Fußball

Nicht viel ändern wird gegen Herzog zu wenig sein

Bei der Pressekonferenz hatte Österreich am Samstag im Sammy Ofer-Stadion von Haifa die Nase vorn. Zunächst redete Franco Foda, erst nach ihm der Teamchefs Israels, Österreichs Rekordteamspieler Andi Herzog (Bild oben).  Der konnte auch keinen Überraschungsgast begrüßen wie Foda zuvor seinen ehemaligen Präsidenten von Sturm Graz, Hannes Kartnig, der als Privatperson in Israel ist. Kartnig hatte Foda als Spieler 1997 vom FC Basel nach Graz geholt, ihn sechs Jahre später zum interimistischen Nachfolger von Trainerguru Ivica Osim gemacht. So etwas verbindet.

Foda musste sich auch keine Vorwürfe anhören wie nach ihm Herzog, nicht die besten Spieler im Kader zu haben. Bei Herzog ging es wieder einmal um Elivan Atar, den besten Torschützen in Israels Liga: „Er ist in Tel Aviv statt in Haifa“, sagte ein israelischer Journalist mit fast bebender Stimme. Herzog blieb gelassen: „Das hat taktische Gründe. Bei mir muss ein Flügelstürmer auch Defensivaufgaben übernehmen.“ Ja, die Defensive macht Herzog Sorgen. Dort hat Israel Probleme, die sich Donnerstag speziell in der ersten Hälfte beim 1:1 gegen Slowenien zeigten. Die Räume enger machen, entschlossener attackieren, das will er gegen seine Landsleute sehen. Vier Punkte wollte er aus den ersten zwei Spielen gegen Slowenien und Österreich. Um das zu schaffen, muss im zehnten Duell gegen Österreich der zweite Sieg der Israelis gelingen: „Österreich zu besiegen wird schwerer als Slowenien!“ wusste Herzog. Beim bisher einzigen israelischen Sieg zählt Herzog zu den Verlierern. Beim 0:5-Debakel am 6.Juni 1999 im alten Ramat Gan-Stadion von Tel Aviv war er Legionär bei Werder Bremen und Österreichs Kapitän. Mit dem Kantersieg kamen die Israelis damals ins Play-off um ein Ticket für die Euro 2000. Von diesem Kantersieg redet man in Israel aber viel weniger als vom Tor Herzogs im gleichen Stadion zwei Jahre später, das Österreichs ins Play-off für die WM 2002 brachte. Sowohl Israel als auch Österreich scheiterten im Play-off.

Natürlich fragten Herzog am Samstag einige, was er fühlen werde, wenn er am Sonntag knapp vor 18 Uhr vor Israels Betreuerbank die Hymne seines Heimatlands hören werde: „Ich liebe Österreich, aber ich kann professionell mit diesen Emotionen umgehen“, versicherte Herzog. Er hat ja das bereits vor sechs Jahren erlabt. Als Assistent von US-Teamchef Jürgen Klinsmann im Happel-Stadion. Aber zwischen einem Test und einem wichtigen Qualifikationsspiel besteht doch ein großer Unterschied. Da Resultat von damals, ein 0:1, möchte Herzog Sonntag nicht erleben.

Eine Niederlage wäre auch für Foda schlimm. In Albanien feuerte Boss Armand Duka nach dem verpatzten Heimstart in die Qualifikation, dem 0:2 gegen die Türkei in Shkodra, sofort seinen italienischen Teamchef Christian Panucci. Andere Länder, andere Sitten. In Österreich war das logischerweise bei ÖFB-Präsident Leo Windtner keine Sekunde ein Thema, wegen der Niederlage gegen Polen an solch drastische Maßnahmen zu denken. Aber sollte kein Sieg folgen, wäre die Situation ungut. Die Probleme, die Herzog in der Defensive hat, erlebt Foda in der Offensive. Auch wenn er es nicht so schlimm sieht: Der Ansatz, mit einer Leistung wie gegen Polen werde Österreich in Israel punkten, ist gefährlich. Auch die Meinung von Kapitän Julian Baumgartlinger, man müsse nicht viel ändern. Wenn Israels Keeper Ariel Harush so wie der Pole Wojciech Szczesny im ganzen Spiel nur zwei Bälle halten muss, dann wäre es bedenklich. Und wird auch gegen Herzog zu wenig sein. Österreichs Team muss sich hungriger nach dem Sieg präsentieren als am Donnerstag gegen Polen. So hungrig wie Meister Red Bull Salzburg bei seinem Prestige-Sieg gegen Napoli. Und sollte sich am Nachbarn Schweiz ein Vorbild nehmen, der die Qualifikation mit einem 2:0 (0:0)-Auswärtssieg über Georgien begann, in Tiflis elf Legionär zu Beginn aufbot. Und durch Tore der Deutschland-Legionäre Stefan Zuber (VfB Stuttgart) und Denis Zakaria (Mönchengladbach) drei Punkt holte.

Ändern muss Foda auf jeden Fall die Aufstellung. Schon wegen des Ausfalls von David Alaba. Der für Statistiker sogar ein Grund zu Optimismus ist: Von neun Qualifikationsspielen ohne Alaba ging nur eines verloren, nämlich 2012 in der WM-Qualifikation gegen Deutschland im Happel-Stadion, aber die letzten fünf gegen Russland (zweimal), Nordirland, Serbien und Moldawien sogar gewonnen. Das mag schon stimmen. Aber Alabas Klasse und Persönlichkeit werden garantiert abgehen. Es schaut danach aus, als ob Foda diesmal mit Viererabwehr agieren wird. Da bleibt die Frage zwischen Max Wöber und Salzburgs Kapitän Andreas Ulmer. Was wie gegen Polen gilt: Für Xaver Schlager muss ein Platz in der Startelf sein. Aber leider verzichtete Foda beim 0:1 auf diese Option.

Ein Salzburg-Duell wird es in Haifa auf jeden Fall geben. Zwischen Leo Lainer und Munas Dabbur. Samstag gab´s ein verbales Vorgeplänkel via Handy: „Habt´s schon Angst“, fragte Lainer Dabbur. Dessen Antwort: „Ihr könnt´ ruhig kommen.“ Ob es auch zu einem Eintracht Frankfurt-Duell zwischen Taleb Tawatha und Martin Hinteregger kommen wird, konnte Herzog Samstag nicht sagen. Es wäre ein ungleiches. Hinteregger spielte seit seinem Wintertransfer in jedem Match von Beginn an, Tawatha kam in der ganzen Saison nur zu drei Einsätzen mit 124 Minuten in der Bundesliga. Das hatte auch Israels Sportchef aus Österreich, Willi Ruttensteiner, im Hinterkopf, als er mit einem Blick auf Österreichs Ersatzspieler gegen Polen seufzte: „Da täten wir schon gerne einige nehmen.“ Was er damit sagen wollte:  Österreich hat mehr Spieler mit mehr Qualität als Israel. Und ist für ihn daher Favorit.

Foto: © Israel Football Association Media.

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