Fußball

Vor 50 Jahren, am 6. Mai 1970 war Franz Hasil Österreichs Europacupsieger

Mittwoch wird es 50 Jahre her sein, dass Österreich seinen ersten Fußballer hatte, der den Europacup der Meister, den Vorläufer der Champions League, gewann. In dem es damals um nicht ansatzweise um so viel Geld ging wie heute. Das zeigt die Siegesprämie, die Franz Hasil bei Feyenoord Rotterdam nach dem dramatischen 2:1 (1:1, 1:1, 1:1)-Verlängerungskrimi gegen Celtic Glasgow mit der Trainerlegende Jock Stein im San Siro-Stadion von Mailand vor 53.187 Zuschauern erhielt: Der Triumph vom 6.Mai 1970 brachte jedem Europacupsieger nach heutigem Kurs etwa 7000 Euro. Bei Liverpool wurde letztes Jahr eine Prämie von rund 250.000 Euro pro Spieler ausbezahlt.

Hasil, damals knapp 25 Jahre alt und im Zenit, war ein Jahr zuvor gar nicht freundlich in Rotterdam empfangen worden. Sein Wiener Landsmann Ernst Happel holte den Ex-Rapidler von Schalke, obwohl er sich dort in seinem ersten Jahr als Legionär nicht richtig zurecht gefunden hatte. In Hasils Erinnerung wollte ihm damals einige Holländer in den Straßen Rotterdams gar nicht auf Nachfrage sagen, wie er denn zum Feyenoord-Traininsgeglände komme. Der Grund war das Gelsenkirchener Autokennzeichen. Da lebte bei vielen Holländern wieder die Erinnerung an die Besatzungsmacht aus dem zweiten Weltkrieg auf.  Ein Jahr später wurde Hasil zum Ehrenbürger von Rotterdam auf Lebenszeit ernannt.

Schon im Herbst 1969 ertönten die „Fran-si“-Sprechchöre der Feyenoord-Fans für Hasil. Der gemeinsam mit Wim Jansen und Wim van Hanegem das Mittelfeld beherrschte, dirigierte und marschierte. Im Mailänder Endspiel, das der Schwede Ove Kindvall drei Minuten vor Ende der Verlängerung entschied, erzielte Hasil kein Tor, traf nur die Latte, aber er war der beste Mann am Mailänder Rasen. Bei der Rückkehr ins Mannschaftshotel am Comer See legte Happel an der Bar Hasil zum ersten und einzigen Mal den Arm um die Schulter und sagte: „Jetzt haben wir es geschafft, wir zwei. Das ist eine große Sache.“ Tags darauf konnte Hasil in den holländischen Zeitungen lesen, dass er der „Uitblinker“ unter den „Uitblinkern“ war. Uitblinker bedeutet Koryphäe. Hasil war der herausragendste unter den herausragenden.

Das Charterflugzeug mit den Europacupsiegern konnte am Tag nach dem Finale nicht in Rotterdam landen. Weil sich dort tausende Feyenoord-Fans auf der Landesbahn aufhielten. Der Pilot zog daher vor, auf den Schiphol-Airprort von Amsterdam auszuweichen. Deshalb machte sich Rotterdam auf den Weg dorthin, Die Autobahn war total verstopft, sogar in einer Länge von 70 Kilometern. Auch in Schiphol befanden sich Fans auf der Landesbahn. Also wurde es dann doch Rotterdam. Dort jubelten am Rathausplatz 350.000 Holländer  ihren neuen Helden zu. Seit Hollands Befreiung von Deutschen waren noch nie so viele Menschen in Holland zusammengekommen.

Bei einer Wahl zu den beliebtesten Menschen in Holland kam der Wiener Hasil hinter Königin Juliane auf Platz zwei. Die ihn daraufhin zur Privataudienz bat. 30 Jahre nach dem Finale wurde Hasil in einem Umfrage als bester Legionär des Jahrhunderts in Hollands Eredivisie ausgezeichnet. Und 50 Jahre später war das 51.000 Zuschauer fassende De Kuip-Stadion für die Erinnerungsfeier am Mittwoch Abend bereits restlos ausverkauft.  Corona sorgte für die Absage. Ansammlungen sind bis auf weiteres verboten. Also ist Hasil Mittwoch in Wien statt in Rotterdam.

Feyenoord verschob die Feier. Auf den Herbst, Denn auch dort gibt es ein denkwürdiges Datum: Den 9. September, an dem Feyenoord 1970 gegen Estudiantes aus Argentinien den Weltcup gewonnen hatte. Das erste Spiel in Buenos Aires endete 2:2, wobei Feyenoord ein 0:2 nach zehn Minuten aufholte. Danach schrieben südamerikanische Zeitungen, Hasil habe so gut gespielt wie Rivelino, Gerson und Tostao zusammen. Wie drei Stars aus Brasiliens Team, das in diesem Jahr in Mexiko Weltmeister geworden war. Das zweit Finale in Rotterdam artete zur Härteschlacht aus. Die für Hasil nur bis zur Pause dauerte. Der Ellbogen eines Argentiniers traf ihn bald am rechten Auge, das bis zur Pause zugeschwollen war. Er sah auf dieser Seite nichts mehr. Eine der Geschichten aus seiner aktiven Zeit, die Hasil am liebsten erzählt, stammt aus diesem Finale, Er sah sie von der Seitenlinie aus: Vor lauter Zorn riss ein Estudiantes-Spieler Feyenoords Goldschützen zum 1:0-Triumph, Joop van Daele die Brille, mit der er damals spielt und die durch ein Gummiband gehalten wurde, vom Kopf und zertrampelte sie. Der Name des Spielers: Carlos Bilardo, 16 Jahre später in Mexiko Argentiniens Weltmeister-Teamchef. Die Brille von van Daele liegt bis heute im Feyenoord-Museum.

Mit nunmehr fast 75 Jahren weiß Hasil, dass er viele Fehler beging. Von denen der größte der war, 1973 nach einem Streit mit Happel und Mitspielern zwei Jahre nach dem Meistertitel die Zelte in Rotterdam abgebrochen zu haben und nach Österreich zurückgekehrt zu sein. Der Hasil von Austria Klagenfurt erinnerte zu selten an den Hasil von Feyenoord, der 43 Jahre warten musste bis er seinem österreichischen Nachfolger gratulieren konnte. Das war David Alaba 2013, als er mit Bayern München Borussia Dortmund im Wembley-Stadion von London 2:1 besiegte.

Foto: Feyenoord Rotterdam Media, SK Rapid Wien Media.

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