Fußball

Der Pensionsvertrag in Hütteldorf ist eigentlich bedenklich

Jeden Tag etwas Neues von Rapid. Auf die Initiative zu einem Sicherheitsgipfel folgte die Vollzugsmeldung über Mario Sonnleitner. Sportchef Fredy Bickel verlängerte in Abstimmung mit Trainer Didi Kühbauer den Vertrag des 32jährigen Innenverteidigers gleich bis 30.Juni 2021. Weil er als unverzichtbar gilt. Respekt für den Steirer, dass  er sich diesen Status wieder erarbeitete. Aber zugleich ist dieser Pensionsvertrag auch bedenklich, zeigt die problematische sportliche Situation bei Grün-Weiß. Denn vor zweieinhalb  Jahren, im Frühjahr 2016, deponierte Rapids Trainerteam um Zoran Barisic beim damaligen Sportchef Andreas Müller, Sonnleitners Vertrag nur um ein Jahr zu verlängern. Von diesem Trainerteam gehören drei  zum Stuff von Didi Kühbauer. Das lässt den Schluss zu, dass Rapid sich nicht weiter entwickelt hat, wenn man jetzt glaubt, auf Sonnleitner langfristig nicht verzichten zu können.

Dass Sonnleitner 2016 dann doch einen Dreijahresvertrag bekam, ging auf Müllers Konto. Um so überraschender kam es, dass Sonnleitner danach bei dem Trainer, den Müller statt Barisic installierte, nämlich Mike Büskens, keine wichtige Rolle spielte. Nur in den letzten zwei der 14 Runden, in denen Büskens Trainer war, zum Zug kam. Bei Nachfolger Damir Canadi kam er wieder auf mehr Einsätze. Vor allem, weil er öfters der Variante mit drei Innenverteidigern den Vorzug gegenüber der Viererabwehr gab. Als Bickel Goran Djuricin zum Cheftrainer machte, stieg Sonnleitner in der Hierarchie weiter nach oben. Das änderte sich auch bei Kühbauer nicht. Auch wenn es zuletzt gelang, auch ohne den Routinier im Abwehrzentrum wichtige Spiele zu gewinnen. Etwa gegen die Glasgow Rangers oder bei Spartak Moskau. Debakeln wie Sonntag im Derby ohne Sonnleitner hatte es auch mit ihm gegeben. Siehe Villarreal und Hartberg. Was eigentlich zeigt: Sonnleitner hat sich nicht entscheidend verändert,  ist weder besser noch schlechter geworden. Ihn zu behalten, ist okay. Aber gleich bis 2021, bis er 35 sein wird?

„Jeden Tag ein Vorzeigeprofi, vorbildliche Mentalität und Charakter“, lobte Bickel Sonnleitner, der mit Rapid in acht Jahren anders als zuvor bei Sturm Graz keinen Titel gewann, sich als Erz-Rapidler fühlt. In der Liste der grün-weißen Rekordspieler, die Steffen Hofmann mit 540 Pflichtspielen vor Peter Schöttel (527), Reinhard Kienast (495), Michael Konsel (486) und Hans Krankl anführt, liegt er mit 321 auf Platz 19. Fast am unvergesslichsten seiner bisherigen Zeit in Hütteldorf ist sein Sager von der europäischen Weltklasse nach dem denkwürdigen 3:2-Sieg in der Qualifikation zur Europa League bei Aston Villa in Birmingham am 26. August 2010, bei dem er das Tor zum 2:2 erzielte. Was für ihn im Vergleich zu den anderen Innenverteidigern wie Christopher Dibon und Max Hofmann spricht: Er war eigentlich noch nie ernsthaft verletzt.

Bickel sprach nur von einen neuen Zweijahresvertrag, da der aktuelle erst im Juni 2019 ausgelaufen wäre. Eine Verlängerung mit einer Klausel, über die der Sportchef nicht reden will. Auffällig, dass bei Rapid die Klienten der Agentur „More than Sport“, die dem Salzburger Frank Schreier gehört, stets mit langfristigen Verträgen rechnen können. War bei Müller so, ist bei Bickel so. Wie die Beispiele von Sonnleitner, Ivan Mocinic und Andrija Pavlovic zeigen. Deni Alar war, als er im Juni den Vierjahresvertrag bei Rapid bekam, noch nicht bei Schreiers Agentur. Aber Manuel Martic, als er bei Grün-Weiß unterschrieb. Vielleicht wollte Bickel auch deshalb Sonnleitner so lange binden, weil er damit rechnet, dass der 19jährige Mert Müldür als türkischer Jung-Nationalspieler von seinem Berater Max Hagmayr bereits bei türkischen Spitzenklubs in Stellung gebracht wird.  Obwohl Müldür, der eigentlich ein besserer Innenverteidiger als Außendecker ist, erst im Frühjahr bei Rapid bis 2021 unterschrieben hatte.

Am Tag, an dem Rapids Sonnleitners Pensionsvertrag offiziell machte, vollzog auch einer aus Rapids letzter Meistermannschaft einen Transfer. Allerdings vier Klassen tiefer. Ümit Korkmaz ist nur ein Jahr älter als Sonnleitner. Mit ihm hofft die Vienna, Wiens ältester Fußballklubs, den Aufstieg aus der zweiten Wiener Landesliga in die erste zu schaffen. Korkmaz verließ Regionalliga-Herbstmeister Mauerwerk, dessen Finanzsorgen in der Szene immer öfters ein Thema sind. Auf der Hohen Warte amtieren mit Markus Katzer sowie Peter Hlinka ehemalige Korkmaz-Mitspieler aus Rapids letzter Meistermannschaft als Sportchef und Trainer.

 

 

Foto: © SK Rapid Wien Media .

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