Fußball

Die Politik ist bei Corona-Maßnahmen im Fußball unehrlich

Österreichs Politiker blieben oft zum großen Nachbarn Deutschland. So war es auch in Sachen Corona-Maßnahmen beim Fußball und wird es auch bleiben. In Deutschland werden die  Proteste gegen Zuschauerbeschränkungen immer lauter. Bayern Münchens Vorstandboss Oliver Kahn traf rund um das Spiel bei Hertha BSC Berlin den deutschen Gesundheitsminister Karl Lauterbach, um einzufordern, mehr Fans ins Stadion zu lassen. In der letzten Runde waren es in neun Spielen nur 6750. Am Montag verkündete Bundeskanzler Olaf Scholz nach einem Gipfel mit den Regierungschefs der Länder, es werde sich nichts ändern. Was Donata Hopfen als Geschäftsführerin der Bundesliga unverständlich fand. Hans Joachim Watzke, der Boss von Borussia Dortmund, drohte mit Klage, weil in Nordrhein-Westfalen weiterhin nur 750 Zuschauer erlaubt sind. Leipzig-Chef Oliver Mintzlaff überlegt ähnliche Schritte in Sachsen, wo 1000 Besucher erlaubt sind.

Zu den schärfsten Kritikern der Zuschauer-Begrenzungen in Deutschand gehörte seit Wochen Österreichs Trainerlegionär Oliver Glasner: „Die Politik arbeitet sich am Fußball ab“, behauptete er. Die 1000 Zuschauer, die zuletzt bei Frankfurts 0:2 gegen Bielefeld erlaubt waren, wirkten auf ihn wie „wir geben euch ein Zuckerl, damit ihr den Mund haltet.“ Dienstag überraschte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit einer Lockerung: Die Stadien dürfen zu 25 Prozent ausgelastet sein, die Höchstgrenze liegt bei 10.000 Zuschauern. Damit kann Bayern München am 5. Februar gegen RB Leipzig erstmals seit November  vor Fans spielen.

Was wird sich in Österreich noch bis zum Saisonstart am 4. Februar mit dem Cup-Viertelfinale tun, wie viele Zuschauer dürfen zum Bundesligauftakt zwischen Rapid und Red Bull Salzburg eine Woche später und zu Salzburgs Champions League-Kracher gegen Bayern München? Leere Tribünen in Hütteldorf und Salzburg, höchstens 1000 Zuschauer erlaubt? Das ist zu befürchten. Speziell nach der Verordnung für den Amateursport und den Nachwuchsbetrieb, wonach nur 25 Personen gemeinsam Sport im Freien  betreiben dürfen. ÖFB-Präsident Gerhard Milletich forderte letzte Woche die Aufhebung, es kam aber lediglich zu einer Korrektur, die wenig an der Kritik änderte. „Weltfremd, nicht von Sachverstand geprägt“, kritisierte die Vereinigung der Fußballer durch ihren Vorsitzenden Gernot Zirngast. Ähnliches gilt auch für Verordnungen zum Spitzensport.

In England können die Stadien voll sein. In Frankreich ab Februar ebenfalls wieder, in Italien fällt nach der Länderspielpause die Beschränkung auf höchstens 5000 Zuschauer. Deutschland und auch Österreich haben die strengsten Maßnahmen. Weil die Politik nach dem Motto, etwas Sichtbares tun zu müssen, agiert. Da bieten sich die Fußballstadien eben perfekt an. Die Stadien als Ansteckungsort auszumachen, ist aber total unehrlich. Es dürfen nur Geimpfte und Genesene auf  die Tribünen, die zusätzlich Masken tragen müssen. Trotzdem leert die Politik auch in Österreich die Stadien, holt dir Fans aus der frischen Luft in die Innenräume, schickt sie nach Hause oder in Lokale. Nicht nachvollziehbar.

Der wirtschaftliche Schaden für die Klubs ist nicht zu leugnen. Trotz des Unterstützungsfonds von Österreichs Regierung für den Spitzenspot kann das auf Dauer nicht gut gehen. Verwunderlich ist eigentlich das leise, zurückhaltende Auftreten der Liga in dieser Causa. Die müsste sich gemeinsam mit dem ÖFB viel öfter mit Kritik zu Wort melden, in die Offensive gehen

Foto: West Ham.

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