Fußball

Erste Chance für Nürnbergs Null-Minuten-Spieler aus Vorarlberg

Ausser in Vorarlberg wird sich in Österreichs Fußballszene kaum jemand an Lukas Jäger erinnern. Vor zwei Saisonen noch Stammspieler bei Altachs Höhenflug, sozusagen ein Musterschüler seines damaligen Trainers Damir Canadi in Sachen taktischer Disziplin und Defensivarbeit. Mit Canadis Wechsel zu Rapid tauchte Jägers Name auch als möglicher grün.weißer Neuzugang auf. Aber das Thema war mit der raschen Beurlaubung seines Förderers in Hütteldorf hinfällig. Der aus Alberschwende im Bregenzerwald stammende Jäger, der  19 Spiele in Österreichs U21 bestritt, wechselte für 800.000 Euro Ablöse in die zweite deutsche Liga zum 1.FC Nürnberg. Und verschwand dort anders als die Österreicher vor ihm, als Alessandro Schöpf, Guido Burgstaller oder aktuell Georg Margreitter, bisher in der Versenkung. Kein Einsatz in der zweiten Liga, keiner in der Bundesliga. Ein Null-Minuten-Spieler. Die Regionalliga Bayern war sein Revier.

Anfangs sahen es Jäger und sein Berater Mario Weger alles noch positiv nach Plan verlaufen. Sich sechs Monate an die zweite Liga gewöhnen und dann durchstarten. Zu dem kam es nie. Aber nach 16 Monaten Wartens könnte Samstag im Heimspiel gegen Hoffenheim die  große Chance kommen, erstmals in Nürnberg wirklich gebraucht zu werden. Als Abfang-Jäger könnte der 1,84 Meter große Jäger gebraucht werden. Darüber wird in den deutschen Medien (Bild oben) bereits spekuliert. In der zweiten Liga forciert Nürnbergs Trainer Michael Köllner auf Grund der dominanten Spielweise lieber die technisch besseren Offensivkräfte. Jetzt gilt es aber dringend, die Defensive zu stabilisieren. Den letzten Anstoß lieferten die schlimmen Auswärtsdebakel des Clubs. Auf ein 0:7 in Dortmund folgte vor der Länderspielpause ein 0:6 in Leipzig. Das ließ nicht nur Diskussionen über einen Tormannwechsel laut werden, sondern auch um eine Verstärkung der Defensive. Ein Abfangjäger vor der Abwehr wird gebraucht. Das artikulierte auch Abwehrchef Margreitter und machte sich damit für seinen Landsmann stark. Den Köllner schätzt, weil er sich im Training  trotz der frustrierenden Reservistenrolle nie hängen ließ. Das spürten auch die Mitspieler. Bei denen gilt es als unangenehm, auf Jäger zu treffen. Weil das mit Schmerzen verbunden sein kann.

Jägers Marktwert litt darunter, nie gespielt zu haben. Beträgt derzeit laut transfermarkt nur noch die Hälfte seiner Ablöse. Er ist jetzt in einer Situation, in der er nur gewinnen kann. Sein Selbstbewusstsein scheint aber unter der schweren Zeit im Frankenland nicht gelitten zu haben. Er traue ich derzeit zu, auch die Topspieler der Bundesliga zuzudecken, behauptete er, als er auf ein mögliches Debüt gegen Hoffenheim angesprochen wurde. Und nannte konkret Marco Reus, den Kapitän von Tabellenführer Borussia Dortmund: „Ich hab´schon bei Altach meine besten Leistungen gegen die stärksten Gegner geboten“ erinnerte sich Jäger an die Spiele gegen Red Bull Salzburg.

Ein Vorarlberger ist in der Bundesliga schon Freitag Abend im Einsatz, wenn die achte Runde eröffnet wird. Adi Hütter auf der Trainerbank von Eintracht Frankfurt, als Siebenter nur einen Platz und drei Punkte hinter seinem Vorgänger Niko Kovac und Meister Bayern München. Im Heimspiel gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf ist alles auf den vierten Sieg hintereinander eingestellt, obwohl der kroatische Stürmerstar Ante Rebic gesperrt ist: „Es sieht jetzt schon besser als zu Saisonbeginn aus“, freute sich Hütter. Dass manche behaupten, er habe nach den Startpleiten seinen Offensiv-Stil, sein favorisiertes 4-4-2 aufgegeben und lasse unter der Devise „Kovac kopieren statt weiter verlieren“ wieder wie sein Vorgänger spielen, lässt Hütter kalt: „Ich lese ja das meiste gar nicht, was alles geschrieben wird.“ Keine schlechte Idee.

Foto: Fussball Bild (© Bernd Müller).

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