Fußball

Schande bei Lindner: Grasshoppers-Fans erzwingen Abbruch

Vor acht Jahren hatte Österreichs Teamtorhüter Heinz Lindner in seiner Austria-Zeit am 22.Mai 2011 beim Wiener Derby am Hanappi-Stadion den Platzsturm der über einen 0:2-Rückstand empörten Rapid-Fans nach 26 Minuten samt folgendem Abbruch miterlebt. Aber das war nichts im Vergleich zu der Schande, bei der er Samstag Abend als Keeper des Schweizer Rekordmeisters Grasshoppers Zürich am Tourbillon in Sion mitmachen musste. Abbruch nach 55 Minuten, weil die ins Wallis mitgereisten Anhänger des ehemaliger Schweizer Renommierklubs ausrasteten, für einen Pyrotechik-Eklat sorgten, durch den die Sicherheit der Spieler nicht mehr gewährleistet war. Daher Abbruch nach 55 Minuten. Sion führte nach einer halben Stunde 2:0. Kurz danach flog erstmals Pyrotechnik aus dem Gästesektor auf den Rasen, waren Feuerwehrleute damit beschäftigt, brennende Gegenstände vom Spielfeld zu entfernen.

Dem Schlusslicht Grasshoppers droht der erste Abstieg seit 70 Jahren. Danach sah es auch in Sion aus. Die Mannschaft wirkte inferior, die Fans sahen keine Chance auf den Umschwung im Kellerduell beim Drittletzten. Offenbar beschlossen sie in der Halbzeit, dem Geschehen ein Ende mit Schrecken zu bereiten. Als die Mannschaften zur zweiten Hälfte wieder auf das Feld kamen, flogen ständig Bengalos, brennende Gegenstände auf das Spielfeld. Referee Lionel Tschudi schickte beide Teams wieder in die Kabine, um die Lage zu beruhigen. Als es weiter ging, wiederholte sich nach neun Minuten das Szenario: Leucht-Raketen ohne Ende flogen. Tschudi unterbrach wieder, befahl beide Mannschaften vom Rasen, beriet sich im Kabinengang mit den Kapitänen. Grasshoppers-Präsident Stephan Anliker beschloss, mit Vorstandschef Manuel Huber, dem neuen Trainer Tomislav Stipic und den Spielern zu den eigenen Fans zu gehen, um zu versuchen, sie zu beruhigen, deeskalierend zu wirken.  Doch was geschah? Genervt von der Talfahrt in einer katastrophalen Saison warfen die Chaoten sogar Bengalos in Richtung der eigenen Spieler. Wahnsinn, wenn man weiß, dass diese Benagalos bis zu 1000 Grad heiß werden können.

Einer verfehlte den Grasshoppers-Kapitän nur knapp. Das war an diesem Abend der Schande nicht mehr wie in den letzten Monaten Lindner, sondern der wieder fitte Isländer Runar Sigurjonsson. Angesichts solcher Schreckensszenen, sahen Präsident, Vorstand und die Spieler ein, dass sie nichts ausrichten konnten. Weg von den Fans, wieder in den Kabinengang. Dort entschied sich der Referee richtiger-und vernünftigerweise für den Abbruch. Präsident Anliker konnte nicht fassen, was da angerichtet wurde: „Einige in dem Sektor waren so aufgegeilt, wirkten total verkokst, wie wilde Tiere. Das waren viele Gesichter darunter, die man bisher nicht kannte. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Mein Gefühl geht in Richtung Ohnmacht. Eine Schande für Grasshoppers und den ganzen Schweizer Fußball.“

Grasshoppers wird das Match am grünen Tisch 0:3 verlieren, eine hohe Geldstrafe bekommen. Der Abstieg rückt immer näher. Begleitet von schlimmen Skandalspielen. Eine Polizeieskorte begleitete nachher den Grasshoppers-Bus zur Autobahn Richtung Zürich.

Foto: © ORF.

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