Fußball

Chelsea feiert seinen 39 Millionen-Reservisten! Und Prödl macht sich Sorgen

Chelsea-Fan Dominic Thiem hatte Freitag Abend doppelten Grund zum Feiern. Ungefähr zur gleichen Zeit, zu der Österreichs Tennisas in Madrid erstmals ins Semifinale kam, sicherte sich Chelsea tausende Kilometer weit weg im Stadion The Hawthornes von  Birmingham mit dem 1:0  gegen West Bromwich, einem der Ex-Klubs von Paul Scharner, seinen sechsten Meistertitel, den ersten seit 2015 unter Jose Mourinho, ein Jahr nach einer Frustsaison mit Rang zehn. Mit einer Geschichte, die nur der Fußball schreibt: Keinem, der klingenden Namen wie Diego Costa, Eden Hazard oder Cesc Fabregas war es vorbehalten, für den entscheidenden Treffer zu sorgen, sondern einem, der in der ganzen Saison nie von Beginn an spielte. Sieben  Minuten vor Schluss gelang dies Belgiens 23jährigen  Teamstürmer Michy Batshuayi, letzten Sommer für 39 Millionen Euro von Olympique Marseille gekauft. Er kam nur zu 18 Einsätzen als Joker, spielte insgesamt nur 124 Minuten. Das  zweite Tor des 39 Millionen-Reservisten in der Premier League sieben Minuten nach seiner Einwechslung für Pedro  durchbrach den Abwehrbeton von West Bromwich, führte zu sensationellen Jubelszenen, riesigen Emotionen. Auch beim 36jährigen Abwehrrecken John Terry, der nach 20 Jahren Chelsea als Meistertitel  verlassen kann.

Fabregas bezeichnete es als „f***ing unbelivable“, geradezu unglaublich, dass einer, der so wenig spielte wie Batshuayi, plötzlich zum gefeierten Helden wird. Trainer Antonio Conte wirkte bei den Freudenorgien 0 am Rasen nach dem Tor außer Rand und Band. Erste Saison in der Premier League, gleich der erste Titel. Nach fünf in Italien als Spieler und drei als Trainer, alle mit Juventus. Freitag überraschte 47jährige, als er den leicht angeschlagenen Mittelfeldstartegen N´Golo Kante, eine entscheidende Figur in der starken Chelsea-Saison, auf der Bank ließ. Vielleicht wollte Conte nichts vor dem noch anstehenden Cupfinale gegen Arsenal am 27. Mai in Wembley riskieren. Das Double wäre noch das Tüpfchen auf dem i. Dann würde es nochmals Champagnerduschen für ihn geben, wenn er in die Kabine kommt.  Freitag wurde Conte fast vom Champagner weggeschwemmt.

Für Conte wird sich der Triumph auszahlen. Wenn er den bis 2019 laufenden Vertrag jetzt schon verlängert, dann hebt Chelsea-Boss Roman Abramowitsch seine Millionenbezüge merkbar an. Dann bekommt er künftig statt 5,5 Millionen Euro pro Saison neun. Das wäre Platz drei in der Gehaltstabelle der Trainerstars in der Premier League hinter Mourinho (18 Millionen) und  Pep Guardiola (14,8). Auch eine Reaktion auf das Werben der neuen chinesischen Besitzer von Inter Mailand um Conte, dem er allerdings schon eine Absage erteilte: „Wenn man  eine neue Aufgabe bei einem Klub übernimmt, dann  will man länger bei ihm arbeiten.“ Das nennt man ein Treuebekenntnis zu Chelsea. Das erste Match als Meister bestreitet  Chelsea am Montag daheim an der Stamford  Bridge. Gegen Watford und Sebastian Prödl, wo der italienische Trainer Walter Mazzarri nicht mehr unumstritten ist.

Seit Freitag Abend, dem 0:1 gegen Everton im Goodison-Park von Liverpool, macht sich Prödl wieder Abstiegssorgen. Sunderland und seit Samstag Middlesbrough sind schon fix abgestiegen, gefährdet sind noch Hull, Swansea und Crystal Palace, vielleicht auch Watford bei derzeit nur zwei Punkten mehr als Crystal Palace und Swansea sowie sechs als Hull. Hängt an der  Partie zwischen Crystal Palace und Hull am Sonntag Mittag im Londoner Selhurst-Park. Siegt Crystal Palace, sind Prödls Sorgen vorbei, ebenso bei einem Unentschieden. Gewinnt aber Hull, hätte  es die letzte Runde in sich, ausser Watford verliert Montag den Nachtrag beim Meister Chelsea nicht: Watford empfängt Manchester City, Hull Tottenham, Crystal Palace Manchester United.  Tottenham ist schon fix in der Champions League, Manchester United wird vier Tage vor dem Europa League Finale gegen Ajax Amsterdam in Stockholm laut Mourinho nicht die erste Garnitur aufbieten – aber Guardiola wird in seiner ersten titellosen Saison als Trainer mit Manchester City Punkte für einen Fixplatz in der Königsklasse brauchen! Da sorgt sich Prödl zurecht, auch wenn er wie immer positiv denkt, nicht daran zweifelt, mit Watford  eine dritte Saison in der Premier League zu bestreiten.

 

 

 

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