Fußball

Hacke eins, zwei, drei: Der „Foda-Vulkan“ brodelt

Lobeshymnen in Israels Medien am Tag nach dem 4:2 gegen Österreich. Die zwei Hälfte bezeichneten einige sogar als beste der letzten 20 Jahre. Die rot-weiß-rote Fraktion mit Sportchef Willi Ruttensteiner und Teamchef Andreas Herzog konnte das genießen. Ruttensteiner hatte eine Statik zur Hand, wonach Österreichs Teamspieler letzte Saison in den fünf besten europäischen Ligen 20.000 Minuten im Einsatz waren, die israelischen nur 870. Tormanntrainer Klaus Lindenberger durfte sich zur Entscheidung, weiter auf Ariel Harush als Nummer eins zu setzen, obwohl er bei seinem Klub Beer Sheva nicht mehr erste Wahl war, schon nach dem 1:1 gegen Slowenien gratulieren. Erst recht am Sonntag Abend, weil Harush den Sieg möglich machte. Mentaltrainer Markus Rogan konnte sich über den ersten Sieg im neuen Job freuen, seine Ansprache zum Team hinterließ bei Herzog Eindruck. Unter dem Motto Teamspirit versetzte Berge. Ob aber deshalb Israel Österreich ins Schwimmen brachte? Da besorgten in erster Linie  schon die Österreicher mit ihrer Nachlässigkeit.

Katerstimmung daher bei den Verlieren im Flugzeug zurück nach Wien. Die Stimme von Teamchef Franco Foda klang kurz nach dem Match lauter und wütender als in den 13 Spielen zuvor. Der „Foda-Vulkan“ brodelt. Zum Ausbruch, zur totalen Abrechnung mit Versagern, wie bei ihm in seinen Sturm-Trainerzeiten erlebte, fehlte nicht mehr viel. So prangerte er nur fehlende Mentalität und Biss an, lieber Hacke eins zwei, drei zu spielen statt auf den Endzweck, bestätigte damit den von Sportchef Peter Schöttel bereits zur Pause erhobenen Überheblichkeits-Vorwurf an die Mannschaft. Wahrscheinlich wird sich Foda nachher selbst gefragt haben, warum er mit Stefan Lainer auf einen mit ausgeprägter Siegermentalität, der nie aufgibt, freiwillig verzichtet hat. Von den Verlieren kamen nachher Sager mit Weckruf, in der Realität angekommen. Aber wie kann es für eine Mannschaft, die 2015 ihr letztes wirklich gutes Jahr hatte, 2016,2017 und 2018 alle ihre Ziele verfehlte, einen Grund zur Überheblichkeit geben? Offenbar wird auch Foda ähnlich gedacht haben und Sonntag eines besseren belehrt worden sein. Die Gefahr, das ganze zu locker zu nehmen, sah er offenbar auch angesichts der Startniederlage gegen Polen nicht. Jetzt muss er mit Österreichs schlechtestem Start in eine Qualifikation seit 1990 leben. Und mit einer ganz schwierigen Ausgangsposition: Eine dritte Niederlage darf sich Österreich in den ausstehenden acht Spielen eigentlich nicht mehr erlauben. Um das zu schaffen, muss er  die richtigen Maßnahmen finden, die er selbst schon Sonntag ansprach, ohne konkret zu werden. Zu sagen wie Valentino Lazaro, man habe schon genug Qualität, nur müsse man sie auf den Rasen bringen, zeigt, dass einige offenbar weiter an der Realität vorbei sehen.

Fünfmal geriet das Team in Fodas Ära in Rückstand. Nur einmal konnte das Match danach gedreht werden. Beim Klagenfurter 2:1-Highlight gegen Deutschland. Aber nicht gegen Bosnien, was Platz eins in der Nations League kostete, und nicht in Israel. 55 Prozent Ballbesitz, 18:13-Torschüsse, davon sieben auf das Tor von Israel. Aber am Ende zählte nur das 2:4. Martin Hinteregger, bei Eintracht Frankfurt bisher die Verlässlichkeit in Person, auch gegen Polen noch in Ordnung, zählte plötzlich zu den Versagern. Normal ist er bekannt für starke Mentalität. In Leipzig gilt Marcel Sabitzer sogar als Mentalitätsmonster, im Team kommt das selten zum Vorschein. Xaver Schlager funktioniert bei Red Bull Salzburg auf verschiedenen Positionen, fiel auch schon im Teamdress positiv auf. Sonntag ging er total unter. Ebenso Salzburgs Kapitän Andreas Ulmer. Der einzige, der an seine Salzburg-Form anschließen konnte, war Munas Dabbur bei Israel. Da wäre Ursachenforschung angesagt.

Fakt ist, dass der „Chef“ der Hacke eins, zwei, drei-Fraktion, deren Lockerheit Foda gar nicht gefiel, Marko Arnautovic heißt. Seine Befürworter werden die zweite Tore als Argument für seine „Unschuld“ anführen. Aber ganz so ist es  wieder auch nicht. Auch das müßte Foda in den Tagen vor dem nächsten Spiel gegen Slowenien am 7.Juni in Klagenfurt ansprechen. Wenn dort nicht der erste Sieg in der Qualifikation gelingt, ist alles verloren. Und explodiert der Foda-Vulkan garantiert.

Foto: sport.orf.at.

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