Eishockey

Unterluggauer ist ein Unikat in der Eishockeyliga: Im Fußball könnte das nie passieren

Drei Tage vor dem Start am Freitag in die 16. Auflage mit dem Schlager zwischen den Linzer Black Wings und den Vienna Capitals, den Sky Austria live übertragen wird, bat die Erste Bank Eishockeyliga zu Ihrer Präsentation. Der Sponsor stellte dafür in seinem Campus beim Wiener Hauptbahnhof die Grand Hall als würdigen Rahmen zur Verfügung. Für eine Selbstbeweihräucherung. Präsident Peter Mennel und Geschäftsführer Christian Feichtinger schwärmten von ihrem Produkt, was sollen sie auch anderes tun. Verbandspräsident Gernot Mittendorfer hätte kritische Töne, wären sie ihm überhaupt, auf der Zunge gelegen, nicht artikulieren können. oder dürfen. Als Vertreter der Erste Bank, die ja auch den Verband sponsert, bleibt ihm keine Wahl. Die Liga hat Vorrang, da zählten die geschäftlichen Perspektiven in Kroatien, Ungarn, Italien und Tschechien.

Aber nicht vergessen: Die Nationalmannschaft bleibt das populärste Prime Product. Vor allem, wenn sie in der A-Weltmeisterschaft spielt. Was in dieser Saison  passiert. Daher zeigt die Liga ein Entgegenkommen: Indem sie nicht nur dem internationalen Break im November und Februar zustimmte, sondern auch dem dritten im Dezember zustimmte. Anders als in den letzten Jahren. Das soll angebliche Problem schaffen. Nur ist das dritte Break das legitime Anrecht des Verbands. Der dies nutzt, um mit dem Team als Etappe der WM-Vorbereitung an einem Turnier in der Schweiz gegen den Vizeweltmeister, Russland und WM-Veranstalter Slowakei teilzunehmen. Das hilft mehr als die Liga. Wirkliche Entgegenkommen sehen anders aus.

Auch wenn Mennel und Feichtinger  vom gestiegenen Medienwert schwärmten, von Ausgeglichenheit und Spannung, von 1,3 Millionen Zuschauern, mehr als dem Fußball: Fakt bleibt, dass allein bei den acht österreichischen Teilnehmern, von Wien über Linz, Salzburg, Graz, Klagenfurt, Villach, Innsbruck bis Dornbirn, nach letztem Stand 86 Ausländer unter Vertrag stehen. Das ist Wahnsinn, viel zu viel.  Die meisten spielen in Dornbirn und Linz (14), gefolgt von Innsbruck (13). und Graz (12). Die 99ers leisten sich sogar mit dem 29jährigen Dwight King einen Stürmer, der 2012 und 2014 mit den Los Angeles Kings Stanley Cup gewonnen hatte, könnten das ältestete Verteidigerduo der Liga aufbieten. Trainer Doug Mason hat  Kapitän Oliver Setzinger im Herbst seiner Karriere mit 35 als Verteidiger entdeckt,,der durch sein Können in dieser Rolle  wohl noch zehn Jahre spielen könnte. Dazu engagierte die Steirer den 39jährigen Andre Lakos. Ein 74jähriges Verteidigerpaar als Attraktion!

Aber das sind zwei Spieler, die Respekt verdienen. Abwarten, von wie vielen der   86 Legionäre man das sagen wird können. Die Vienna Capitals rühmen sich 13 Österreicher im Kader zu haben, davon 10 mit Wiener Wurzeln. Aber abwarten, wie viele der neue Coach mit NHL-Erfahrung, Dwight Cameron, in den ersten zwei Linien bringen wird. Rafael Rotter sicher, vielleicht  Peter Schneider und Andreas Nödl, sicher, aber dann? Mitunter wollte man Dienstag bei der Präsentation in der Grand Hall schon aufbrüllen: „Hallo, wir sind in Europa, nicht eine nordamerikanische Außenstelle.“ Weil in der Mehrzahl englisch gesprochen wurde, viel zu selten deutsch. Gemäß den Paarungen der ersten Runde am Freitag wurden Vertreter jeder Mannschaft auf die Bühne gebeten.  Zwei, die deutsch sprachen, gab es nur bei Bozen gegen Graz mit Anton Bernard, dem neuen Kapitän des Meisters, dem in einer Umfrage 26 Prozent die Titelverteidigung zutrauten, und Setzinger. Ansonst redeten außer Mittendorfer, Mennel und Feichtinger nur Dornbirns Spieler Stefan Häußle, Salzburgs Trainer Greg Poss in einem Kauderwelsch, das er sich schon in seiner früheren Zeit als deutscher Teamchef angeeignet hat, und Villachs Kapitän Niki Petrik Deutsch. England als Amtssprache, ganz schlimm! Könnte im Fußball nie passieren. Da ist mir die Tipico Bundesliga auch ohne internationale Beteiligung viel, viel lieber!

Es tat Dienstag richtig gut, einem österreichischen Unikat die Hand schütten zu können, zumal man das in vergangenen Jahren als Spieler schätzen gelernt hat: Gerhard Unterluggauer (Bild oben), der  einzige österreichische Trainer in dieser fast nordamerikanischen Liga. Noch dazu Österreichs Rekordteamspieler. Angetreten, um den Traditionsklub Villach wieder dorthin zu führen, wo er hingehört. Die letzten zwei Jahre nicht im Play-off, das geht gar nicht. Also übernahm Unterluggauer von seinem Vorgänger als Unikat, von Markus Peintner. Der sein Assistent ist. In Villachs Trainerstaff gibt´s keinen einzigen Ausländer. Auch das bedeutet eine sehr lobenswerte Ausnahme in dieser Liga. Unterluggauer, zugleich auch Sportchef,  begann damit, alle rauszuschmeißen, die sich in den letzten Jahren Dinge erlaubten, die man sich nicht erlauben darf: „Jetzt wird bei uns mehr deutsch geredet“, erzähl Petrik. Unterluggauer legt auf Einzelgespräche Wert, vor versammelter Mannschaft muss er englisch reden, sonst würden ihn zu viele nicht verstehen. Aber bei ihm  kriegen die Kandidaten für Teamchef Roger Bader,  wie der 21jährige Verteidiger Bernd Wolf, die Stürmer Benjamin Lanzinger (18), Christoph Kromp (21), Felix Maxa (20), Alex Lehoda (22) oder Patrick Spannring, sobald er nach einer Knieoperation voll im Saft, ist, rund 18 Minuten Eiszeit pro Match, werden sowie im Powerplay eingesetzt als auch im Penaltykilling. Damit kann Bader bei den anderen Klubs kaum rechnen.

Villach hat wie der KAC „nur“ acht Ausländer. Einen mehr als geplant, weil die jungen Torhüter David Kickert und Lukas Herzog von Linz und Salzburg abgeworben wurden. Man muss Unterluggauer viel Erfolg wünschen. Damit sein Beispiel Schule macht, sich ein Wunsch erfüllt: „Es wär schön, wenn hier mehr Trainer deutsch reden würden.“ Apropos Torhüter: Typisch für diese Ausländerliga ist, dass Teamgoalie Bernhard Starkbaum nach seiner starken WM in Kopenhagen keinen Klub fand. In Salzburg machte ihn der Trainer dafür verantwortlich dass er nicht Meister wurde. In völliger Verblendung. Herr Poss sollte eher die Schuld bei sich suchen. Mit Hilfe von Bader, der auch aus Eigeninteresse handelte, kam Starkbaum beim Schweizer Zweitligisten Kloten unter. Ungefähr so, wie wenn man einem Eskimo einen Eisschrank verkauft. Weil in der zweiten Schweizer Liga nur zwei Legionäre pro Klub eingesetzt werden dürfen. Im Land des Vizeweltmeisters agiert man in Sachen Legionären viel klüger. Die Forderung des entthronten Meisters SC Bern, die Anzahl der Legionäre von vier auf sechs um zwei „Ergänzungsausländer“ zu erhöhen, wurde abgeschmettert. Solche Vorstösse gibt´s bei Österreichs Nachbarn so alle fünf Jahre, aber die Schweizer stehen mehr zu ihrem Nationalteam.. Und fahren gut damit!  In Österreich bleibt aber die Punkteregelung, die sich gegen die Österreicher richtet, wie in Stein gemeißelt. Ebenso die zu große Anzahl der Legionäre. Weil einige gute Geschäfte damit machen.

Foto: STIMME.de (Foto: Archiv/Berger).

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