Fußball

Rapid für Wr.Neustadt: Wie neutral ist das neutrale Schiedsgericht der Bundesliga?

Es bedeutete keine Überraschung, dass der SC Wr.Neustadt durch seine Präsidentin Katja Putzenlechner offiziell machte, was ohnehin klar war: Das neutrale Schiedsgericht der Bundesliga wird angerufen, um festzustellen, ob der Einsatz von Salzburg-Leispieler David Atanga , der inzwischen beim deutschen Zweitligisten Greuther Fürth unter Vertrag steht, bei St. Pölten im zweiten Relegationsspiel gegen Wr.Neustadt unberechetigt war oder nicht. Ob da wirklich wie die zwei Instanzen der Liga behaupteten, alles in Ordnung war, weil das Regulativ des ÖFB anzuwenden war und nicht das der FIFA. das als Konsequenz aus dem „Fall Atanga“ ab der Saison 2018/19 auch in Österreich gilt. Bestätigt das Schiedsgericht die Entscheidung der Liga, bleibt St. Pölten in der Zwölferliga, hat Wr.Neustadt in der neuen zweiten Liga fast existenzielle Probleme, gibt es das neue Stadion nur in entscheidend kleinerer Version. Gewinnt Wr.Neustadt, wird St. Pölten juristische Schritte übernehmen. Manche sprechen sogar vom Gang vor der Internationale Sportgericht nach Lausanne, spekulieren mit einer 13erLiga, für die es schon einen „Plan B“ in der Ligazentrale geben soll. Wie die funktionieren soll?

Es lohnt sich im konkreten Fall Wr.Neustadt anzuschauen, wie neutral  das neutrale Schiedsgericht wirklich ist oder sein kann. Das zuletzt zweimal gegen die Liga entschied. Im Fall der Lizenz für Hartberg zu Ungunsten von Wr.Neustadt, was die Reaktion der Niederösterreicher auf die verlorene Relegation gegen St. Pölten auslöste, Und dann bei der Reduzierung der Derbystrafe für Rapid.

Bei manchen sorgt es schon für etwas Nasenrümpfen, dass der ständige Vorsitzende, der renommierte Wiener Rechtsanwalt  Gottfried Korn, der Schwiegervater der Leiterin der Rechtsabteilung der Liga ist. Daraus eine Befangenheit zu konstruieren, ist aber doch etwas weit hergeholt. Über den Verdacht ist Korn erhaben. Der führte seine letzte Vehandlung vor Jahren, er hat vier Vertreter. Es gibt  sieben Beisitzer, unter denen Ligavorstand Christian Ebenbauer für die Verhandung wählen kann, die Auswahl der Juristen ist für den Verein, der das Schiedsgericht anruft, etwas größer. Das gibt es neun Kandidaten. Bei Wr.Neustadt ist sie doch etwas reduziert.

Der Rieder Anwalt Peter Vogl, der darauf steht, sollte Wr.Neustadt schon vor der Liga juristsch vertreten, legte aber sein Mandat zurück. Auf „Anraten“ von Meister Red Bull Salzburg, für dessen Rechtsabteilung er tätig ist. Das trifft auch auf den Salzburger Anwalt Florian Mpller zu. Wolfgang Rebernig, den Wr.Neustadt auch kontaktierte, da s mit ihm in der Vergangenheit gute Erfahrungen gab, lehnte aus naheliegenden Gründen ab. Er gilt als „Erfinder“ des Kooperationsspielers. Um diese Konstruktion geht es ja im konkreten Fall. Also wird Rebernig eher der juristische Berater der Liga sein. Wr.Neustadts Wahl fiel auf Nikolaus Rosenauer, den Vizepräsident von Rapid. Das Paradoxe daran: Rosenauer vertrat auch Hartberg vor dem Schiedsgericht. Erfolgreich. Die Entscheidung fiel damals einstimmig für die Steirer. Also war auch der Vertreter der Bundesliga, Clemens Völkl, dafür.

Wie geht es weiter? Rosenauer und der Bundesliga-Beisitzer müssen sich auf einen der vier Korn-Stellvertreter als Vorsitzenden einigen.  Man kann annehmen, dass die Liga nicht noch einmal Universitätsprofessor Raimund Bollenberger „riskieren“ wird, unter dessen Vorsitz es zuletzt beide Niederlagen gab. Andere behaupten wieder, Bollenberger würde dies auf Befangenheitsgründen ablehnen, da er ein Wr.Neustädter ist.  In der Causa Hartberg gab es keine Spur von Befangenheit bei ihm. Denn hätte er gegen die Steirer entscheiden, wäre jetzt Wr.Neustadt in der Zwölferliga und gäbe es die ganze Aufregung nicht. Dennoch: Es wird wohl ein anderen Vorsitzender die Verhandlung führen.  Der heiße Tipp ist der Wiener Verfassungsrichter Christoph Herbst, als Anwalt ein Spezialist für Kapital-Kartell-und Wettbewerbsrecht.

Wann die Entscheidung in der Causa für St. Pölten oder Wr.Neustadt fällt? Wahrscheinlich erst in der Woche nach dem WM-Finale in Moskau. Oder zwei Wochen vor Saisonstart. Die Außendarstellung für die Liga ist alles andere als gut, geht sogar in Richtung verheerend.

Meist gelesen

Nach oben

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen