Fußball

WM schon 2022 mit 48 Teams: Was heißt das für Österreich?

Gianni Infantino, der „Meister Propper“ an der Spitze des Weltfußballs, will mit dem Kopf durch die Wand. Da handelt sich der 48jährige Schweizer (Bild oben) zwar hin und wieder eine Beule ein, aber er bringt doch viele seiner Pläne durch. Trotz Widerstand aus Europa. zwar nicht eine weltumfassende Nations League, aber doch eine neue Klub-WM mit 24 statt  bisher sieben Teilnehmern.  Die beschloss das FIFA-Council letzten Freitag in Miami Bewach, die wird erstmals vom 17.Juni bis 4.Juli 2021 stattfinden, den Confed-Cup, der immer als WM-Generalprobe galt, ersetzen. Zwar hatte die Europäische Club-Vereinigung ECA mit 232 Mitgliedern in einem Protestschreiben klargestellt, dass kein europäischer Topverein dabei sein wird. Aber lang hielt diese Front nicht. Plötzlich sah Real Madrid in Person von Vizepräsident Pedro Jimenez  dem neuen Bewerb mit Vorfreude entgegen, äußerte sich Bayerns Präsident Uli Hoeneß extrem positiv. Also kann Infantino davon ausgehen, dass in zwei Jahren alle europäischen Topklubs mittun  werden.

Österreichs Meister Red Bull Salzburg wird bei allem Respekt vor der positiven Entwicklung den Sprung auf einen der zwölf europäischen Startplätze wohl kaum schaffen. Auch wenn die Qualifikationskriterien  von der UEFA in Absprache mit der ECA erst festgelegt werden. Da sind heiße Diskussionen garantiert, ob allein die in der Fünfjahreswertung führenden Klubs dabei sein können oder auch der Gewinner der Europa League und womöglich sogar der unterlegene Finalteilnehmer. Das wird Österreich weniger betreffen als das, was am 5. Juni  am FIFA-Kongress in Paris, bei dem es einen Tag später um Infantinos Wiederwahl geht, beschlossen werden wird: Die Aufstockung der ohnehin umstrittenen Wüsten-WM 2022 in Katar von 32 auf 48 Teilnehmer. Seit Jänner 2017 war die massive Aufstockung und damit Verwässerung der WM-Endrunde bereits für 2026 in den USA, Mexiko und Kanada fixiert worden. Jetzt kommt es schon früher. Die FIFA erhofft sich zusätzlich über 200 Millionen Euro Umsatz, von denen  unter dem Strich nur 25 Millionen an Gewinn bleiben dürften, da 16 weitere Nationen Kosten verursachen. Jedem Team werden wegen der Dreiergruppen nur zwei Spiele garantiert sein.

Aus Miami war der slowenische UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin  verärgert und kommentarlos abgereist. Der Kampf gegen eine WM mit 48 hat für ihn aber keine Priorität, da die UEFA mit 55 Stimmen keine Chance gegen die Kongress-Mehrheit sieht. Also wird möglicherweise auch ÖFB-Präsident Leo Windtner die Hand für die neue „XXL-Weltmeisterschaft“ heben, die nicht ausgedehnt werden soll, zum ursprünglich geplanten Termin von 21.November bis 18.Dezember 2022 über die Bühne gehen soll. Mit einem Nachbarn von Katar als Mitausrichter. Die möglichen Kandidaten Bahrain, Saudi-Arabien und Vereinigte Emirate liegen allerdings mit Katar im schweren diplomatischen Clinch. Bleiben Kuwait und Oman, mit denen auch nicht alles passt. Dass alles, speziell die Reisebeschränkungen,  in den wenigen Wochen bis zum Pariser Kongress geklärt werden kann, scheint unrealistisch zu sein. Auch wenn Infantino alle Bedenken vom Tisch wischt.

Zu Infantino und Ceferin hat vom ÖFB Salzburgs Verbandspräsident  Herbert Hübel den engeren Kontakt als Windner, weil beide den Juristen Hübel mitunter für besondere Fälle einsetzen. Österreich ist aber viel zu klein, um bei solchen Entscheidung eine wichtige Rolle spielen zu können.  Was die Mega-WM für Rot-weiß-Rot bedeutet? Europa bekommt drei Startplätze mehr, 16 statt wie bisher 13. Die anderen Konföderationen profitieren mehr: Acht Startplätze für Asien statt bisher viereinhalb, neun für Afrika statt fünf, Südamerika sechs statt viereinhalb, Nord/Mittelamerika und die Karibik sechs statt dreieinhalb. So sichert Infantino seine Wiederwahl, egal was Europa denkt.

Drei Startplätze mehr für Europa bedeuten fast eine Startgarantie für die großen Nationen, von den etwa Italien und Holland in der Qualifikation für die WM 2018 hängen geblieben waren. Aber sich nicht für Österreich auf die erste WM-Teilnahme seit 1998 in Frankreich. Die Qualifikation wird nur unwesentlich leichter.

 

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