Fußball

Bei Struber und den „Kötern“ ging es nur um viel Geld

Zweiter Trainerwechsel in der Bundesliga. Anfang September wechselte Admira freiwillig vom Deutschen Reiner Geyer auf den Steirer Klaus Schmidt, zweieinhalb Monate später prolongierte Wolfsberg-Präsident Dietmar Riegler mit der Freigabe für Gerhard Struber (Bild oben) aus dem im Prinzip bis 2021 laufenden Vertrag sein erfolgreiches Geschäftsmodell. Das begann im Juni bei Christian Ilzer, für den Austria 600.000 Euro zahlte, setzte sich Montag mit Struber fort, für den Barnsley, der Letzte der englischen Championship, sprich zweite Liga, 900.000 Euro, auf den Tisch legte, um ihn zu bekommen. Macht innerhalb von einem halben Jahr 1,5 Millionen Euro für zwei Trainer. Ein hervorragendes Geschäft für einen Verein mit Möglichkeiten wie Wolfsberg, immerhin Dritter in der laufenden Saison und stolzer Europa League-Teilnehmer.

Die Bundesligakarriere des 42jährigen Struber endete somit rasch. Bei seiner ersten Station stieg der Salzurger Glatzkopf  nach zwanzig Pflichtspielen aus. Nach 14 in der Bundesliga, zwei im österreichischen Cup, vier in der Europa League. Von denen das erste, das 4:0 bei Borussia Mönchengladbach, Wolfsberg und ihn europaweit in die Schlagzeilen brachte. Wahrscheinlich hat er dem seinen Vertrag bei Barnsley zu verdanken. Der ihm das vierfache seines Gehalts bei Wolfsberg sichert. Verständlich, dass er den Wechsel wollte. Kann ihm keiner verdenken. Er sollte nur besser damit aufhören, dies mit sportlichen Aspekten zu begründen, England als das Traumland seiner Karriere zu bejubeln. Was kann an einem Klub wie Barnsley, der von den ersten 16 Spielen nur eines gewann und neun verlor, fünf Punkte Rückstand zum rettenden Ufer hat, schon reizen außer Geld? „The Tykes“ werden die Barnsley-Spieler genannt. Zu deutsch die Köter. Aber die bissen fast nie zu. Was kann da also einem zum Wechsel in die 73 000 Einwohner-Stadt im nördlichen England, in der Grafschaft South Yorkshire veranlassen? Das Oakwell-Stadium, das mit 23.000 Zuschauern 15.000 mehr fasst als die Lavanttal-Arena in Wolfsberg, in dem bei der letzten 2:4-Heimpleite im Kellerduell gegen  Stoke 14.000 Fans enttäuscht waren?

Zu glauben, über Barnsley eine längerfristige Trainerkarriere in England starten zu können, ist blauäugig. Struber mag sich das zum Ziel gesetzt haben. Das machte auch sein deutscher Vorgänger Daniel Stendel. Der Ex-Trainer von Hannover 96 hatte Barnsley als Zweiter der League One, wie auf der Insel die dritte Liga heißt, zurück in die Championship gebracht, musste aber Anfang Oktober wegen Erfolglosigkeit gehen. Unter der Interimslösung Adam Murray  lief es nicht besser. Einige angesprochene deutsche Trainer sagten Barnsley ab, jetzt kam Struber zumZug. Es sei ihm zu vergönnen. Barnsley spietle eine Saison, 1997/98, in der Premier League, Ex-Rapid-Torjäger Jan Age Fjörtoft trug 1997/98 den Barnsley-Dress, ehe er zu Eintracht Frankfurt wechselte. Struber wird in Barnsley auf zwei Österreicher treffen: Auf Tormann Samuel Sahin-Radlinger, der von Hannovers Ersatzbank auf die Insel wechselte, dort  bisher zu fünf Einsätzen kam. Und auf Ex-Admira-Stürmer Patrick Schmidt, der bisher nur sechsmal als Joker Verwendung fand, gegen Stoke zu seinem ersten Tor kam. Schmidt und Struber haben  mit dem Salzburger Thomas Böhm den gleichen Berater. Der Einstand für Struber: Samstag auswärts gegen Blackburn, als 18. sechs Plätze vor Barnsley.

Wolfsbergs neuer Trauner? Interimistisch Hannes Jochum, Co-Trainer von Struber, Einer seiner Assistenten, Mohamed Sahli, geht mit ihm auf die Insel. Riegler will keinen Schnellschuss machen, sucht einen, der Strubers Spielstil fortsetzt.  Man hört von einem Bundesliganeuling wie Bernhard Seebuchner, der auf der Akademie von Red Bull Salzburg für die U 16 zuständig ist, ebenso von zwei Ex-Austria-Trainern. Von Thomas Letsch und Robert Ibertsberger, der über sein Ende bei Violett trotz Qualifikation für den Europacuo, die unter Letsch in Gefahr war, auch fünf Monate später noch immer etwas enttäuscht ist. Man kann Ibertsberger verstehen, wenn er mit Blick auf die aktuelle Tabelle sagt: „Nach mir wurde nichts besser, nur schlechter!“

Foto: © ServusTV / Neumayr / Leo.

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