Fußball

Die Austria-Erinnerungen von Andi Ogris an Rapids Derby-Neuling Ercan Kara

Sonntag erstmals seit 8. Dezember 2019 ein Wiener Derby. Das erste von insgesamt 331 ohne Zuschauer. Die fast einjährige Pause nach dem 2:2 im Hütteldorfer Allianz-Stadion entstand, weil Austria im Frühjahr 2020 nicht in der Meisterrunde spielte. Auch ein Jahr davor gab´s eine Derbypause, weil damals Rapid nicht den Sprung unter die ersten sechs  nach 22 Runden geschafft hatte. Das lag auch an einem Derbydebakel, dem 1:6 am 16. Dezember 2018 in der Generali-Arena. Zugleich das einzige der letzten zwölf Duelle der Wiener Erzrivalen, das die Heimmannschaft, in diesem Fall die Austria, gewann. Die hat ihre letzten sechs Auswärts-Derbys nicht verloren. Anders ausgedrückt: Im vor viereinhalb Jahren eröffneten Allianz-Stadion konnte Grün-Weiß Violett noch nicht besiegen.

Das kann sechs Rapidler nicht besonders belasten. Denn Tormann Paul Gartler, Leo Greiml, Thorsten Schick, Filip Stojkovic, Marcel Ritzmaier, Yusuf Demir und Ercan Kara bestritten noch kein Derby, bei Austria wird es mit Georg Teigl und Youngster Aleksandar Jukic nur zwei Derbyneulinge geben. Ob Rapids wieder gesunder Trainer Didi Kühbauer alle sieben „Kandidaten“ von Beginn an bringt? Bei Kara ist das wohl fix. Der 24jährige Sturmtank erstmals gegen Violett, das wird etwas delikat. Wegen seiner Austria-Vergangenheit, die man auch im Klubarchiv findet: Ein Einsatz in der Kampfmannschaft über elf Minuten, dabei ein Tor erzielt. In einem Freundschaftsspiel. Passierte in der Saison 2014/15.

Im Sommer 204 war der 18 jährige Kara aus der Wiener Liga von Slovan zu Austria gewechselt. War für die zweite Mannschaft, die in der Regionalliga Ost spielte, eingeplant. Die von der violetten Legende Andi Ogris trainiert wurde, eine Saison später von Roman Mählich, als Ogris in der Bundesliga für den beurlaubten Gerald Baumgartner einsprang. Auf Nachfrage, ob er sich noch an Kara erinnern könne, kommt die Antwort von Ogris schnell: „Na klar, der Erci war schon damals auffällig!“  Seinen Spitznamen hatte Kara schon zu Austria-Zeiten. Die Anlagen zum Torjäger seien zu erkennen gewesen, aber ihm habe die Umstellung zu schaffen gemacht. Mehr Training als zuvor gewohnt, mitunter in der Kraftkammer, das hinterließ Spuren: „Aber er war immer ehrgeizig, ließ sich nie hängen, hat nie geraunzt, weil er nicht drangekommen ist.“ Ogris kann sich sogar noch erinnern, dass Kara damals seine Ernährung umstellte, um richtig fit zu werden.

Trotzdem kam er nicht an zwei Konkurrenten vorbei, die bei der Austria höher im Kurs standen, aber auch nicht den großen Sprung zur Stammbesetzung in der Bundesliga schafften. Das waren Marko Kvasina, der nach Mattersburg wechselte, im Juni in Belgien bei Oostende gelandet ist, und Alexander Frank, der aktuell in der Regionalliga Ost für Stripfing stürmt. Kara hingegen zeigte bei Rapid auf. Zwölf Tore in 25 Pflichtspielen, seit er im Jänner von Zweitligist Horn kam, diese Saison neun Treffer und sechs Assists in 16 Partien, Donnerstag nach dem Doppelpack zum 3:1 gegen Dundalk in Dublin im Europa League-„Team der Woche“ der UEFA. Via Puls 4 kam noch aus der irischen Hauptstadt Karas Kampfansage an Austria für das Derby: „Ich hab noch eine Rechnung offen!“

Hat sich die Austria also bei Kara geirrt? „Er hat nach zwei Saisonen selbst gesehen oder gefürchtet, dass es nicht klappen wird, freiwillig einen Schritt zurück gemacht!“, meinte Ogris. Kam damit aber nach vorne. Die folgende Kara-Torflut in Wiener Liga (Karabakh), Regionalliga (Mauerwerk) und zweite Liga überraschte seinen Ex-Trainer nicht: „Das hing sicher auch damit zusammen, dass er nach den zwei Jahren bei uns punkto Fitness auf einem viel höheren Niveau war. Das half ihm sicher. Ich hab ihm die Bundesliga schon zugetraut. Nur, dass es Rapid wurde, hat mich einigermaßen  überrascht“.

Sonntag kann der bei Austria gescheiterte Kara seinem Ex-Klub schon mit seiner physischen Präsenz weh tun. Da kommt einiges auf die violetten Innenverteidiger  Mario Handl und Erik Palmer Brown zu. Und vielleicht auf Tormann Patrick Pentz, für dessen Trikot sich ein Brustsponsor (BCL) fand. Das Brandschutz-Unternehmen eines Austria-Fans (Jürgen Leidner) engagiert sich im Derby. Bei einer Niederlage könnte der violette „Huat“ im Kampf um Platz sechs brennen. Die offene Frage: Wer ersetzt den gesperrten Alexander Grünwald? Als Kapitän Markus Suttner, im Mittelfeld Thomas Ebner bei der defensiven Variante. Für die mutigere wären Patrick Wimmer oder Dominik Fitz die Kandidaten.

Derby-Fans kommen Sonntag bei Sky Austria auf ihre Rechnung: Die Berichterstattung beginnt achteinhalb Stunden vor Anpfiff (!). Ab 8.30 am Morgen werden die sechs denkwürdigsten Derbys nochmals gezeigt. Ob auch das 331. Derby einmal als denkwürdig gelten wird? Vielleicht, wenn es den ersten Sieg Rapids im Allianz-Stadion bringen sollte. Mit dem entscheidenden Tor eines Ex-Austrianers namens Ercan Kara.

 

 

Foto: © FOTObyHOFER/Christian Hofer.

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