdebüt gegen die Spanier zuvor nur 89 Minuten in der ersten Mannschaft, dürfte auch Sonntag gegen Meister Red Bull Salzburg erste Wahl sein, egal ob Lukas Mühl und Marvin Martins wieder einsatzfähig sind oder nicht. Auch der zweite von den Young Violets, der in der Conference League nach zuvor nur 21 Minuten in der Bundesliga seine Chance bekam, machte seine Sache gut: Der 21 jährige Matteo Meisl, ein gebürtiger Salzburger, der vor vier Jahren von Salzburgs Akademie nach Wien wechselte. Ob er auch gegen Salzburg eine Chance erhält?

Die Austria, als Fünfter neun Punkte hinter dem Tabellenführer, veranstaltet rund um den Schlager, für den 10.000 Karten verkauft sind, ihr Oktoberfest samt einem eigens dafür entworfenen Oktoberfest T-Shirt, das Schmid und Ortlechner bei einem Medientermin präsentierten. Die Hoffnung auf ein Oktoberfest-Wunder sind allerdings minimal: Das wäre ein Punktezuwachs gegen Österreichs Vorzeigeklub nach sieben Niederlagen in Serie. Gegen die Bullen nicht zu verlieren, passierte letztmals am 23. Februar 2020 unter Christian Ilzer beim 2:2 (von der damaligen Besetzung ist beim Oktoberfest nur Dominik Fitz dabei), der letzte Sieg liegt schon vier Jahre zurück. Der gelang am 27. Mai 2018 mit 4:0 in Wr. Neustadt, als Salzburg in der letzten Runde schon als Meister feststand.

Die aktuelle Ausgangsposition: Salzburg hatte nach dem 1:1 bei Dinamo Zagreb, das laut Trainer Matthias Jaissle auch mental viel Kraft kostete, einen Tag mehr Pause als Austria, wird mit seinem Kader die Ausfälle von Fernando, Nicolas Capaldo, Dijon Kameri, Sekou Koita und wahrscheinlich Andreas Ulmer leichter bewältigen können als Schmid die violetten Personalprobleme. Also kann die Austria eigentlich nur positiv überraschen. Vielleicht mit einer ähnlichen taktischen Marschroute, mit der gegen Villarreal das „zu null“ bis zur 86. Minute gehalten hatte.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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