Eishockey

Die Überraschung verschenkt: 15 Minuten Unterzahl sind zu viel

Die Überraschung, mit der  viele spekuliert hatten, war für Österreichs Eishockeyteam bei seinem WM-Start in Bratislava durchaus drinnen. Nach zwei Dritteln gegen Lettland 1:1, am Ende aber 2:5 (1:1, 0:0, 1:4) verloren, „weil wir zu viele Dinge machten, die hier nicht hergehören“, wie der zum besten Österreicher gewählte Philadelphia-Legionär Michael Raffl in seiner erfrischenden Ehrlichkeit nachher zugab. Es gehört sich auf diesem Niveau halt nicht, den Puck so lange im eigenen Drittel zu halten, aber vor allem nicht, insgesamt 15 Minuten auf der Strafbank zu sitzen. In Unterzahl gingen die Österreicher zwar durch Raffl in Führung, kassierte aber anderseits drei Tore: „Wir hatten einen Supertormann, der uns im Spiel gehalten hat. So wie er hielt, hätten wir mehr daraus machen müssen“, gestand Raffl. Der Supertormann war David Kickert, dem Teamchef Roger Bader (Bild oben) den Vorzug gegenüber dem routinierteren Bernhard Starkbaum gab. Kickert wehrte 34 Schüsse ab, der lettische Keeper Kristers Gudlevskis, nachher zum besten Spieler der Sieger gekürt, nur 16. Dabei verzichtete Lettlands Coach Bob Hartley auf seinen bereits von den Columbus Jackets verpflichteten Stargoalie Elvis Merzlikins, hob ihn für das Sonntag-Spiel gegen die Schweiz auf.

8917 Zuschauer in der Ondrej Nepel-.Arena, davon rund 300 Österreicher. Auch ehemalige Teamspieler wie Herbert Haiszan. Sie sahen nach 11:33 Minuten die Schlüsselszene: Vienna Capitals-Verteidiger Patrick Peter, der zu Ausrastern neigt, kam im österreichischen Angriffsdrittel gegen den für ihn zu schnellen Letten Roberts Bukarts zu spät, versuchte dies mit einem  Check zu kompensieren. Das gelang nicht. Der Stürmer von Sparta Prag blieb liegen, der slowakische Referee Peter Stano verhängte gegen Peter eine etwas übertriebene Fünfminutenstrafe, die bedeutete, dass Peter nicht mehr spielen durfte, Bader nur noch sieben Verteidiger einsetzen konnte. Wenig später war Bukarts im Powerplay schon wieder ziemlich unter. In Unterzahl sorgte Raffl zwar für Österreichs erstes Tor bei dieser WM,  nur 42 Sekunden später fiel aber Lettlands erstes Tor zum 1:1 in Überzahl.

So stand es zu Beginn des letzten Drittels. Österreich hielt bis dahin mit, war Mitte des zweien Drittel sogar der Führung nahe. Besonders der ausgelassenen Chance von Konstantin Komarek zum 2:1 trauerte Bader am Ende nach. Das Verhängnis begann mit dem dritten Ausschluss Österreichs. Gerade, als die Strafe von KAC-Verteidiger Clemens Unterweger vorbei war, fiel 23 Sekunden nach Beginn des zweien Drittels das  2:1 für die Letten. Das 3:1 fiel mit fünf gegen fünf, das 4:1 als  WM-Debütant Raphael Wolf gerade von der Strafbank zurückkam, der Wechsel nicht optimal klappte. Das Spiel in Unterzahl klappte nicht so richtig, das Powerplay  mti einem Mann mehr erst beim dritten Ausschluss eines Letten, als das Match praktisch schon verloren war. Da traf Raphael Herburger zum 4:2. Aber nur 16 Sekunden später starben genau vier Minuten vor Schluss die letzten österreichischen Mini-Hoffnungen mit dem 5:2. Schlusswort von Michael Raffl: „Strafen bedeuten harte Arbeit, die dich müde machen. Dadurch fehlt auch Power nach vorne. “ Recht hat er.

Mit der Niederlage sind die Träume vom Viertelfinale schon nach dem ersten Spiel wohl ausgeträumt.  Aber das kann man nicht als  Beinbruch oder Tiefschlag bezeichnen. Keiner durfte  erwarten. gegen die Letten zu punkten. Es tut halt weh, weil es möglich gewesen wäre. Aber man kann dieser Mannschaft zutrauen, schon vor dem letzten Match gegen Aufsteiger Italien zu punkten. Die Italiener ließen sich vor Österreichs Niederlage  von  der Schweiz beim 0:9-Debakel quasi vom Eis schießen. Da präsentierten sich die Österreicher ganz anders, in jeder Beziehung besser. Die meiste Eiszeit bei den Österreichern hatte die Verteidiger: Martin Schumnig mit 20:04 Minuten, gefolgt von Dominique Heinrich (18:20). Heinrich hatte mit minus drei die schlechteste Statistik der Österreicher, auf eine positive, auf plus eins, kamen nur Michael Raffl und Villachs Routinier Markus Schlacher.

Nur 20 Stunden nach dem Start müssen die Österreicher in der Mittagspartie am Muttertag wieder ran: Gegen Russland, den Topfavorit auf WM-Gold. Da muss man unter Umständen auch auch auf eine zweistellige Niederlage eingestellt sein. Denn die Russen haben rund um die NHL-Topstars Alex Ovechkin (Washington). Evgeni Malkin (Pittsburgh) und Nikita Kucherov (Tampa Bay Lightning) das wahrscheinlich beste WM-Team seit Jahren. 15 der bisher 22 gemeldeten Spieler kommen aus der  NHL.  Michael Raffl, der schon gegen alle spielte, sagte nur: „In dieser Truppe ist selbst Ovechkin nur einer von vielen“. Ein Beweis dafür: Der 36jährige Ilya Kovalchuk, der Altstar in Diensten der Los Angeles,Kings, hat bei Coach Ilya Vorobyov nur einen Platz in der vierten Linie. Bei Österreich beginnt Starkbaum im Tor. Das stand aber schon vor dem Auftaktspiel fest.

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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