Fußball

Beim Diver vor der weißen Wand platzte Glasners Hose

18 verschiedene deutsche Mannschaften traten seit der Eröffnung 1957 im Nou Camp gegen den FC Barcelona an. In den letzten 34 Jahren, seit1988, gewann nur Bayern München in Camp Nou, seit mehr als 41 Jahren schossen auch nur die Bayern mehr als einen Treffer. Eintracht Frankfurt schrieb daher bei seiner Premiere in Nou Camp am Donnerstag Geschichte: Gewonnen, drei Tore erzielt, Barcelona durch das 3:2 (2:0) aus der Europa League eliminiert, eine weiße Wand auf den Rängen. Mehr als 30.000 Eintracht-Fans in weißen Shirts, obwohl Barcelona nur 5000 Karten nach Frankfurt geschickt hatte. Das fand Trainer Oliver Glasner einmalig, löste bei Xavi, sinem Kollegen bei Barcelona, und dessen Spielern Ärger aus. Weil der  Heimvorteil fehlte, den eher Frankfurt hatte.  Barcelonas Boss Juan Laporta sprach deshalb von einer Schande, kündigte interne Konsequenzen an. Das Rätsels Lösung: Manchen Eintracht-Fans waren Karten 100 bis 200 Euro wert, kauften sie um diesen Preis von Barcelona-Anhängern, andere bezogen sie mit spanischen Kreditkarten bei Internetportalen. Die Gegenleistung war ein historischer Abend.

Die Feierparty vor der weißen Wand dauerte nach dem Schlusspfiff fast eine Stunde. Vier wurden von den Fans zum Jubeln extra nach vorne gerufen: Der zweifache Torschütze Filip Kostic, Tormann Kevin Trapp und Abwehrchef Martin Hinteregger, nach ihnen Glasner. Vor dem Sky-Mikrofon gestand der Kärntner, mental total kaputt zu sein. Auf der Tribüne zeigte sich ein Landsmann von ihm beeindruckt: Willi Ruttensteiner als technischer Delegierter der UEFA. „Hinti hat mit Zweikampfstärke, gewonnenen Kopfballduellen, Aggressivität beeindruckt, war ein Leader-Typ, sorgte für eine gute Spieleröffnung.“ Ruttensteiner imponierte auch Glasners Konzept, das genau passte: „Ohne Frankfurt schmälern zu wollen, aber Barca war vor allem bis zur Pause weiter von den Glanzzeiten entfernt, in denen  Xavi noch spielte. An denen aus dieser Ära, die noch dabei sind, nagt schon der Zahn der Zeit!“ Damit waren Kapitän Sergi Busquets und Jordi Alba gemeint.

Glasner entschuldigte sich bei Xavi für seinen Jubel nach dem dritten Tor, bei dem er sich auch zur Barcelona-Bank drehte: „Ich wollte niemanden provozieren. Dazu ist mein Respekt zu groß.“ Glasner sagte dies mit geplatzter Hose. Die Spuren seines „Divers“ vor der weißen Wand, als er auf den Knien über den Nou Camp-Rasen rutschte (Bild oben). Die kaputte Hose nahm er gern in Kauf. Auch in dieser Hinsicht war es ein außergewöhnliches Ereignis. Zu dem ihm auch sein Vorgänger bei Frankfurt, Adi Hütter, gratulierte. Der sich für den Landsmann und für seine ehemalige Spieler in Mönchengladbach vor dem TV-Schirm freute.

Auf Hütter wartet Samstag ein besonders emotionelles Ereignis. Erstmals seit zwei Jahren und damit in seiner Ära ist der Borussia-Park mit 54. 042 Karten ausverkauft. Zum Rheinderby gegen den 1. FC Köln, das in der Hinrunde 1:4 verloren ging, womit die schweren Zeiten und die Talfahrt begannen. Zum zweiten Mal hintereinander schafft die Borussia keinen Europacup-Platz. Daher folgen Sparwelle und ein um 15 Prozent reduzierter Etat für die Mannschaft. „Bild“ schloss in den letzten Tagen daraus, dass Hütter Mönchengladbach zu klein werden und der im Sommer aus dem bis 2024 laufenden Vertrag aussteigen werde. Das stellte er klar in Abrede: „Ich bleibe, etwas zu entwickeln, ist auch reizvoll“. Der neue, etwas kauzig wirkende Sportchef Roland Virkus kündigte an, einen Treiber zu holen.

Bedenkliche Neuigkeiten gab Bayerns Trainer Julian Nagelsmann preis: Seit dem Scheitern in der Champions League an Villarreal am Dienstag bekam er via Instagram 450 Morddrohungen.

Foto: UEFA.

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