Fußball

Austria Klagenfurt träumt von Kärntner Derby statt Bäumen im Wörthersee-Stadion

Führungswechsel im Aufstiegsduell der zweiten Liga zwischen Ried und Austria Klagenfurt fünf Runden vor Schluss: Die Kärntner nützten Sonntag die vierte Pleite von Ried in fünf Spielen, das 1:3 gegen Blau Weiß Linz am Freitag. Samstag zündete Trainer Robert Micheu eine Kerze an, Sonntag Mittag kehrte Austria Klagenfurt durch ein 2:1 (2:1) bei Vorwärts Steyr nach sieben Monaten auf Platz eins zurück. Auf dem die Violetten von der vierten Runde (16. August) bis zur 16. (30. November) gelacht hatten. Ehe Ried bis zur Corona-Pause davonzog, acht Punkte Vorsprung herausholte. Da liegt der Schluss nahe, dass Micheu mit seiner Mannschaft zwischen März und Anfang Juni etwas besser gemacht haben muss als Kollege Gerald Baumgartner in Ried.

Sonst hätte Klagenfurt nicht seit Sonntag einen Punkt Vorsprung, der in Steyr stürmisch umjubelt wurde (Bild oben). So hält es Micheu punkto Rotation auch etwas anderes als Baumgartner. Der hatte Freitag die Mannschaft auf fünf Positionen verändert und damit nichts erreicht. Ganz bitter für Ried, dass Blau Weiß Linz die „Wikinger“ von der Sitze holte. Weil dort Stefan Reiter Geschäftsführer ist, der in Ried 2017 als Sportchef nach 13 Jahren von der jetzigen Führungsgarnitur abgesetzt worden  war. In Klagenfurt träumen schon alle davon, dass es im Herbst im Wörthersee-Stadion Bundesligafußball zu sehen sein wird und das erste Kärntner Derby gegen Wolfsberg. Und nicht mehr Bäume am Rasen stehen wie im letzten Herbst bei dem unsinnigen „For Forest“-Project.

Das wäre für Austria Klagenfurt zum 100. Geburtstag die Krönung eines langen Wegs zurück. 1997  gab es den eigenständigen Klub durch die Spielgemeinschaft mit Villach praktisch nicht mehr, dem folgte auf Initiative des ehemaligen Landeshauptmanns Jörg Haider der FC Kärnten. 2009 war auch der pleite. Zwei Jahre zuvor gründete mit Helmut König, ein Spieler aus Walter Ludeschers Erfolgstruppe der Achtzigerjahre, den Klub mit Unterstützung seiner Freunde Max Moser, eines Eishockey-Teamspielers, und Helmut Rath, den Klub neu, ohne ihn zu aktivieren. Das passierte drei Jahre später. 2010 begann Austria Klagenfurt mit der „gekauften Lizenz“ von St. Stefan in der Regionalliga Mitte. Ein Jahr später übernahm Peter Svetits, zuvor Präsident beim GAK und in Frank Stronachs Ära Sportchef bei Austria den Klub. 2015/16 gelang unter dem ehemaligen Bayern München-Spielen Manfred Bender der Aufstieg in die zweite Liga. Das Kapitel war ein Jahr später vorbei, weil es keine Lizenz durch in die Liga gab. Der Gang zum ordentlichen Gericht änderte nichts daran.

In der Sechzehnerliga war Austria Klagenfurt wieder dabei.  Im Februar 2019 übergab Svetits die Geschäfte an die kroatische Geschäftsleute, Zeljko und Tomiaslav Karajica, und ihrem Unternehmen Home United mit Sitz in Hamburg.  Die setzten Ivo Peric als Präsident und den ehemaligen 1860 München-Spieler Matthias Imhof als Sportchef ein, hielten bisher Wort, für die Vision Aufstieg in die Bundesliga zu investieren. Offenbar seriös. Bisher hörte man nichts von unbezahlten Rechnungen usw. Niemand nahm Imhof und Micheu wirklich ernst, als sie trotz des Achtpunkterückstands auf Ried noch von Aufstiegschancen sprachen. Sie behielten recht. Lag das an der Stärke von Austria Klagenfurt und an Rieds Tief mit der schlechtesten Serie seit 2016?

In Klagenfurts Mannschaft, die Sonntag beim Sieg in Steyr begann, standen neun Legionäre aus Slowenien, Kanada, Uruguay, Griechenland, Bosnien und Deutschland, sechs Spieler, die Imhof holte. Etwa die griechischen Brüder Kosmas und Polydoros Gkezos, den bei  Bayer Leverkusen ausgebildeten Deutsch-Türken Okon Aydin oder Torjäger Oliver Markoutz, der  in Steyr mit seinem 13. Saisontor den Ausgleich erzielte. Von seinem Potenzial dürfte der Stürmer nicht in der zweiten Liga spielen, sondern müsste Legionär sein.  Von 2011 bis 2014 war er bei Bayern München im Nachwuchs und bei den Amateuren, war beim damaligen Sportchef Matthias Sammer am Radar, durfte mitunter bei Pep Guardiola und der Bundesligamannschaft mitunter mittrainieren. Wahrscheinlich fehlte die Konsequenz, um den Durchbruch zu schaffen.  Nach dem Abschied aus München nützt der gebürtige Kärntner sein Potential jedenfalls in Klagenfurt viel besser als zuvor in St.Pölten oder danach in Wien beim Zweitligisten Floridsdorfer AC. Zu den Stützen zähtl auch der Siegtorschütze in Steyr, Patruck Greil, der zuvor ind er Red Bull-Akademie war. Und der in Steyr gesperrte 29 jährige Mittelfeldspieler aus der Steiermark, Philipp Hütter

Robert Micheu, zu aktiven Zeiten ein Defensivspieler in Klagenfurt, beim LASK, dem FC Linz, bei der Admria und beim Wiener Sportclub, nimmt am September am Trainerkurs zur UEFA-Lizenz teil, dürfte Austria Klagenfurt daher in der Bundesliga trainieren. Aber es gibt in Klagenfurt keinen, der abstreitet, dass Klagenfurt als Aufsteiger für die Bundesliga personell nachrüsten müsste, um konkurrenzfähig zu sein.. Auf der Position des Tormanns, wo derzeit der Slowene Zan Pelko die Nummer eins ist, oder trotz Markoutz auch im Angriff. Da wird sich „Home United“ garantiert nicht lumpen lassen. Der nächste Schritt ist schon geplant: Imhof hofft, Manfred Linzmaier als neuen Chefscout gewinnen zu können. Der ehemalige Tiroler Teamspieler, zuvor Co-Trainer von Kurt Jara beim Hamburger SV und in Kaiserslautern, arbeitete in dieser Funktion bei Red Bull Salzburg, „entdeckte“ dabei unter anderem den Südkoreaner Hee Chan Hwang und zuletzt beim deutschen Drittligisten Ingolstadt. Der Wörther See bietet sicher das attraktivere Ambiente als die bayrische Audi-Stadt.

 

Foto: Austria Klagenfurt.

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