Fußball

315 Minuten ohne Tor machen wenig Hoffnung für die Europameisterschaft

Nichts wurde es mit Österreichs erstem Tor seit  28. März, dem ersten Sieg seit 70 Tagen, einer Art „Befreiungsschlag“  vor der Europameisterschaft. Das 0:0 gegen die Slowakei vor 3000 Zuschauern im Happel-Stadion  sorgte für mehr Zweifel als Optimismus. Drei Spiele lang kein Tor erzielt, insgesamt 315 Minuten lang (45 Minuten beim 3:1 gegen die Färöer, dann gegen Dänemark, England und die Slowaken jeweils 90) – warum sollte es dann plötzlich nächsten Sonntag beim  ersten Gruppenspiel gegen Nordmazedonien in Bukarest klappen? Die 39 Minuten, in denen Marko Arnautovic statt Sasa Kalajdzic zum Einsatz kam, durchbrachen auch nicht die Torsperre. Er setzte drei Glanzlichter, traf einmal die Stange. verfehlte mit einem Volley das lange Eck und scheiterte einmal am starken slowakischen Tormann Martin Dubravka. Wie vor ihm Florian Grillitsch, dessen Volley-Kracher aus mehr als 20 Metern Dubravka an die Stange wehrte oder bei der letzten Chance Michael Gregoritsch (Bild oben) per Kopf nach einer eprfekten Flanke von Louis Schaub. Aber am Ende stand wieder kein erzieltes Tor. Nur wirklich grenzenlose Optimisten sahen eine stetige Steigerung: Nach der 0:4-Heimpleite gegen Dänemark nur 0:1in England (die Engländer bezwangen Sonntag Rumänien auch nur 1:0), immerhin 0:0gegen die Slowakei, daher nächsten Sonntag die Steigerung auf ein1:0.  Viele werden nicht daran glauben.

Schon vor der Anpfiff legte sich Teamchef Franco Foda auf Daniel Bachmann in einem ORF-Interview als seine Nummer eins für die Europameisterschaft fest. Der Watford-Legionär bestätigte in seinem zweiten Länderspiel das Vertrauen, verhinderte mit drei starken Aktionen eine Niederlage. Daher vergisst man leichter, dass es mitunter fast schon problematisch wirkt, wenn er den Ball mit dem Fuss spielen muss, selbst wenn er nicht bedrängt wird. Es gab es fünf Änderungen gegenüber Mittwoch: Stefan Lainer, Xaver Schlager und Marco Friedl durften pausieren, Aleksandar Dragovic und Konrad Laimer wurden auf der Bank geschont. Hinein kamen Christopher Trimmel und Stefan Ulmer als Außenverteidiger, Philipp Lienhart, der bis auf eine Ausnahme sehr verlässlich war, ins Abwehrzentrum,  Grillitsch ins zentrale Mittelfeld und Valentino Lazaro auf die rechte Außenbahn. David Alaba bekam die Rolle „auf der sechs“, die er zuletzt auch bei Bayern München hatte. Und war damit vielmehr im Spiel als gegen England, wirkte sehr initiativ. Die Einschränkung: Die zündende Idee, der öffnende Pass, fehlten. Zur Pause blieb er ebenso wie Sabitzer in der Kabine.

Fodas Gesten ließen schon vor der Pause erahnen, dass er mit den Offensivaktionen nicht zufrieden war. Einmal brüllte er seinen Ärger so laut heraus, dass man ihn bis auf den dritten Rang hören konnte. Er vermisste Dynamik, Tiefgang und Tempo. Lazaro beispielsweise blieb viel schuldig. Aber auch der hatte seinen Anteil daran, dass in der zweiten Hälfte mitunter der Spielfluss zum Erliegen kam, obwohl es am Ende mehr Torchancen gab als in der ersten. Aber warum er nach 54 Minuten den Kreativspieler Christoph Baumgartner durch Abräumer Stefan Ilsanker ersetzte, blieb nicht nachvollziehbar, wenn man ein Spiel gewinnen will. Damit mussten auch die zur zweiten Hälfte gekommenen Laimer und Schaub andere Positionen suchen. Warum bekam da nicht der wieder fitte Karim Onisiwo seine Chance? Ebenso blieb rätselhaft, warum es Foda nicht mit Arnautovic und Kalajdzic probierte, sondern Arnautovic für den zuvor meist von drei Mann abgeschirmten Stuttgart-Torjäger brachte. Auch der Plan, Kapitän Julian Baumgartlinger im Finish zu bringen, blieb unerfüllt. Warum eigentlich bei sechs Wechseln? Auch Foda war schon besser in Form.

„Wir haben schon  einige Dinge umgesetzt, die wir uns vornahmen“, glaubte Kapitän Alaba, „nur wissen wir unsere Chancen verwerten. Ich bin sicher, Marko wird bei der Europameisterschaft treffen“. Der Kurzeinsatz des von Alaba gemeinten Arnautovic sorgte für bessere Stimmung auf den Rängen, hinterließ aber auch den Eindruck, dass sein körperlicher Zustand nicht viel längere Einsätze bei der Europameisterschaft zulassen wird. Daran wird auch in den nächsten Tagen nichts ändern. Schon vor dem Match fiel Arnautovic auf. Allerdings nicht auf dem Rasen, sondern mit seinem goldenen Rolls Royce mit Münchener Kennzeichen. Er stand vor dem Happel-Stadion direkt neben dem Teambus, wurde daher auch von der Security bewacht. Montag haben Spieler und Betreuer die Möglichkeit, die Akkus im engsten Familienkreis aufzuladen. Daher verständigte man sich in Abstimmung mit der medizinischen Abteilung auf Verhaltensregeln sowie  ein Testprozedere der Kontaktpersonen. Dienstag fliegt der Teamtross von Wien nach Innsbruck, bezieht in Seefeld das Euro-Base-Camp im Hotel Nidum, das Deutschlands EM-Aufgebot Sonntag verließ.

Besser als Österreich machte es Sonntag Holland in Enschede beim 3:0 (1:0) gegen Georgien. Vor der Pause verwandelte Kapitän Memphis Depay einen Elfmeter, in der zweiten Hälfte erzielten Wolfsburg-Torjäger Wout Weghorst sowie das 19 jährige Ajax-Amsterdam-Toptalent Ryan Gravenberch ihre ersten Treffer für Oranje. Trainer Frank de Boer bot eine Fünferabwehr mit dem 19 jährigen Jurrien Timber und Routinier Daley Blind von Ajax sowie Stefan de Vrij von Italiens Meister Inter Mailand im Zentrum auf. Matthijs de Ligt fehlte mit Adduktorenproblemen,  im Tor spielte der 38 jährige Marten Stekelenburg von Ajax.

Foto: PhotobyHofer/Diener/Philipp Schalber.

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