Fußball

Nicht zu glauben: In der Not will Fink auf Holzhauser verzichten und den Simeone machen

In den gemeinsamen Austria-Zeiten wäre es undenkbar gewesen, dass Thorsten Fink Raphael Holzhauser auf die Bank setzt.  Da war der 26jährige Mittlelfeldspieler (Bild oben) beim Trainer immer gesetzt. In der Not bei Grasshoppers Zürich, wo dem Letzten der Schweizer Super League der erste Abstieg nach 49 Jahren droht, ist jedoch alles anders: Fink will Sonntag Nachmittag beim Dritten Thun auf Kunstrasen statt des feinen Technikers Hochhauser im Mittelfeld lieber einen Fighter einsetzen. Möglicherweise den wieder den einsatzfähigen isländischen Kapitän Runar Sigurjonsson. Wahrscheinlich ist Österreichs Temkeeper Heinz Lindner als Kapitän der einzige Österreicher, der beginnt. Statt Marco Djuricin könnte der von Augsburg ausgeliehene Skandal-Brasilianer Caiuby stürmen.

Hektik pur herrscht bei Grasshoppers seit dem verlorenen Kellerduell gegen Neuchatel Xamax am letzten Sonntag, das die rote Laterne brachte. Präsident Stephan Anliker forderte von der Mannschaft mehr Leidenschaft, Fink schloss sich dem an. Auch der Trainer wurde natürlich wegen seiner katastrophalen Bilanz hinterfragt. Sportchef Mathias Walter bekräftigte zwar, nicht an einen Wechsel zu denken, die Medien sahen das anders. In seiner „Blick“-Kolumne forderte Kubilay Türkyilmaz, der ehemalige Schweizer Stürmerstar mit Grasshoppers-Vergangenheit, Fink zu entlassen. Der sei zwar als Dauer-Optimist, guter Kommunikator und blendender Rhetoriker ein Trainer für einen Klub, der vorne mitspielt, aber nicht für einen, der gegen den Abstieg kämpft. Daher müsse er weg. Eigentlich wurde ja Fink vor einem Jahr geholt, um den Schweizer Rekordmeister Grasshoppers wieder nach vorne zu bringen.

Der Aufregung nicht genug, flog Vorstandschef Manuel Huber trotz größter Sorgen in einen zweiwöchigen Karibik-Urlaub. Grund genug für den Trikotsponsor, seinen Rückzug mit Saisonende anzukündigen. Unglaubliche Vorgänge in der seriösen Schweiz. Fink bewies wenigstens noch den Ruf des blendenden Rhetorikers. Versprach im „Blick“ ungerührt, ab sofort bei jedem Grasshoppers-Sieg den Simeone zu machen. Gemeint ist Atletico Madrids argentinischer Trainer Diego Simeone und seine erst letzten Mittwoch beim 2:0 in der Champions League gegen Juventus wieder gesehene eigenartige, aber in Südamerika verbreitete Jubelgeste, sich ans Gemächt zu greifen. Damit will Simeone zeigen, dass seine Spieler Eier, sprich die richtige Mentalität haben. Offenbar der richtige Anschauungsunterricht für Fink, der sich an seine Spielerzeiten bei Bayern München  mit Oliver Kahn erinnerte: „Der sagte ja auch immer: Wir brauchen Eier, richtig Eier!“ Ob dies das richtige Mittel oder genug Anreiz ist, um mit Grasshoppers nicht abzusteigen? Sonntag in Thun hofft Fink erstmals den Simeone machen zu können.

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