Fußball

Der Kampf um Milliarden

Am kommenden Montag steigt in Nyon am Genfer See die zweite Sitzung der Arbeitsgruppe um die umstrittene Reform der Champions League,die beim Kongress der Europäischen Fußballunion UEFA in Athen eingesetzt wurde. Österreich ist darin durch  ÖFB-Geschäftsführer Thomas Hollerer vertreten. Er  gibt sich keinen Illusionen hin, weiss, dass es dabei nur um flankierende Massnahmen geht. Die großen Dinge sind vom Exekutivkomitee der UEFA beschlossen, werden daher für die Zeit von 2018 bis 2021 nicht angegriffen. Was dann kommt, bleibt abzuwarten. Dänemarks Verbandschef  Jesper Christensen äußerte schon Athen seinen Unmut: Das Exekutivkomitee habe zwar das Recht gehabt, die Reform abzusegnen, man müsse  jetzt aber überlegen, das ihm für die Zukunft wieder zu entziehen. Denn es ist ein Kampf um Milliarden, der da tobt. Österreichs ehemalige Ligavorstand Georg Pangl, jetzt Generalsekretär  von Europas Ligen-Vereinigung EPFL unkte schon vor zwei Wochen in einem dreiseitigen Interview mit der deutschen SPORT BILD: „So tragen wir den Fußball zu Grabe.“

Es heißt Arm gegen Reich. „Die Kluft wird immer größer“, behauptet Pangl zu recht. Mit der Reform sind 17 der 32 Plätze in der Champions League an die Ligen aus Deutschland, England, Spanien und Italien vergeben. Bei Spanien, Deutschland und England kann man gelten lassen, dass sie als Topligen vier Fixplätze verdienen. Bei Italien sieht es  anders aus. Aber die Italiener holte Karl-Heinz Rummenigge als Chef von Europas mächtigemKlubverband  ECA mit ins Boot, weil man die Italiener für die Mehrheit in der UEFA-Exekutive brauchte. Ein Nein von Vizepräsident Giancarlo Abete hätte bei seinen Verbindungen gefährlich werden können. 17 Plätze sind es deshalb, weil der Sieger der Europa League, der nächste Saison fix in der Champions League mitspielt, zuletzt stets aus einer der vier Ligen kam.

Bisher nahm die UEFA aus der Champions League 2,4 Milliarden ein, schüttete an Prämien davon 1,3 aus. Von den 3,2 Milliarden ab 2018 werden es mehr als zwei Milliarden sein. Rummenigge rechnet als Bayern-Vorstandschef ab 2018 mit 70 Prozent Mehreinnahmen, insgesamt um die 110 Millionen Euro. Der Titelgewinner 2019 darf mit über 130 Millionen kalkulieren.  Der Solidaritätsbeitrag für die Klubs, die nicht im Europacup starten, sinkt von bisher fünf Prozent auf vier. Im Klartext: Bei 2,4 Milliarden sind das derzeit 120 Millionen, bei künftig 3,2 aber nur um acht Millionen mehr. Also 128. Das Argument für die Reform laut Rummenigge: Nur dadurch habe verhindert werden können, dass die Champions League in die Luft fliegt, es zur Abspaltung der Topklubs und Gründung einer Superliga kommt. Und dafür müsse man alles in Kauf nehmen. Auch den weiter sehr großen Abstand zwischen Champions und Europa League, für die nur 500 Millionen Euro ausgeschüttet werden.

„Wir werden uns auf die Hinterfüße stellen. Das sind wir dem Fuball schuldig“, kündigte Pangl in Abstimmung mit dem schwedischen EPFL-Präsidenten Lars-Christer Olsson (früher UEFA-Generalsekretär) an. Pangl befürchtet einen „geschlosenen Kreis“ aus 25 bis 30 Topklubs, griechische Verhöltnisse in den meisten nationalen Ligen. In Griechenland tötet Abonnementmeister Olympiakos Piräus (18 Titel in den letzten 20 Jahren) jede Spannung und Attraktivität. Olsson will den neuen UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin treffen, der sich  kritisch zur Reform äußerte. Aber beim Slowenen ist Vorsicht geboten. Auch weil der wegen Dopingsumpfs  in Russland in Verruf gekommene russische Sportminister Vitaly Mutko für  Ceferin in Osteuropa auf Stimmenfang ging, weil mit dem Norweger Kjetil Siem für ihn ausgerechnet jener Mann die Strippen zog, den der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino als Strategiedirektor im Weltverband installierte. Will sich Infantino mit Ceferin, den viele als Erfindung seines Vorgängers Michel Platini sehen, eine Hausmacht in Europa sichern? Beim proklamierten Neuanfang mit Ceferin sollte man skeptisch sein. Viele sind überzeugt, dass er über die Reform der Champions League in Wahrheit voll informiert war, aber  nichts dagegen tat.

Das will Europas Ligenvereinigung nachholen. Und im Fall keiner Einigung mit der UEFA am 21. Oktober bei der EPFL-Vollversammlung in Zürich, bei der auch Österreichs Bundesliga vertreten sein wird, zur Diskussion stellen, die Abmachung mit der UEFA platzen zu lassen, wonach der Spielbetrieb der Meisterschaft an Europacup-Terminen ruht. Auch vom Schweizer Ligachef Claudius Schäfer, einem Juristen, kamen forsche Töne: „Das ist ein schlimmer Afront gegen die mittelgrossen Ligen.“ Die Schweiz verliert durch die Reform ihren Fixplatz in der Champions League. Pangl: „Bei Meisterschaftsterminen an  Europacuptagen werden auch einige TV-Stationen zu überlegen beginnen. Dann bin ich gespannt, ob soviel Geld wie jetzt weiter fließen wird.“ Der große Krach liegt  in der  Luft.

Am Montag geht es aber vorerst in Nyon auch für um Österreich relevante Dinge. Um wie viel es für kommende Meister noch schwerer wird, auf einen der 15 freien Plätze in der  Königsklasse zu kommen. Gibt es eine Vorqualifikation zur Qualifikation oder beginnt alles gleich im k.o.-Modus? Wie viele können in die Europa League wechseln? Hollerer: „Wir müssen schon den Fokus von auf 2021 bis 2024 richten, damit dann unsere Interessen besser gewahrt werden.“ Das will er auch bei   Giorgio Marchetti, in der UEFA-Administration zuständig für die Champions League,  deponieren.

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