Eishockey

Es gibt keinen Verrückteren als Österreichs Teamchef

Es war zwar nur das zweite Vorbereitungsspiel des noch lange nicht kompletten  Eishockeyteams auf die WM in Bratislava. Aber eines, das noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wenn Österreich gegen den sechsfachen Weltmeister Tschechien erst nach Penaltyschießen verliert, dann ist das nicht alltäglich. Passiert Samstag Nachmittag in Linz. Nach 60 Minuten stand es 4:4 (1:1, 1:3, 2:0),wobei die Aufholjagd im letzten Drittel von 2:4 auf 4:4 die 2520 Zuschauer total mitriss, die für  Superstimmung sorgten. Kein Tor in der Verlängerung, erst der 18.Penalty entschied für die Tschechen. Immerhin ein Punkt in der Euro Hockey Challenge, mit dem man nicht rechnen durfte.

Auch dem ehemaligen Tennisstar Alex Antonitsch wird der 13.März 2019 immer in Erinnerung bleiben. Weil sein 23jähriger Sohn Sam, der bei Innsbruck kaum in den ersten zwei Linien zum Zug kommt, in seinem fünften Länderspiel erstmals im Teamdress ein Tor erzielte, mit dem Anschlusstreffer zum 3:4 die mitreißende Aufholjagd initiierte, die Schweiz-Legionär Dominic Zwerger zehn Sekunden vor Schluss mit dem Ausgleich krönte. Zwerger hatte zuvor im ersten Drittel mit dem ersten Powerplay schon den Ausgleich zum 1:1 erzielt. Irgendwie war es auch ein internes Duell der Legionäre des Schweizer Klubs Ambri-Piotta. Dort spielen Zwerger und der Tscheche Dominik Kubalik in einem Sturm, gehören zum Trio infernal, das für die meisten Tore sorgt. Samstag waren sie Gegner. Kubalik, der Schützenkönig der Liga,  traf zur 4:2-Führung der Tschechen, verwandelte den entscheidenden 18.Penalty.

„Ganz Österreich hat gesehen, welche gute jungen österreichischen Spieler es gibt“, sagte Teamchef Roger Bader in dieser Saison nicht zum ersten Mal. Ähnlich hört  von  dem Schweizer auch in Klagenfurt nach dem Sieg über Norwegen. Bader hatte den Mut, mit den Verteidigern Julian Payr und  David Maier sowie Stürmer Benjamin Baumgartner  drei 18jährige gegen Tschechien ins kalte Wasser zu werfen. Sie auch in der Verlängerung einzusetzen, danach Penaltys schießen zu lassen. Maier sorgte für Österreichs 4:3-Führung, die Kubalik egalisierte.  Davos-Legionär Baumgartner verwandelte seinen ersten, traf beim zweiten die Latte. Das nützte Kubalik, der wieder antrat,  für Tschechiens Sieg. Aber gibt es noch so einen verrückten Teamchef, der jungen Spielern viel mehr Vertrauen schenkt, das die dann prompt rechtfertigen?  Mehr Vertrauen, als sie den österreichischen Klubs in der EBEL-Liga bekommen? Es gibt keinen Verrückteren als Bader, der seiner Mannschaft immer Steigerungen zutraut. Auch der 22jährige Innsbruck-Flügel Dominik Wachter traf erstmals für Österreich. Mit einem Solo, als er direkt von der Strafbank kam, zum 2:3.

Österreichs Eishockey würden einige so verrückte Trainer wie Bader bei den Klubs nur gut tun. Aber wie sieht die Realität aus? Bei den Finalisten Vienna Capitals und KAC stehen zusammen 19 Ausländer unter Vertrag, zehn aus Kanada,  fünf aus dem USA. Im ersten Finalspiel am Sonntag Nachmittag, das die Capitals nach Verlängerung 3:2 (2:0, 0:1, 0:1, 1:0) gewannen, gab es nur ausländische Torschützen, hatten Österreichs Teamtorhüter Bernhard Starkbaum und David Madlener auf der Bank den besten Sitz-oder Stehplatz in der Erste Bank-Arena.

Wie geht es mit der WM-Vorbereitung weiter? Dienstag beginnt in Innsbruck das vierte Trainingslager mit sechs neuen Spielern: Von Salzburg Tormann LukasHerzog, die Verteidiger Daniel Jakubitzka und Layne Viveiros sowie Stürmer  Alexander Cijan. Von Graz nur Verteidiger Erik Kirchschlager, da Stürmer Lukas Kainz verletzt ausfällt. Und aus Schweden Malmö-Center Konstantin Komarek. Die sind auch bei den  nächsten Spielen gegen WM-Veranstalter Slowakei am Freitag in Salzburg und Samstag in Innsbruck dabei. Wobei der seltene Fall eintritt, dass Bader bis auf Philadelphia-Stürmer Michael Raffl alle Legionäre zur Verfügung hat, aber nicht die einheimischen Spieler.

Sieben Salzburger Bullen, die Verteidiger Dominique Heinrich und Alex Pallestrang sowie die Stürmer Thomas Raffl, Raphael Herburger, Alexander Rauchenwald, Florian Baltram und Mario Huber bekamen von Bader noch eine Woche Urlaub, da sie in der Semifinalserie gegen die Vienna Capitals sehr viel Eiszeit hatten. Bader muss hoffen, dass die Meisterentscheidung  zwischen den Capitals und dem KAC nicht über sieben Spiele geht. Denn die Liga setzte sich mit ihrem Wunsch nach einem möglichst späten Termin  für ein siebentes Duell gegen Bader durch. Vielleicht hilft das Tschechien-Spiel, dass die Verbandsspitze den „verrückten“ Teamchef in seinen Kampf für Österreicher und das Nationalteam künftig mehr als bisher unterstützt.

Foto: ÖEHV.

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